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Ehemaliger Häftling des Konzentrationslagers Langenstein-Zwieberge zu Gast am Fachbereich Verwaltungswissenschaften

Ein Zeitzeuge erinnert sich
Gemeinsam mit dem Überlebenden der „Hölle von Langenstein“, Georges Petit, blickten über 100 Studierende des Fachbereichs Verwaltungswissenschaften zurück auf die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland. Anlässlich der Tage der Begegnung, die die Gedenkstätte für die Opfer des Konzentrationslagers Langenstein-Zwieberge jährlich veranstaltet, kam der 97-Jährige ins Gespräch mit den Studierenden. Sie befragten ihn zum Überleben im Lager, seiner Flucht in die Freiheit und seinem Leben nach dem Zweiten Weltkrieg.

Georges Petit wurde 1921 in Frankreich geboren. Seit 1940 war er in der Résistance aktiv. 1943 wurde er von der Gestapo verhaftet, 1944 wurde er in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert und musste in dessen Außenstelle Langenstein-Zwieberge, nur wenige Kilometer von Halberstadt entfernt, Zwangsarbeit leisten. Als gewöhnlicher Häftling erlebte das erniedrigende Lagerleben, die systematische Vernichtung von Menschen durch 12-Stunden-Schichten im Stollenbau, die Räumung des Lagers im April 1945 und den Todesmarsch zwischen den Frontlinien, bei dem über 2500 Häftlinge starben. Georges Petit gelang es zu fliehen. Zurück in Frankreich wurde er sehr schnell wieder politisch aktiv. Erst nach vielen Jahren, 1994, kehrte der Publizist und Psychologe zum ersten Mal zurück nach Langenstein und schrieb ein vielbeachtetes Buch darüber, das 2004 auch in deutscher Sprache veröffentlicht wurde: „Retour à Langenstein. Une expérience de la déportation – Rückkehr nach Langenstein. Erfahrungen eines Deportierten“. 

„Wir freuen uns sehr über die guten und intensiven Beziehungen zur Gedenkstätte für die Opfer des Konzentrationslagers Langenstein-Zwieberge“, so Prof. Dr. Christoph Goos, Beauftragter für Studium und Lehre des Fachbereichs Verwaltungswissenschaften. „Nicolas Bertrand, der Leiter der Gedenkstätte, hat schon mehrere sehr beeindruckende Gastvorlesungen bei uns gehalten, zuletzt im November, und wir waren schon mehrfach mit Studierenden zu Gast in Langenstein. Im Rahmen der hochschulweiten Projektwoche nach Pfingsten wird es gleich mehrere Exkursionen nach Langenstein geben.“

Am Sonntag, dem 14. April, ab 10 Uhr findet eine Gedenkveranstaltung anlässlich des 74. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers in Langenstein-Zwieberge statt. Der Chef der Staatskanzlei und Minister für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, Staatsminister Rainer Robra, Georges Petit und andere werden sprechen. Die Veranstaltung ist öffentlich; der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen unter: https://gedenkstaette-langenstein.sachsen-anhalt.de/kontakt/

Autor: Prof. Dr. Christoph Goos, Hochschule Harz

 

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