Claudia Hellwig

Projektmitarbeiterin
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Programm zur Förderung der Herstellung von Chancengleichheit für Frauen und Männer in Wissenschaft und Forschung

Nach wie vor gibt es zu wenige Frauen auf einzelnen Karrierestufen, in Gremien und in Führungspositionen in der Wissenschaft sowie in bestimmten Fächern, insbesondere im MINT-Bereich (MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik). Das Interesse und die Motivation der Frauen an einer wissenschaftlichen Karriere sind durchaus vorhanden, jedoch stehen einem erfolgreichen Karriereverlauf einige Barrieren im Weg wie beispielsweise die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder traditionelle Rollenverteilungen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der strukturellen Verankerung von Gleichstellungsarbeit und Unterstützung von Frauenteilhabeinstrumenten in den genannten Bereichen.

Ziel des Projektes ist es, den Frauenanteil an der Hochschule Harz im Bereich Wissenschaft und Forschung entlang des gesamten Karriereweges von dem Studium bis hin zur Habilitation sowie den Anteil weiblicher Vertreterinnen in wichtigen Entscheidungspositionen bzw. Gremien zu erhöhen. So sollen Studentinnen und wissenschaftliche Mitarbeiterinnen der Hochschule Harz beispielsweise aktiv bei ihrer Karriereplanung unterstützt werden. Besonderer Fokus soll auf dem MINT-Bereich liegen, da dieser an der Hochschule Harz bis dato noch überwiegend männlichen geprägt ist.

Das Konzept sieht vor, Studentinnen bzw. Absolventinnen verstärkt zu motivieren, eine erfolgreiche Karriere in Wissenschaft und Forschung anzustreben, indem ihnen Perspektiven und Möglichkeiten für die Bewältigung der Herausforderungen vor und während des Studiums bis hin zur Professur im privaten und beruflichen Sinne aufgezeigt bzw. konkrete Programme zur Förderung der Frauen in Wissenschaft und Forschung angeboten werden.

Mit dem ESF-geförderten Landesprogramm FEM POWER setzen wir uns das Ziel, Maßnahmen zur Verbesserung der Teilhabe von Frauen auf allen Ebenen und in allen Bereichen der Hochschule zu initiieren und damit aktiv an der Umsetzung des Landesprogramms für ein geschlechtergerechtes Sachsen-Anhalt mitzuwirken.

Unsere Teilnahme am FEM POWER Projekt umfasst folgende Maßnahmen:

Akquirierung von Studentinnen in MINT-Fächern

Der MINT-Bereich nimmt in der Diskussion um den Fachkräftemangel eine Schlüsselrolle ein, da insbesondere die wirtschaftliche und technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands von diesen innovationsstarken Branchen bestimmt wird.

Während des Studiums werden die Studentinnen bereits durch folgende Maßnahmen unterstützt:

In diesem Sinne sollen die bereits an der Hochschule Harz existierenden Maßnahmen zur Schülerförderung wie beispielsweise der Girls’Day, Movie meets Technology oder Schüler(innen)projekte im Fachbereich Automatisierung und Informatik evaluiert und gegebenenfalls sinnvoll erweitert oder ergänzt werden.

Eine weitere Maßnahme soll das Angebot spezieller Praktika für Schülerinnen sein, welche insbesondere von Hochschuldozenteninnen und wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen begleitet werden. Durch die regelmäßige Involvierung der Studentinnen in Form von Mentoren und Mentees soll der Übergang von Schule zum Studium erleichtert und das Selbstvertrauen gestärkt werden.

Zudem sollen im Rahmen dieses Maßnahmenpakets weitere konkrete Angebote entwickelt werden, die Schülerinnen die Möglichkeit geben sollen, die Studieninhalte an der Hochschule Harz sowie die späteren Einsatzgebiete kennenzulernen und zu erproben.

Akquirierung von Nachwuchswissenschaftlerinnen

Die Hochschule Harz strebt die bereichsübergreifende Förderung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an. Die Förderung erfolgt sowohl durch zielgruppenspezifische Qualifizierungsmaßnahmen als auch durch die Schaffung eines familiengerechten Arbeitsumfeldes. Ein wesentliches Ziel der hier aufgeführten Maßnahme besteht darin, die Erhöhung des Frauenanteils in Wissenschaft und Forschung –insbesondere in Fachgebieten mit einer weiblichen Unterpräsenz– zu unterstützen. Das Konzept setzt bei der Akquise und Unterstützung von wissenschaftlichem Nachwuchs an.

Schaffung von zwei Promotionsstellen für Frauen

Maria Heinze arbeitet am Fachbereich Automatisierung und Informatik der Hochschule Harz in Wernigerode an ihrer Dissertation mit dem Thema „Anwendung von Techniken des maschinellen Lernens auf Zeitreihen-Daten der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) und Elektroenzephalographie (EEG)“. Nachdem sie den Bachelor of Science in Informatik an der Hochschule Harz und den darauf aufbauenden Master an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg erfolgreich absolvierte, sammelte sie zunächst 4 Jahre Berufserfahrung im Bereich der medizinischen Informatik. Die nun angestrebte Promotion ist ein interdisziplinäres Vorhaben, das Bereiche aus der Informatik mit denen der Neurowissenschaften kombiniert.

