
Leif Oppermann studierte von 1998 bis 2003 Medieninformatik an der Hochschule Harz und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Mixed Reality Lab an der University of Nottingham.
Was machst du gerade?
Ich bin an der University of Nottingham in England angestellt. Hier arbeite ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Mixed Reality Lab (MRL) und als Doktorand an meiner Dissertation. Wir betreiben Forschung, die z.B. mit Spielen und mobilen Netzwerken oder, allgemeiner gesagt, mit allen Formen der Vermischung von Realität mit digitalen Informationen zu tun hat. Das gefällt mir sehr gut.
Was bedeutet "Mixed Reality"? Was wird in eurem Labor entwickelt?
Im Prinzip geht es bei Mixed Reality um die Anreicherung unserer Wahrnehmung mit digitalen Informationen. Eine bekannte Mixed Reality-Anwendung ist z.B. das Navigationssystem im Auto. Das MRL wurde Anfang 2000 unter der Leitung von Steve Benford gegründet. Hier forschen ca. 60 Mitarbeiter aus verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen, wie z.B. Informatik, Ingenieurwesen oder Psychologie. Ein Fokus ist dabei die Anwendbarkeit in allen Bereichen des täglichen Lebens - lernen, spielen, arbeiten und erkunden. Wir arbeiten international an verschiedenen Projekten wie z.B. IPerG oder Equator. Projektpartner aus der Wirtschaft sind z.B. Sony Net Services, Nokia, BBC oder Honda.
Was hat dich nach England verschlagen?
Das hatte ich anfangs gar nicht im Sinn. Bei Professor Dr. C. Geiger hatte ich die Vertiefungsrichtung Augmented Reality (AR) belegt. Dadurch wurde mein Interesse für die akademische Laufbahn geweckt. AR war dann auch das Thema meiner Diplomarbeit und mündete schließlich in einem wissenschaftlichen Papier, das ich für den ARToolkit Workshop 2003 in Tokio eingereicht habe. Zur Präsentation meiner Software bin ich nach Japan geflogen und habe mich aktiv um Kontakte bemüht. Letztendlich war England dann am attraktivsten für mich.
Wie ist das Studieren in Nottingham?
Studieren ist in England deutlich teurer als in Deutschland. Entweder wird man als Doktorand komplett gesponsert und hat 3 Jahre Zeit, um ein Thema völlig frei zu bearbeiten, oder man hat als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Teilzeitdoktorand 4-6 Jahre Zeit für die Doktorarbeit. Die Studiengebühren betragen für Europäer ca. 3000 Pfund pro Jahr, als Teilzeitstudent die Hälfte. Ich bin immer im Lab und arbeite hauptsächlich am IPerG Projekt und an meiner Dissertation. An der Universität Nottingham studieren ca. 30.000 Studenten. Das MRL gehört zur School of Computer Science, die mit ca. 1000 Studenten vertreten ist. Ich fühle mich in Nottingham sehr wohl, der Unterschied zu Deutschland ist nicht so groß, wie man denkt.
Was ist eigentlich ein "PhD"? Und wie geht´s danach weiter?
Der PhD, Doctor of Philosophy, ist das internationale Äquivalent zum Doktor und wird weltweit anerkannt. Er ist eine Anfangsqualifikation, um ernsthaft wissenschaftlich arbeiten zu können. Nach dem Doktor nimmt man i.d.R eine Postdoc-Stelle an. Für mich ist eine Forschungseinrichtung im deutschsprachigen Raum mittelfristig am interessantesten.
(Stand 2007)