Forschungsnews

Duftforschungsprojekt in den USA vorgestellt

Prof. Dr. Patrick Hehn
Prof. Dr. Patrick Hehn hat auf dem weltweit wichtigsten Sensorikkongress in den USA Ergebnisse aus der Duftforschung vorgestellt

Prof. Dr. Patrick Hehn vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Hochschule Harz hat am renommierten Pangborn Sensory Science Symposium teilgenommen. "Das Pangborn Symposium bietet eine gute Möglichkeit, einem internationalen Fachpublikum Studien mit Pioniercharakter vorzustellen und auf die vernetzte Forschung an der Hochschule Harz hinzuweisen", so Hehn. Der diesjährige 12. Kongress fand vom 20.-24. August 2017 in Providence (USA) statt und hat sich mit aktuellen Forschungsergebnissen aus Wissenschaft und Industrie zum Thema angewandte Sensorikforschung beschäftigt. Die Sensorikforschung geht der Frage nach, wie die menschlichen Sinne durch die Produktgestaltung von Nahrungs- und Genussmitteln, Getränken, Kosmetika, Wasch- und Reinigungsmitteln angesprochen werden können und welche Reaktionen sie beim Menschen auslösen. An der Hochschule Harz ist die sensorische Produktforschung Teil des Masterstudiengangs "Konsumentenpsychologie und Marktforschung". In seinem Vortrag stellte Professor Hehn eine Studie aus dem Bereich der Duftforschung vor, die in Kooperation mit Henkel und der isi GmbH in Göttingen durchgeführt wurde. Die Studie sollte überprüfen, wie zwei verschiedene Düfte eines Reinigungsprodukts von Verbrauchern in unterschiedlichen Testsituationen wahrgenommen und beurteilt werden. Dabei wurden folgende Testsituationen miteinander verglichen: Dufttest 1. im Sensoriklabor der isi GmbH, 2. bei Verbrauchern zu Hause sowie 3. in einer virtuellen Realität (VR). In der sensorischen Produktforschung werden von der Industrie vor allem Sensoriklabore gerne genutzt, da sie kontrollierte Testbedingungen schaffen. Die dort vorherrschenden standardisierten Geräusch-, Licht- und Luftbedingungen minimieren störende Einflüsse aus der Umgebung (z.B. laute Geräusche, störende Gerüche), sodass sich die Testpersonen ganz auf den Duft der Testprodukte konzentrieren können. "In einer nachgelagerten Testphase werden die Produkte oft auch von den Konsumenten zu Hause getestet, um zu sehen, wie sie sich im Alltag bewähren", so Hehn. Allerdings können beim Home Use-Test störenden Einflüsse auftreten (z.B. Duschgelgerüche im Badezimmer, die sich mit dem Duft des Reinigungsprodukts vermischen). Deshalb entstand die Idee, die gleichen Produkte nicht nur im Sensoriklabor und bei ausgewählten Verbrauchern zu Hause zu testen, sondern außerdem eine virtuelle Umgebung zu schaffen, die die Vorteile von Sensoriklabor und Home Use-Test imitiert: kontrollierte Untersuchungsbedingungen und der Eindruck, man würde das Produkt im häuslichen Umfeld verwenden. Dazu wurde ein 360°-Video gedreht, in dem die virtuelle Anwendung des Produkts zu sehen ist. Für den Dufttest haben die Teilnehmer eine VR-Brille aufgesetzt und in einer kontrollierten Testumgebung an den Produktdüften gerochen. Insgesamt haben 187 Konsumenten an den drei Teilen der Studie teilgenommen. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Befragten in allen drei Situationen zwar immer denselben Duft bevorzugten, dass zu Hause aber beide Düfte weniger gut beurteilt wurden als im Sensoriklabor und mit der VR-Brille. Ferner konnten sich die Probanden mit der VR-Brille sehr gut in die häusliche Umgebung hineinversetzen und empfanden ihre sensorische Aufmerksamkeit als intensiver. "Die technologischen Entwicklungen zur Schaffung von virtuellen Realitäten befinden sich noch am Anfang", sagt Professor Hehn. "Für Forschung und Industrie ist es aber wichtig, den Nutzen neuer Technologien für sensorische Testmethoden möglichst frühzeitig zu überprüfen und die weiteren technologischen Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen."