NEWS

„Für das Rentnerleben bin ich nicht geschaffen.“

Prof. Dr. Klaus Wehrt verabschiedet
Prof. Dr. Klaus Wehrt

„Quasi im Vorbeigehen entdeckte ich eine grüne Oase im Süden Norddeutschlands. Ich ließ mich gerne dort nieder“, beschreibt Wehrt den Ruf an die Hochschule Harz als Professor für VWL und Statistik im Jahr 1998. 23 Jahre später tritt Wehrt in den wohlverdienten Ruhestand ein. Gerade die letzten zwei Semester in der Onlinelehre stellten Klaus Wehrt vor eine besondere Herausforderung. „Als Lehrer der alten Schule hatte ich in den Präsenzveranstaltungen bis zum Schluss die Tafel benutzt, weil man dabei mit langsamerem Tempo arbeitet und die Studierenden das Entstehen von Rechnungen und Diagrammen leicht nachvollziehen können. Der enorme zeitliche Vorbereitungsaufwand, den Studierenden eine ebenso von der didaktischen Dynamik lebende interessante und unterhaltsame digitale Veranstaltung anzubieten, war das Schlimmste“, so Wehrt. Versteckte Gimmicks in den Präsentationen hatten nun seine witzig gemeinten Bemerkungen aus den Präsenzveranstaltungen zu ersetzen.

Klaus Wehrt ist der Volkswirtschaftslehre immer treu geblieben. Nach einem zunächst aus Langeweile abgebrochenen VWL-Studium studierte er Mathematik mit VWL-Vertiefung, pro­movierte an der Universität Kassel. Nach einem kurzen Intermezzo in der Privatwirtschaft habilitierte Wehrt an der Universität Hamburg zu einem Thema aus der Ökonomischen Analyse des Rechts: Die ökonomische Analyse der Sachmängelgewährleistung im Kaufrecht. „Für mich war der zehnjährige Aufenthalt bei den Juristen das größte Highlight meiner Karriere. Ich war dermaßen inspiriert, dass sich viele meiner Gedanken fortan nur noch darum drehten, rechts­wis­senschaftliche oder politische Fragestellungen mit den Instrumenten der volks­wirt­schaft­licher Anreizsysteme zu hinterfragen“, schwärmt Wehrt.

Anschließend gründete der Professor ein eigenes Beratungsunternehmen im Bereich bankrechtlicher Fragestellungen, das er auch nach der Pensionierung weiterführt. Motiviert durch volkswirtschaftliche Fragestellungen betreibt er einen eigenen Blog, in dem er neue gesetzliche Regelungen auf ihren anreizkonformen Gehalt untersucht. „Häufig ist das Ergebnis das Gegenteil dessen, was die Politik mit der entsprechenden Maßnahme erreichen möchte. Ein Beispiel gefällig? Der Mietendeckel erhöht die Wohnungsnot, anstatt sie zu lindern.“

Den besten Moment seiner Tätigkeit als Dozent beschreibt Klaus Wehrt mit dieser Anekdote:

„Zum Beginn einer jeden neuen Vorlesungswoche musste ich schon morgens früh um 04:30 Uhr in Buxtehude aufstehen, um rechtzeitig mit dem Fahrrad zum Bahnhof nach Hamburg-Harburg zu gelangen. Von dort ging es dann weiter an die Hochschule in Wernigerode, wo ich um 11:30 Uhr meine erste Vorlesung hatte. Ich saß kaum in der Bahn, da stellte ich fest, dass ich zwei verschiedene Schuhe anhatte. Beide waren rostbraun, der eine hatte jedoch eine aufwendige Loch­ver­zie­rung, der andere war völlig glatt. Wie damit umgehen? Ich entschloss mich zur Flucht nach vorne.

In der Vorlesung:

„Fällt Ihnen etwas an mir auf?“

„Sie waren beim Friseur.“ „Nein!“

„Sie haben heute Geburtstag.“ „Nein!“

Zwischenzeitlich stand ich auf dem Tisch des Seminarraums. Alle schauten auf meine Schuhe.

„Sie haben neue Schuhe!“ „NEIN!!!“

Aufgelöst habe ich das Rätsel dann selber. Selten so herrlich mit den Studenten in einem Kurs gelacht.“

Rückblickend auf die Zeit als Professor bedauert er ein wenig die Veränderung der Studierenden. „Anders als die ersten Generationen der Studierenden zeichnet sich die heutige Generation durch ein selbstbewusstes Auftreten, starke soziale Vernetzung, aber leider auch durch mehr Oberflächlichkeit und weniger Tiefgang aus.“

Und was bringt das Rentnerleben? „Viel reisen, viele Kontinente kennenlernen? Sicherlich nicht! Keine Kreuzfahrten, keine Flüge. Fahrradfahren! Mir reicht die Nähe und ein sparsamer CO2-Fußabdruck. Je kleiner, desto besser.“

 

Autorin: Claudia Kepke