Hochschule Harz TransferZentrum Studienabbrecher

Hochschulforschung: Studienzweifel/-abbruch

HS Harz Transferzentrum EU

Fit4Abi&Study, Mathe-Vorkurse, Unterstützung im Semester – die Hochschule Harz unternimmt einiges, um einem vorzeitigen Abbruch des Studiums entgegenzuwirken. Dennoch kann es vorkommen, dass Studierende vorzeitig die Hochschule verlassen wollen. Oft aus persönlichen Gründen.

Vor diesem Hintergrund untersucht das TransferZentrum,

  • inwieweit schon erbrachte Studienleistungen auf Ausbildungsberufe anrechenbar sind und
  • welche Beratungsangebote Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher benötigen.

Erste Ergebnisse stellen wir Ihnen auf diesen Seiten vor.

Eine erster Workshop zum Thema fand unter dem Titel "Spurwechsel" am 9. Dezember 2016 an der Hochschule Harz in Wernigerode statt.


Anrechnung von Studienleistungen auf Ausbildungsberufe

Berufsbildungsgesetz und Handwerksordnung sehen durchaus Möglichkeiten vor, aufgrund von Vorleistungen von der regulären Ausbildungszeit abzuweichen. Auf diese Weise könnten auch Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher aufgrund der im Studium erworbenen Lernergebnisse eine anschließende Berufsausbildung deutlich verkürzen.

Diese Möglichkeiten wurden jedoch bisher weder eingehend untersucht, noch existieren erprobte praxistaugliche Modelle, die über einen sehr begrenzten regionalen Rahmen hinausgehen. Um einen ersten Schritt in diese Richtung zu gehen, wurde im Rahmen des Verbundprojektes „Wissenschaftliche Weiterbildung für KMU in Sachsen-Anhalt“ eine synoptische Untersuchung der Deckungsgleichheit zwischen einzelnen Studiengängen und Ausbildungsberufen durchgeführt.

Konkret wurde die Untersuchung für alle Vollzeit- und berufsbegleitenden Bachelor Programme der drei Fachbereiche der Hochschule Harz durchgeführt. In die Untersuchung wurden alle mindestens 2-jährigen Berufsausbildungen, die aktuell in Deutschland angeboten werden (in Summe 837), einbezogen.

Die Prüfung auf Deckungsgleichheit wurde nach den Maßgaben einer Äquivalenzprüfung zur Anrechnung von Lernergebnissen aus dem beruflichen Kontext auf ein Hochschulstudium durchgeführt. Das heißt, die Lernergebnisse der einzelnen Studiengänge wurden mit den Ausbildungszielen der jeweiligen Berufsausbildung hinsichtlich Inhalts und Niveau verglichen. Als Grundlage dazu dienten die Modul- und Unitbeschreibungen der Studiengänge einerseits und die „Steckbriefe zum Beruf“ der Bundesagentur für Arbeit andererseits. Der konkrete Umfang der Anrechnung ist abhängig davon, welche Lernergebnisse der/die Studierende im Rahmen des Studiums tatsäch-lich erworben hat (d.h. an welcher Stelle der Studienabbruch erfolgt). Darüber hinaus liegt die Entscheidung über die Anrechnung bei der anrechnenden Institution. Aus diesen Gründen wurde darauf verzichtet konkrete Fächer und konkrete Creditpoints für den Umfang der Anrechnung anzugeben. Vielmehr wurde der Grad der Deckungsgleichheit ausgewiesen. Dazu wurde eine dreistufige Skala verwendet:


Stufe 1: geringfügiger Grad an Deckungsgleichheit (< 30%)

Stufe 2: mittlerer Grad an Deckungsgleichheit (< 70%)

Stufe 3: hoher Grad an Deckungsgleichheit (> 70%)

Im Ergebnis wurden aus allen 837 Ausbildungsberufen 192 Berufe identifiziert, für die in mindestens einem Studiengang eine geringfügige Deckungsgleichheit besteht. D.h., dass für ca. 23% aller Ausbildungsberufe ein grundsätzliches Anrechnungspotential für die Bachelorstudiengänge der Hoch-chule Harz besteht.

Aufgrund der spezialisierten Ausrichtung der Hochschule Harz sind diese Ergebnisse nicht generalisierbar. Sie zeigen jedoch auf, dass grundsätzlich ein nicht unbeträchtliches Potential für eine Anrechnung von Studienleistungen auf eine Berufsausbildung besteht.

Die Ergebnisse in der Einzelbetrachtung für die Fachbereiche Automatisierung & Informatik, den Fachbereich Verwaltungswissenschaften sowie den Fachbereich Wirtschaftswissenschaften finden Sie hinter diesem Link.

Zusammenfassend legen die Ergebnisse daher nah, dass in Deutschland grundsätzlich ein Potential für die Anrechnung von Vorleistungen aus dem Studium auf eine Berufsausbildung vorhanden ist. Zudem kann die These formuliert werden, dass abhängig von der fachspezifischen Ausrichtung Deckungsgrad und Umfang des Potentials von Hochschule zu Hochschule – vermutlich sogar von Studienfach zu Studienfach – variieren. Zur Validierung der Ergebnisse und Überprüfung der Thesen ist jedoch die Ausweitung dieser Untersuchung auf Hochschulen mit anderer fachspezifischer Ausrichtung notwendig. Diese Notwendigkeit besteht insbesondere wenn Überlegungen hinsichtlich einer pauschalisierten Anrechnung angestellt werden.


