FB Automatisierung und Informatik
Studentenkarrieren
Alexander Beneke und Tobias Denecke

Tobias Denecke und Alexander Beneke sind Inhaber der Kölner DVD-Produktionsfirma "Group of Pictures". Nebenbei sind sie Autoren von Fachliteratur (u.a. DVD-Technikstandards und Troubleshooting, Sybex-Verlag) und als Gastdozenten an verschiedenen Universitäten tätig.
"Spaß gemacht hat es auf jeden Fall"
Ihr beide habt ab 1997 in Wernigerode Medieninformatik studiert. Wie hat euch dieses Studium im Großen und Ganzen gefallen?
Tobias Denecke:
Letztendlich war am Anfang das Problem, dass wir die Ersten waren. Es war nicht immer alles gut strukturiert, es war schon ein bisschen durcheinander. Die Richtung hat teilweise gefehlt, was sich aber am Ende des Semesters dann irgendwann gegeben hat. Das Gute daran war, dass wir am Anfang 20 Leute waren und im Endeffekt drei Professoren fast nur für uns hatten. Die technische Ausrüstung war noch nicht so toll. Wenn man das jetzt hier sieht, das ist einfach ein riesiger Unterschied. Was ein bisschen gefehlt hat, war eine spezielle Ausrichtung am Anfang. Also im Endeffekt ist klar: Wenn man fertig ist mit Studieren, kann man nichts richtig, alles nur ein bisschen und muss sich dann selber irgendwie umgucken. Aber ansonsten? Spaßgemacht hat es auf jeden Fall.
Alexander Beneke:
Klar, man hatte die Freiheit Sachen auszuprobieren und das sieht man auch an der Bandbreite der Studenten, die sich aus den ersten Semestern verabschiedet haben. Die sind von ihrem Arbeitsfeld her so weit verstreut, dass man eindeutig sieht, dass einfach jeder sich ausprobieren und seinen Weg finden konnte.
Tobias Denecke:
Und wir hatten viel Unterstützung von allen Seiten. Das darf man einfach nicht vergessen. Wir waren die Ersten und echt ein bunter Haufen. Haben viele gute Partys gefeiert und organisiert und wurden eigentlich von allen gut unterstützt, auch von der Stadt. Also wenn die Jungs hier irgendwas gemacht haben, gab es eigentlich nie Probleme.
Ihr seid also nicht von der Hochschule aus spezialisiert in euer Arbeitsleben gestartet?
Tobias Denecke:
Auf keinen Fall. Bei mir war das so, dass ich das zweite Praktikum bei einer DVD-Firma in München absolviert habe. Bis dahin hatte ich noch nie eine DVD in der Hand. Das hat sich dann so ergeben. Das war eine Spezialisierung, die im Studium noch gar nicht abzusehen war. Logischerweise ist dann letztendlich wieder alles zusammengetroffen: Grafikdesign, Bildbearbeitung, Audiobearbeitung.
Gibt es im Arbeitsleben deutlich andere Schwerpunkte als im Studium?
Tobias Denecke:
Nicht unbedingt. Aber was man letztendlich an Stress erlebt im Arbeitsleben: den Termin- und Gelddruck, das kann dir hier keiner vermitteln. Eine Projektarbeit zu machen ist schön, da lernt man: a) zusammenzuarbeiten und b) strukturiert arbeiten. Aber der Druck, der dann dahinter steht, wenn du davon leben musst, ist ein ganz anderer.
Ihr habt eure jetzige Firma nicht gegründet, sondern übernommen. Wie war das möglich? Ich glaube nicht, dass es da um Summen in schwindelerregenden Höhen ging.
Alexander Beneke:
Auf keinen Fall. Nein, das ist kein finanzieller Riesenakt gewesen. Es war für uns, weil wir genauso aus dieser studentischen Sicht kamen, finanziell natürlich arg. Wir hatten auf einmal Schulden und wussten auch nicht, ob es funktioniert. Und jetzt, 2 Jahre später, kann man eigentlich nur froh sein, dass wir den Preis bezahlt haben. Aber damals war das auch für uns eine bedrohliche Situation, wo wir uns das echt überlegt haben. Letztendlich haben wir es dann gemacht und es war auf jeden Fall richtig.
Also könnt ihr mittlerweile auch davon leben?
Tobias Denecke:
Ja, sehr gut, auf jeden Fall.
Das sind doch gute Aussichten für Medieninformatiker, oder?
Tobias Denecke:
Ja, aber letztlich muss man sich nichts vormachen. Das ist super stressig. Man muss auch lernen, den Stress hinter sich zu lassen, wenn man aus der Tür rausgeht. Es gibt teilweise Situationen, da liegst du zu Hause im Bett und denkst trotzdem noch darüber nach. Wenn du merkst, dass irgendwas schief läuft oder im Argen ist, kann man nicht wirklich abschalten. Und es ist halt verdammt viel Arbeit. Es gab Monate, da haben wir die Sonne nur im Fernsehen gesehen. Aber dafür gibt es auch Strecken, wo man genau dasselbe umsetzen kann, auch vom Geld her und weniger arbeiten muss.
Alexander Beneke:
Du bist nicht angestellt und weißt nicht, wohin das Geld wandert. Wir haben auch ordentlich gefeiert und sind mit der Firma gewachsen. Das ist jetzt so wie es ist.
Und obwohl ihr so viel zu tun habt, seid ihr zusätzlich als Dozenten an verschiedenen Unis tätig?
Alexander Beneke:
Das ist auf jeden Fall wichtig, um einfach noch einen Blick von außen zu haben, neue Sachen kennen zu lernen und auch, um sich selber und seine Arbeit zu hinterfragen.
Tobias Denecke:
Ja, und teilweise geht es echt einfach darum, dass man mal rauskommt. Dass man mal was anderes sieht. Ich meine, letztendlich ist es drei Jahre her, da saßen wir hinter dem Tisch und jetzt stehen wir vor dem Tisch. Das ist eine schöne Erfahrung, definitiv. Man lernt für sich selber noch ein bisschen was. Wir machen das jetzt mittlerweile seit...
Alexander Beneke:
...anderthalb Jahren.
Tobias Denecke:
...anderthalb Jahren und haben da eine Routine drin. Wir wollen aber mit 50 nicht mehr in dieser Position sein, dann muss schon ein bisschen was anderes laufen. Also sagen wir mal so, wegen des Geldes macht man das jetzt eigentlich nicht, das ist klar.
Ihr wart beide schon als Autoren tätig. Habt ihr eure Bücher noch als Studenten geschrieben?
Alexander Beneke:
Ich war noch Student. Das ging über eine Anfrage über die Diplomarbeit und den Verlag. Im Prinzip ist es auch total einfach, so ein Thema zu kriegen. Wenn du ein Konzept hast, gehst du "einfach" zu jedem Verlag und fragst, ob die das machen wollen. Bei uns war es so, dass die noch Autoren für das erste Buch gesucht haben. Dann haben wir jeder einen Teil unserer Diplomarbeit als Leseprobe abgegeben. Die wollten sehen, wie wir schreiben. Dann waren die zufrieden und wir konnten dort einsteigen. Und wenn du einmal eins geschrieben hast, ist es einfach, weil die dann automatisch wissen, was du kannst, und dann kriegst du die Sachen auch angeboten. Die rufen auch heute noch an.
Danke für dieses äußerst amüsante und informative Gespräch.
(Stand 2007)