Porträt des Monats

Dominik Wilhelm

Dominik Wilhelm

Aus dem kreativen Herzen der Videospiele-Industrie in die Harzer Hochschullehre

Dominik Wilhelm macht Master-Studierende fit für Spieleentwicklung in der digitalen Kultur

Seit September 2015 können Absolventen von Medien- oder Informatik-Studiengängen ihr Wissen und ihre Fähigkeiten im neuen Master-Programm Medien- und Spielekonzeption vertiefen. Zur Seite steht ihnen dabei auch Vertretungsprofessor Dominik Wilhelm: „Im aktuellen Wintersemester lernen zwölf Studierende – darunter viele Medieninformatik-Alumni – wie sie kreative Ideen für eine digitale Kultur entwickeln und umsetzen“, so der junge Hochschullehrer.

Einen Schwerpunkt setzt der 37-Jährige bei Team- und Projektarbeit: „Spieleentwicklung und -design sind sehr interdisziplinär; neben der Erweiterung von theoretischem Wissen und technischen Fertigkeiten liegt der Fokus darauf, dass junge Menschen mit unterschiedlichen akademischen und praktischen Hintergründen gemeinsam Projekte umsetzen und voneinander profitieren“, so der studierte Kommunikationsdesigner. Dies sei auch wichtig, um das eigene Portfolio in Hinblick auf den Berufseinstieg vorzubereiten. Wilhelm möchte sich selbst aktiv in die Weiterentwicklung des jungen Studiengangs einbringen: „Mich fasziniert die Kombination aus Gestaltung und Informatik – bei der Entwicklung digitaler Spiele ist beides gleichermaßen essentiell“, so der Vertreter der Professur für Medieninformatik und Angewandte Spielkonzepte, der zuvor bereits an der Hochschule Mittweida gelehrt hat. Das neue Master-Programm ist einzigartig und bietet optimale Voraussetzungen für einen künftigen Spieleentwickler: „Absolventen von Studiengängen, die sich vornehmlich mit Mediengestaltung befassen, fehlen oftmals die Fähigkeiten zur Umsetzung des Designs in ein interaktives Spiel, in einem reinen Informatik-Studiengang wiederum mangelt es an gestalterischen und konzeptionellen Fähigkeiten. Bei uns ist beides gegeben“, so der Experte.

Internationalität ist ihm ebenso wichtig. „Deutschland ist der größte Markt für Videospiele in Europa und auch bezüglich der Ausbildung hat sich hier einiges getan, bisher hatten die USA und Asien die Nase vorn, aber das wollen wir ändern“, betont einer, der es wissen muss. Neben New York, Spanien und Australien hat Dominik Wilhelm eine besondere berufliche Bindung an Japan. Nach einem kurzen Praktikum als 21-Jähriger zog es ihn 2009 für drei Jahre ins futuristische Tokio. Er erinnert sich: „Ich habe bei einer japanischen Firma gearbeitet, die Spiele für Playstation, Xbox und Nintendo entwickelt hat.“ Als Führungskraft sollte er die stark von der japanischen Kultur geprägten Spiele mit seinem internationalen Team an den Weltmarkt anpassen. Interkulturelle Unterschiede lernte er auch am eigenen Leib kennen: „Das japanische Arbeitsklima ist völlig anders, ich habe so manches Fettnäpfchen mitgenommen. Während ich eine offene Meinungsäußerung gewohnt bin, geht es in Japan streng hierarchisch zu, nach dem Vorgesetzten ergreift niemand mehr das Wort.“

Wohl gefühlt hat er sich dennoch. Das Land ist fest mit seiner Familiengeschichte verwoben: „Meine Frau ist Illustratorin, sie hat mich damals nach Japan begleitet, auch für sie war das beruflich interessant. Wir haben in Tokio geheiratet und unser kleiner Sohn ist dort 2012 zur Welt gekommen“, verrät der Vertretungsprofessor. Doch nicht nur sein Reisepass wird den kleinen Vincent einst an seine ersten Monate erinnern: „Er wurde im Januar geboren und sein zweiter Vorname ist Yuki, das bedeutet Schnee.“

Den kann die vierköpfige Familie – Töchterchen Greta Laeticia ist ein Jahr alt – auch daheim genießen. Gemeinsam wohnen sie im Pfälzer Wald. „Das ist dem Harz sehr ähnlich, vielleicht fühle ich mich deshalb wohl in Wernigerode“, meint der „Neue“ am Fachbereich Automatisierung und Informatik. Bald steht der erste Besuch in der „Arbeitsheimat“ des Vaters an. Der Kleine ist ein großer Eisenbahnfan und freut sich auf eine Fahrt mit der Harzer Schmalspurbahn. Dominik Wilhelm hingegen ist besonders begeistert von der guten Organisation an der Hochschule Harz und der einzigartigen familiären Atmosphäre: „Gerade der enge persönliche Kontakt zu den Studierenden ist etwas Besonderes“, versichert der Computerspiel-Experte.