Studienabbruch: Bewährte Angebote übertragen

Im Rahmen unseres Projektes identifizieren wir deutschlandweit Angebote  für Studienzweiflerinnen und Studienzweifler und wollen von den Erfahrungen der Initiatoren profitieren. Gleichzeitig diskutieren wir mit der regionalen Wirtschaft und weiteren Partnern erfolgreiche Modelle sowie deren Überführung in die Praxis.


Manuela Koch-Rogge

Hochschulforschung: Studienabbrecher/Anrechnung
Tel +49 3943 659 117 Fax +49 3943 659 5117 -5117 Raum 2.408, Haus 2, Wernigerode

Workshop "Spurwechsel" (Studienzweifel/-studienabbruch)

Am 9. Dezember 2016 tauschten sich Hochschulen, Verbände, Initiativen und Vertreter des Landesregierung zum Thema Studienzweifel/Studienabbruch an der Hochschule Harz in Wernigerode aus.

 

9.15 bis 10.50 Uhr Workshop-Teil I Informationsphase

Hochschulsicht: Marco Lipke, Nadine Reichert, Manuela Koch-Rogge von der Hochschule Harz

Kammern: Dr. Simone Danek von der IHK Halle-Dessau

Projekt ISA/ISABEL: Dr. Gudrun Stahn von MA&T GmbH Magdeburg

Projekt SWITCH: Peter Gronostaj von der Stadt Aachen, Projektleiter

 

11.20 bis 13.30 Uhr Workshop-Teil II Entwicklungsphase

Zusammenfassung Teil I, Moderation

Lösungsansätze / Ideen generieren, Moderation

Konkrete Schritte / Maßnahmen ableiten, Moderation

Zusammenfassung, Ausblick & Verabschiedung, amtierender Rektor Prof. Folker Roland

Hochschule Harz_Studienabbrecher_Prof_Roland

Stimmen

Prof. Folker Roland zum Thema Studienabbruch:

Auch wenn man von Hochschule zu Hochschule und Studiengang zu Studiengang stark unterscheiden müsse, sei bekannt, dass zum Teil ein Drittel sein Studium nicht regulär beende, sagt der amtierende Rektor der Hochschule Harz, Prof. Dr. Folker Roland: „Daraus resultiert selbstverständlich auch eine Verantwortung für die Hochschulen.“

 

 

Manuela Koch-Rogge zur Anrechnung von Studieninhalten aus den drei Fachbereichen der Hochschule Harz auf Ausbildungen:

„Gesetzlich ist das möglich und es gibt durchaus Überschneidungen zwischen Studiengängen und Ausbildungsberufen bzw. beruflichen Fortbildungen“, sagt Manuela Koch-Rogge, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hochschule Harz.

 

 

Dr. Gudrun Stahn von der MA & T GmbH Magdeburg zur Ausbildung als Option nach dem Studienabbruch:

„Warum muss jemand mit einem weitgehend absolvierten BWL-Studium und mehreren Jahren Führungserfahrung noch einmal die Berufsschule besuchen?“, fragte Dr. Gudrun Stahn. Sie berät Studienabbrecher im Rahmen des Projekts „Isabel“ und leitete mit diesen Fragen die Diskussionsrunde ein.

 

 

Dr. Simone Danek zum Standpunkt von Studienabbrechenden:

Wer sein Studium abbricht, hat eine ganz eigene Geschichte zu erzählen. „Es gibt sehr unterschiedliche Beweggründe und Bedürfnisse“, berichtet Dr. Simone Danek von der IHK Halle-Dessau. Sie bietet seit einigen Monaten eine Sprechstunde in der Studienberatung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg an und stellte im Rahmen des Workshops einige Fälle vor, darunter ein Medizinstudent im 20. Semester oder ein Chemie-Student, der nach einer nicht bestandenen Prüfung abgebrochen hatte.

 

 

Peter Gronostaj zum Projekt SWITCH:

„Zu den wichtigsten Faktoren zählt ein gut funktionierendes Netzwerk mit einem engen Austausch für individuelle Lösungen“, sagt Peter Gronostaj von dem bei der Wirtschaftsförderung angesiedelten Projekt, das für Studienabbrecher ein eigenes System geschaffen hat, das u.a. eine eigene Ausbildungsklasse beinhaltet.

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Hochschule Harz_Studienabbrecher_Manuela_Koch_Rogge
Hochschule Harz_Studienabbrecher_Simone_Danek

Dr. Kristin Körner zum Fachkräftemarkt in Sachsen-Anhalt

„Die Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten am Ausbildungs- und Fachkräftemarkt in Sachsen-Anhalt haben sich erheblich zum positiven entwickelt. Wir müssen jungen Leuten vor allem deutlich machen, dass ein Studienabbruch kein Stigma ist, sondern dass beispielsweise auch mit einem Wechsel in eine betriebliche Ausbildung hervorragende Chancen für ein erfolgreiches und erfüllendes Berufsleben verbunden sind“, erklärt Dr. Kristin Körner zu den weiteren Zielen des Projekts. Sie ist Referatsleiterin im Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration, welches das Hochschulprojekt im Rahmen des Operationellen Programms aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Sachsen-Anhalt fördert.

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