Forschungsnews

Dritte Ringvorlesung zur Demografiefolgenforschung

Interviewstandorte
Die Zukunft der kommunalen Senioren-Technik-Beratung

Am 13. Juni 2018 fand im Senatssaal der Hochschule Harz die nunmehr dritte Veranstaltung der von Prof. Dr. Ulrich Fischer-Hirchert organisierten Ringvorlesung zur Demografiefolgenforschung – einem von zwei fachbereichsübergreifenden Forschungsschwerpunkten der Hochschule – statt. Prof. Dr. Birgit Apfelbaum vom Fachbereich Verwaltungswissenschaften referierte zusammen mit ihrem Mitarbeiter Thomas Schatz über das im Januar 2018 gestartete Projekt VTTNetz – Innovationsnetzwerk vernetzte Technikberatung und Techniknutzung. Das Projekt ist Bestandteil des über das Bundesprogramm „Innovative Hochschule“ geförderten Verbundvorhabens TransInno_LSA (2018 – 2022), in dessen Rahmen sich die Hochschulen Magdeburg-Stendal, Merseburg und Harz unter Leitung der Hochschule Harz mit der Erfassung, Evaluation und Modernisierung ihrer Transfer- und Third Mission-Aktivitäten auseinandersetzen.

Das Teilprojekt VTTNetz widmet sich der Frage, ob und wie die bekannte Lücke zwischen den großen technologischen Potenzialen und der geringen sozialen Akzeptanz technischer Alltagsunterstützung älterer Menschen durch Senioren-Technik-Beratung geschlossen werden kann. Birgit Apfelbaum brachte es in ihrem Vortrag auf den Punkt: „Uns interessiert, aus welchen Gründen technische Innovationen bisher kaum soziale Innovationen hervorgebracht haben und wie Technik-Beratung die Etablierung neuer Formen der selbstständigen Lebensführung im Alter unterstützen kann.“

Dabei liegt der Fokus auf der kommunalen Ebene. Neben der Sensibilisierung von Stakeholdern für die Bedeutung technischer Assistenz soll im Rahmen von VTTNetz insbesondere die vernetzte Kooperation haupt- und ehrenamtlicher Akteursgruppen bei der Schaffung und Aufrechterhaltung entsprechender Beratungsangebote in Kommunen untersucht und gefördert werden. Dabei kann das Team um Birgit Apfelbaum auf Erfahrungen aus Vorprojekten wie etwa der Begleitung zweier BMBF-geförderter kommunaler Beratungsstellen „Besser leben im Alter durch Technik“ in Halberstadt und Wanzleben-Börde (2014 – 2016) zurückgreifen.

Die Wissenschaftler*innen der Hochschule Harz haben sich zum Ziel gesetzt, die Technik-Beratung bundesweit zu fördern und zu begleiten. Entstehen soll dabei unter anderem ein interkommunales Netzwerk zur Förderung des Wissens- und Erfahrungsaustauschs zwischen einzelnen Berater*innen bzw. Beratungseinrichtungen, das auch Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen anbietet. Ein Online-Wissensspeicher, über den – z.B. in Form eines kollaborativ geführten Wikis – das Know-How der vernetzten Berater*innen systematisch erfasst und dauerhaft verfügbar gemacht werden soll, befindet sich in der Konzeptionsphase. Praktische Beratungs- und Informationsarbeit leisten die Sozialwissenschaftler*innen mit dem Real-Labor „Technik-AKzeptanz und Soziale Innovation“, kurz TAKSI –, das auf dem bereits aus den verschiedenen Vorprojekten existierenden Reallabor für Ambient Assisted Living (AAL) der Wernigeröder Wohnungsgenossenschaft (WWG e.G.) in der Wernigeröder Kopernikusstraße aufbaut. „Der eigene Zugang zum Feld der Beratung älterer Menschen ist für den Erfolg unseres Projektes essentiell“, so Birgit Apfelbaum.

Das ambitionierte Projekt befindet sich derzeit in der Konzeptionsphase, in der die konkreten Instrumente und Formate für die geplante Vernetzung der Beratungsstellen, den Wissenstransfer sowie die beraterorientierten Bildungsofferten geplant werden. Dazu wird eine bundesweite Bedarfserhebung unter Wohn- und Senioren-Technik-Berater*innen durchgeführt. Ermittelt werden dabei unter anderem die IST-Situation in der kommunalen Technik-Beratung, der Umfang existierender Angebote zur Aus- und Weiterbildung sowie der Grad der interkommunalen Vernetzung. Mit einem durch qualitative Methoden geprägten Untersuchungsdesign werden bis Ende Juni insgesamt 27 haupt- und ehrenamtlich Beratende an 17 Standorten befragt. Die ersten, vorläufigen Ergebnisse, die während der Ringvorlesung zur Demografiefolgenforschung vorgestellt wurden, weisen darauf hin, dass Technik-Beratung als Zusatzleistung mit der Wohnraumberatung kombiniert wird. Mit Blick auf die durch die Zielgruppe nachgefragte und eingesetzte Technik ist festzustellen, dass die in der medialen Wahrnehmung dominanten Themen AAL und Smart Home in der Beratungspraxis kaum eine Rolle spielen, sondern vielmehr niederschwellige, einfache Technik für den alltäglichen Einsatz gefragt ist.

In den kommenden Monaten stehen neben der Auswertung der erhobenen Daten noch der Aufbau weiterer Kooperationen mit externen Partnern sowie die Schaffung einer Webpräsenz (www.innovativ-altern.de) auf dem Arbeitsplan des VTTNetz-Projektteams.