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Neuer „Weiterbildungsatlas“ der Bertelsmann Stiftung – Fragen an die Hochschule Harz als „Weiterbildungsanbieter“

Hochschule Harz Transferzentrum Marco Lipke
Zu Beginn dieser Woche hat die Bertelsmann Stiftung ihren "Weiterbildungsatlas" veröffentlicht. Er bilanziert Angebote, Teilnahmeaktivität sowie ausgeschöpfte Potenziale in den Regionen Deutschlands. Die Hochschule Harz ist seit längerem als Anbieter von Weiterbildungen aktiv und hat sich die Ergebnisse genau angesehen.

Herr Lipke, laut "Weiterbildungsatlas" nimmt in Sachsen-Anhalt nur jede/jeder zehnte einmal im Jahr an einer Weiterbildung teil, bundesweit ist es jede/jeder achte. Ist es so schwer, Sachsen-Anhalter(-innen) von einer Weiterbildung zu überzeugen?

Zunächst können wir dazu lediglich etwas aus einem sehr engen Blickwinkel sagen. Die Hochschulen haben sich in den vergangenen Jahren zwar als Weiterbildungsanbieter positioniert, allerdings macht der Hochschulanteil am Weiterbildungsmarkt in Deutschland insgesamt nur rund 3 Prozent aus. Zu der Frage: Wir haben mit bedarfsgerechten Weiterbildungsangeboten von wissenschaftlicher Qualität sehr gute Erfahrungen gemacht. Das heißt: Passen die Studiengänge, Zertifikatslehrgänge oder Seminare und Tagungen zu den Bedürfnissen, dann werden sie auch gebucht. Insofern sind wir mit der Teilnahme an unseren Weiterbildungen zurzeit auch zufrieden. Für uns ist wichtig, Angebote weiterhin bedarfsgerecht und qualitativ hochwertig zu entwickeln. Daran arbeiten wir auch stetig mit unseren Verbundpartnern, den Hochschulen Anhalt und Merseburg, sowie dem Ministerium für Arbeit und Soziales.

Die Bertelsmann Stiftung vermutet, dass nicht nur soziale und wirtschaftliche Strukturen, sondern unter anderem auch die Qualität der Weiterbildungsangebote sowie die Vernetzung und Kooperation der Weiterbildungsakteure eine Rolle für den Zuspruch spielen.

Die Qualität hängt für uns sehr stark mit dem Aspekt "bedarfsgerecht" zusammen, wie oben bereits angedeutet. Daran arbeiten wir als Hochschule Harz im Rahmen des Projekts "Offene Hochschule", aber auch im Austausch mit unseren Verbundpartnern. Wir wissen, dass der Zugang zur Hochschule, die Anrechnung von beruflichen Fortbildungsqualifikationen sowie die Betreuung eine große Rolle spielen. Bei diesen Themen haben wir uns in den vergangenen Jahren stark geöffnet und die entsprechenden berufsbegleitenden Angebote entsprechend konzipiert. Darüber hinaus sind wir ständig im Gespräch mit Unternehmen, um weitere Bedarfe zu ermitteln und abzudecken.

Wie sieht die/der typische Teilnehmer(-in) an einer Weiterbildung der Hochschule Harz aus?

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind so unterschiedlich wie unsere Angebote. Wir haben zum Beispiel einen relevanten Anteil an unter 25-Jährigen, die im "Weiterbildungsatlas" gar nicht erfasst werden, zum Beispiel in unserem berufsbegleitenden Bachelorstudiengang BWL, aber auch im Zertifikatskurs "Energie- und Versorgungsmanagement", den einige direkt nach ihrer beendeten Lehre absolvieren. Aufgrund unserer Nähe zu anderen Bundesländern haben wir auch viele TeilnehmerInnen zum Beispiel aus Thüringen und Niedersachsen, aber natürlich nehmen auch die Sachsen-Anhalterinnen und Sachsen-Anhalter die Fahrt zu uns in Kauf.

Der Landkreis Harz hat eine im Vergleich zu Sachsen-Anhalt recht gute Quote bei der Weiterbildungsteilnahme (12,78 Prozent) und hohe Potenzialausschöpfung (109,12 Prozent). Sind Sie damit zufrieden?

Natürlich stimmt diese Zahl zunächst positiv. Dennoch ist es eine Gesamtzahl, in die Angebote verschiedener Träger, öffentlicher wie betrieblicher, sowie verschiedene Formate, wie berufliche Fortbildungen, Tagungen, Volkshochschulkurse oder auch unsere Generationenhochschule, fließen. Als TransferZentrum fokussieren wir aber weniger die Gruppe der ab 65-Jährigen, die in die Studie auch einfließen. Vielmehr arbeiten wir daran, sehr individuell auf Bedürfnisse von Berufstätigen zu reagieren, bedarfsgerechte Angebote auf wissenschaftlicher Basis zu entwickeln und unseren Anteil am Weiterbildungsmarkt zu erhöhen.  

 

Marco Lipke ist Leiter des TransferZentrums an der Hochschule Harz, das mit dem Projekt „Wissenschaftliche Weiterbildung für KMU in Sachsen-Anhalt 2015-2017“ im Rahmen des Operationellen Programms aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Sachsen-Anhalt gefördert wird. Kontakt: 03943-659860, mlipke@hs-harz.de. Die Fragen stellte Claudia Kusebauch.