Wie hat deine Schullaufbahn die Wahl deines Studiengangs Ingenieur-Informatik (heute Industrie-Informatik) beeinflusst? Wie bist du auf deinen Studiengang gekommen?
In der Schule hatte ich Leistungskurse für Mathematik, Physik und Sozialkunde belegt und den Grundkurs Informatik mit der maximalen Punktzahl abgeschlossen. Da war ein Studium im Bereich der technischen Informatik eine logische Konsequenz. Der ausgewogene Mix von Ingenieur- und Informatikfächern bei der Ingenieur-Informatik ermöglichte eine sehr breite aber dennoch fundierte Ausbildung mit sehr flexiblen Einsatzmöglichkeiten.
Was hat dich dazu bewegt, nach Wernigerode an die Hochschule Harz zu kommen?
Die Hochschule Harz ist eine junge aufstrebende Hochschule. Die Seminargruppen waren übersichtlich, sodass das Verhältnis von Professoren zu Studenten sehr gut ist. Die Lehrinhalte hatten einen starken Praxisbezug, die Laborausstattung war neu und die Hochschullehrer waren frisch und dynamisch. Auch in der Bibliothek gab es keine angestaubten Bücher.
Was war im Studium besonders spannend? Was findest du an der Hochschule Harz besser als anderswo?
Ich fand gut, dass wir viele Fächer mit Entwurfsarbeiten einschließlich einer Verteidigung abgeschlossen haben, was in dieser Form einzigartig ist. Dadurch wurde die Eigenständigkeit der Studierenden gefördert. Zusätzlich haben wir in einem Teamprojekt eigenständig Software für eine reale Aufgabe entwickelt. Für mich als damaligen Teamleiter war dies eine gute Schule für das Projektmanagement.
Der breite Mix anspruchsvoller Veranstaltungen, von der Regelungstechnik über Werkstoffkunde bis zum Software-Engineering ließ keine Langeweile aufkommen. Außerdem bestand genügend Freiraum, über Wahlfächer den eigenen Horizont zu erweitern.
Wo und als was arbeitest du jetzt?
Derzeit leite ich im ABB-Forschungszentrum Deutschland die Forschungsgruppe "Life Cycle Science", die sich mit Servicetechnologien beschäftigt.
ABB ist ein führendes Unternehmen in der Energie- und Automationstechnik mit etwa 111.000 Mitarbeitern in rund 100 Ländern, davon etwa 10.500 in Deutschland. Als internationaler Konzern betreibt ABB weltweit sieben Forschungszentren.
In meiner Forschungsgruppe versuchen wir Serviceleistungen, wie klassischer Reparatur- und Ersatzteilservice für Industrieanlagen zu verbessern. Neben der Verlängerung der Lebenszeit von Produkten ist z.B. das Thema Wissensmanagement sehr wichtig. Einem Serviceingenieur müssen alle relevanten Informationen am richtigen Ort zu richtigen Zeit in einfacher Weise bereitstehen. Dabei kann er einen Tablet PC benutzen und ist über ein Headset mit einer tragbaren Kamera mit anderen Ingenieuren vernetzt. Hierbei entwickeln wir die passenden Serviceprozesse und die Informationslogistik. Und natürlich muss das Ganze bezahlbar bleiben. Um das zu erreichen müssen wir innovative Methoden der Informatik und effiziente Software-Werkzeuge entwickeln und anwenden. Meine Gruppe besteht aus Projektleitern, technischen IT-Experten, Chemikern, Elektroingenieuren und Wirtschaftsinformatikern und wir erproben unsere neuesten Entwicklungen in sogenannten Feldversuchen in verschiedenen L?ndern, von Singapur über China bis hin nach Kanada.
Wie bist du dort hingekommen?
Nach dem Studium stand ich vor der Frage, zu promovieren oder in die industrielle Forschung zu gehen. Eine erfolgreiche Blindbewerbung bei ABB hat mich zunächst in den Bereich der Echtzeitsoftwareentwicklung für Mikrocontroller gebracht. Dann wurde mir die Leitung des EU-Forschungsprojektes PECOS übertragen. Ab 2003 habe ich selbst eine Forschungsgruppe aufgebaut und forsche mit 11 Mitarbeitern an spannenden Projekten.
Was von dem, was du hier studiert hast, zeichnet dich dort besonders aus?
Das praxisorientierte Herangehen an Projekte in der angewandten Forschung und die zielgerichtete Bearbeitung technischer Problemstellungen im IT-Umfeld haben u. a. ihre Wurzeln an der Hochschule Harz. Die studentischen Erfahrungen im Verteidigen und Vermarkten eigener Ergebnisse und Projekte helfen mir noch heute im täglichen Projektgeschäft. Die breite fachliche Basis, Projektleitungskompetenz und Softwareengineering, die ihre Wurzeln an der Hochschule haben, sind für mich unverzichtbar.
(Stand 2008)