In einem Experiment bekommen Versuchspersonen musikalische Klänge, beispielsweise Dur- oder Moll-Akkorde, vorgespielt. Mit der fMRT sollen dann unter anderem die dabei aktivierten Hirnareale lokalisiert werden. Im EEG hingegen wird das Frequenzspektrum der Hirnreaktion auf den musikalischen Reiz untersucht. Die Hypothese ist, dass beim Hören im Gehirn zusätzliche Töne hinzugefügt werden, die der sogenannten Periodizitätstonhöhe entsprechen.

Der besondere Fokus liegt dabei auf dem Einsatz der Methoden des maschinellen Lernens, insbesondere rekurrenter neuronaler Netze, zur automatisierten Bestimmung von Berechnungsvorschriften, wie das menschliche Gehirn periodische Klänge wahrnimmt und verarbeitet. Die Betreuung des kooperativen Promotionsvorhabens wird durch Prof. Dr. Stolzenburg von der Hochschule Harz und Prof. Dr. Goebel von der Universität Maastricht übernommen.

Sarah Piper arbeitet seit 1996 im Sprachenzentrum der Hochschule Harz als Dozentin für Französisch und Interkulturelle Kompetenzen sowie Interkulturelles Management. Seit März 2017 ist sie Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule Harz und hatte sich zuvor auf die FEM POWER Promotionsförderung am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften beworben. In ihrer angestrebten Promotion möchte sie sich mit den Veränderungen innerhalb der Universitätskulturen Frankreichs und Deutschlands seit der Einführung des Bologna-Prozesses befassen.

Der methodologische Ansatz der Recherchearbeit bedient sich Aspekten der interkulturellen Kulturwissenschaften, begleitet von soziologischen und historischen Untersuchungen des universitären Milieus seit den, durch die europäischen Richtlinien zur Einführung der Bologna-Hochschulreform, angestrebten Vereinheitlichungen.

Bei allen Betrachtungen der Thematik werden durch die organisationale Umwelt der Universität sowie durch die Verbindung von Politik, Hochschulpolitik und Gremienwirksamkeit die Ansprüche der Reform gegenüber nationalen Wirklichkeiten als roter Faden vorgeschlagen.

In einem weiteren Schritt der Untersuchung sollen Differenzen zwischen Frankreich und Deutschland hervorgehoben werden, um anschließend darzustellen, in welcher Form und mit welchem Aufwand beide Länder die Einführung neuer Wissenskulturen adaptiert haben.

Dabei sollte sich die Untersuchung besonders auf die Studentinnen und Professorinnen konzentrieren, da meistens innerhalb von Veränderungsprozessen Positionskämpfe entstehen, bei denen Minderheiten sich schwer durchsetzen können. Herauszufinden ist, ob altmodische Autoritätsmuster der Männlichkeit durch den Bologna-Prozess abgeschafft werden konnten. Die Prekarität trifft beim wissenschaftlichen Personal häufiger Frauen als Männer. Die Positionskämpfe in Berufungsverfahren lassen Frauen kaum eine Chance gegenüber ihren männlichen Kollegen, sich hierarchisch höher zu positionieren. Die Autorität und die daraus resultierenden hierarchischen Beziehungen werden differenziert und hervorgehoben. Als Motivation für diesen Schwerpunkt dienen vorliegende ministerielle Untersuchungen und die Feststellung, dass sich Studentinnen in Frankreich und in Deutschland immer weniger in elitären oder reputationsreichen Studiengängen anmelden bzw. zugelassen werden.

Die Betreuung der Promotion wird durch Frau Prof. Dr. Dorothee Röseberg, Professorin an der Martin-Luther-Universität in Halle begleitet.

Equal Pay Day

Das Thema Lohngleichstellung der Geschlechter soll zukünftig größere Präsenz im Bewusstsein der Studentinnen und Studenten sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hochschule Harz erhalten.

Ziel dieser Maßnahme soll neben der Vernetzung auch die Karriereförderung von Studentinnen sein. So ist es hier angedacht, persönliche Kontakte zu knüpfen und auch Mentoren und Mentees zu akquirieren, sowie den bereits bestehenden Mentorenbeziehungen weiteren Raum für persönliche Treffen und gegenseitigen Austausch zu bieten.

Frauenschaftsclub

Die Vernetzung innerhalb der Hochschule Harz soll hier aktiv gefördert werden. Ein weiteres Ziel ist die Vorbereitung und Unterstützung der weiteren Karriereplanung junger Wissenschaftlerinnen, zum Beispiel durch die Organisation eines Stammtischs, Vorträge im Rahmen eines Kaminabends, der Besuch von Messen oder auch Workshops.

Gleichstellung in der Lehre und Forschung

Die Lehrenden an der Hochschule Harz sollen für das Thema Gleichstellung und Frauenförderung in Studium, Lehre und Beruf sensibilisiert werden. In diesem Zusammenhang soll ein Leitfaden zum besseren Umgang dieser Thematik erstellt werden.

Fortlaufende Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Neben Präsenzen auf der Internetseite der Hochschule sowie auf diversen Social Media-Kanälen werden auch alle Veranstaltungen (beispielsweise Girls’Day, Kaminabend, Equal Pay Day) pressewirksam begleitet.

Bisherige Veranstaltungen