
Sven Pohle ist Medieninformatik-Student des Jahrgangs 1998. Seit 2003 arbeitet er als Character Technical Director im Bereich 3D-Animation bei "Dreamworks" in Los Angeles, USA.
Gab es ein Leben vor der HS Harz? Was hast du vor dem Studium gemacht und waren diese Aktivitäten für das Studium von Vorteil?
Oh ja! Viele meines Jahrgangs hatten vorher die unterschiedlichsten Berufe.
In meinem Fall war es eine Ausbildung zum Elektriker, ein angefangenes Studium als Programmierer und die Bundeswehr. Angefangen habe ich meine Arbeit in 3D während meiner Bundeswehr-Zeit mit "3D Studio Max". Animiert habe ich nie, jedenfalls nicht ernsthaft. Das liegt mir einfach nicht.
War das hilfreich hinsichtlich des Studiums?
Sicher in Hinblick auf die eigentliche Wahl des Studiums. Was dir im Studium hilft, ist Begeisterung für das, was du machst. Das war das beste am Studium. Mit so vielen unterschiedlichen Möglichkeiten, die dir geboten wurden, war es schwer, den überblick zu behalten, was du denn später machen willst.
Warum hast du dich auf 3D spezialisiert?
Gute Frage, und ich weiß nicht einmal eine passende Antwort darauf. Möglicherweise, weil 3D so ziemlich alles in einem verbindet! Es reicht über Design, Programmierung, Sound und Video.
Sind/Waren die Möglichkeiten/Angebote im 3D-Bereich in der Hochschule Harz ausreichend bzw. empfandest du sie als ausreichend?
Mehr als ausreichend. Zu meiner Zeit war alles noch im Aufbau. Über die Jahre haben wir angefangen, 3D auszubauen. Angefangen mit einem kleinen Labor mit "Softimage 3D", über das erste 3D-Labor mit "Maya"-Lizenzen bis hin zu ersten 3D-Projekten war es eine fantastische Zeit. Ich erinnere mich noch, dass ich Eberhard Hägerle zu mir nach Hause eingeladen hatte, um ihm die erste Version von "Maya" und seinen Möglichkeiten zu zeigen.
Wie empfandest du damals die Laborausstattung?
Wir hatten nicht viel am Anfang, aber das hat dem Ganzen keinen Abbruch getan. Wir lernten ziemlich schnell, wie wir das Problem umgehen konnten. Viele Projekte sind auf Heimcomputern und auf sehr simple Weise gemacht worden. Für Videoschnitt waren zwei Plätze da ("FAST" und "AVID"). Es war nur eine Frage der Organisation. Ich will nicht sagen, dass wir nicht auch immer auf neue Hardware oder Software gedrängt haben. Aber du musst nicht immer das Neueste haben. Es sind nicht Ausstattung oder Tools, die ein gutes Design, ein gutes Video oder was auch immer ausmachen. Das ist etwas, das ich über die Jahre gelernt habe.
Wo hat es dich nach dem Studium hin verschlagen?
Nach dem Studium war ich in Berlin. Ich habe dort noch eine Weile für "Das Werk" gearbeitet. Später dann nach San Francisco, oder besser die "Bay Area", wo ich in "Mountain View" ca. einen Kilometer von "Google" entfernt gewohnt habe. Ich arbeitete bei "PDI" in Redwood City. Ein Jahr später war ich dann bei "Dreamworks" in Los Angeles.
Beschreibe doch mal ganz kurz, was du jetzt genau machst, bzw. was du bisher an den verschiedenen Projekten gemacht hast.
Mein genauer Job-Titel ist "Character Technical Director", was nicht mehr ist, als Character-Setups erstellen. Was sich geändert hat, ist, dass ich nicht mehr in Maya arbeite, da "PDI/Dreamworks" ihre eigene Software hat. Mein Job hat sich schon etwas geändert über die Zeit hier. Anfangs habe ich einen Character nach dem anderen gemacht.
Nachdem ich hier zu "Dreamworks" nach LA gekommen bin, habe ich mehr globale Arbeiten übernommen und kümmere mich mehr um die Pipeline oder Prototypen. Von Zeit zu Zeit arbeite ich aber immer noch an Characters.
Die Projekte, an denen ich bisher gearbeitet habe, sind:
"Shrek 2", "Shrek 3", "Madagascar"?, "Over The Hedge" und "Kung Fu Panda". Für Shrek 2 und 3 habe ich die Donkey-Babies gemacht. Die tauchen im Abspann von "Shrek2" auf und werden in Teil 3 zurückkommen. "Madagascar" war eigentlich der erste Film, an dem ich gearbeitet habe. Allerdings nur einige Side-Characters wie das Horse zum Beispiel. In "Over The Hedge" war es das erste Mal nicht nur Character-Work. Ich habe die Face-Setups für alle Characters und einige andere technische Dinge, über die ich leider nicht mehr sagen kann, überwacht. "Kung Fu Panda" ist meine jetzige Show und darüber darf ich im Moment leider noch weniger erzählen. Aber ich glaube, es ist das beste Projekt, das hier zur Zeit in der Pipeline ist.
Würdest du sagen, dass man als Medieninformatik-Student die Möglichkeit hat, deinen Weg einzuschlagen?
Ja, ich glaube schon, dass man das machen kann. Das bezieht sich aber nicht nur auf 3D. Alles was wir machen und lernen im Studium, hat etwas mit Design zu tun. Die Tools, die du in deinem Berufsleben benutzt, werden sich wahrscheinlich mehrere Male ändern. Es hat eine Menge damit zu tun, wie schnell und gut du diese neuen Tools lernen kannst. Ein anderer, aber für mich entscheidender Aspekt, ist Begeisterung für das, was du machst. Wenn du dich wirklich für eine Sache begeisterst, wirst du früher oder später sehr gut darin und keine Tür wird dir verschlossen bleiben. Ich habe bei "Dreamworks" mit einigen Leuten Einstellungsgespräche geführt, und für uns ist diese Begeisterung ein entscheidendes Augenmerk.
Wie siehst du die Möglichkeiten für 3D-Animation in Deutschland?
3D-Animation? Schlecht! 3D-Commercial Work mehr oder minder o.k. Gerade in diesem Jahr wird es sehr spannend zu sehen, was mit 3D-Animation geschehen wird. Bislang haben nur "Pixar", "PDI/Dreamworks" und "Blue Sky" den Markt geprägt. In diesem Jahr erscheinen allein 14 Filme von anderen Firmen. Viele hoffen auf das große Geld, nachdem "Shrek 2" so ziemlich alle Rekorde gesprengt hatte.
Ganz kurz noch zum Schluss: Arbeitest du persönlich lieber nach realem Vorbild oder nach Fiktion?
Alles was wir hier machen, ist Fiktion, mehr oder minder :)
Gut, das waräs. Herzlichen Dank!
(Stand 2007)