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Verkürzung durch Anrechnung schadet nicht: Neue Untersuchung zum Studienerfolg

Lehre, berufliche Fortbildung, Studium – wer diesen Weg geht, möchte sich Leistungen möglichst auch anrechnen lassen, um Zeit und Geld zu sparen. Und wie steht es um den Studienerfolg? Eine Studie der Hochschule Harz zeigt jetzt: Insbesondere die Anrechnung beruflicher Fortbildungen wirkt sich nicht auf den Studienerfolg aus.

Anrechnung im berufsbegleitenden Bachelor BWL

Rund 140 Studierende zählt derzeit der berufsbegleitende Studiengang Bachelor BWL der Hochschule Harz, aus denen Manuela Koch-Rogge eine Stichprobe von 81 TeilnehmerInnen für ihre Untersuchung zog. „Davon hatten 43,2 Prozent eine Anrechnung in Anspruch genommen, wobei es vor allem pauschale Anrechnungen wie zum Beispiel von IHK-Abschlüssen waren“, so die wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Kein signifikanter Unterschied

Eine statistische Analyse ergab schließlich, „dass es keinen signifikanten Unterschied zwischen Studierenden mit und ohne Anrechnung hinsichtlich ihres Studienerfolgs gibt“, so Manuela Koch-Rogge, die ihre Ergebnisse auch anlässlich der DGWF-Jahrestagung und der HRK-nexus-Tagung präsentierte. Entgegen vieler kritischer Vorbehalte zeige die empirische Studie, dass Anrechnungen ein richtiger Schritt zu einem durchlässigeren Bildungssystem sein können.

Durchlässigkeit im Bildungssystem

Bereits im Jahr 2002 beschloss die Kultusministerkonferenz der Hochschulen (KMK), dass Lernergebnisse, die außerhalb des Hochschulwesens erworben wurden, auch auf Studienleistungen angerechnet werden können. Spätestens seitdem ist die Frage nach der sogenannten „Durchlässigkeit“ des Bildungssystems in der Politik und an Hochschulen immer wieder diskutiert worden. Zurzeit beträgt der Anteil der Hochschulen am Weiterbildungsmarkt nur 3 Prozent.*

Keine einheitlichen Standards

„Bislang werden die Vorgaben der KMK an den Hochschulen noch unterschiedlich gehandhabt, sowohl im Hinblick auf Organisation und Umfang“, so Manuela Koch-Rogge, die zu dem Thema seit 2006 forscht. Einige Hochschulen nutzen Anrechnungen strategisch als Marketinginstrument, andere überlassen Anrechnungen individuell den Studiengangskoordinatoren oder verhalten sich eher passiv.

Anrechnungsordnung an der Hochschule Harz

„Mit einer Anrechnungsordnung sind wir zum einen der steigenden Nachfrage nach diesen Möglichkeiten begegnet“, sagt der Rektor der Hochschule Harz, Prof. Folker Roland, „zum anderen war es uns wichtig, eine Grundlage für eine transparente Anrechnungspraxis zu legen, die sowohl den Erwartungen der BewerberInnen als auch dem Bedürfnis der Hochschulangehörigen nach klaren Regelungen Rechnung trägt.“

Hintergrund

Im Rahmen des Projekts „Wissenschaftliche Weiterbildung für KMU in Sachsen-Anhalt 2017 - 2019“ greift die Hochschule regelmäßig Fragen zum Thema Weiterbildung auf. Das Projekt wird im Rahmen des Operationellen Programms aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Sachsen-Anhalt gefördert. *Quelle: Andrä Wolter, Ulf Banscherus, Caroline Kamm (Hrsg.): Zielgruppen Lebenslangen Lernens an Hochschulen. Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung des Bund-Länder-Wettbewerbs Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen. Münster 2016, S. 146. Nachlesbar über de.offene-hochschulen.de/wb2011-2015/teilstudien