Wirtschaftsingenieurwesen berufsbegleitend
Bachelor an der Hochschule Harz

Unsere Studierenden über die Vereinbarkeit von Job, Familie und Studium...

Hochschule Harz Wirtschaftsingenieurwesen berufsbegleitend

Halil Ibrahim Akan, 26 Jahre, Techniker

Halil Ibrahim Akan hat nach seinem Hauptschulabschluss eine Lehre als Industriemechaniker bei der Salzgitter AG absolviert. Nach 3,5 Jahren Lehre nahm er auch die berufliche Fortbildung zum Techniker in Angriff. Noch während die letzten Prüfungen anstanden, entschied er sich für das Studium zum Wirtschaftsingenieur an der Hochschule Harz. Hier ist der 26-Jährige seit Oktober 2015 offiziell als Student eingeschrieben – berufsbegleitend neben seinem Job als Steuermann einer Produktionslinie im Schichtbetrieb. Er ist verheiratet und hat eine 4-jährige Tochter.  

Herr Akan, wann war für Sie klar, dass Sie zum Studium an die Hochschule gehen?

Hätte mir jemand in der neunten Klasse gesagt, dass ich einmal studiere, hätte ich das nicht für möglich gehalten. Trotzdem hat es mich schon immer gereizt, einen akademischen Abschluss zu haben. Auch die Ingenieure in unserer Firma sind ein Vorbild für mich. Außerdem mag ich es, mich weiterzubilden. Dass es nun so kurzfristig geklappt hat, hängt vor allem damit zusammen, dass die Hochschule Harz die Möglichkeit zum berufsbegleitenden Studium Wirtschaftsingenieur an unserer Technikerschule vorgestellt hat. Und dann haben wir gedacht: Das probieren wir jetzt einfach mal. Das Angebot kam zur richtigen Zeit unter den richtigen Bedingungen.

Das heißt, Sie haben sich in der Gruppe dazu entschieden?

Ja, wir sind mehrere Techniker und lernen jetzt auch zusammen für das Studium.

Wie hat Ihre Familie auf Ihre Entscheidung reagiert?

Meine Eltern waren und sind natürlich sehr stolz. Meine Eltern sind als Einwanderer nach Deutschland gekommen, für deren Kinder eine akademische Laufbahn nicht selbstverständlich ist. Ohne die Unterstützung meiner Frau und meiner Eltern ginge es wahrscheinlich nicht. Meine Frau ist momentan nicht berufstätig, kümmert sich hauptsächlich um unsere Tochter und den Haushalt.      

Sie arbeiten in Schichten, besuchen Lehrveranstaltungen, müssen sich auf Prüfungen vorbereiten und haben eine Familie. Wie geht das zusammen?

Die Familienzeit hat sich bei uns schon immer daran ausgerichtet, wie meine Schichten liegen – egal ob Woche oder Wochenende. In der Regel arbeite ich 6 Tage und habe 4 Tage frei. Jetzt nutze ich die Zeit außerhalb des Werks auch, um für das Studium zu lernen. Trotzdem bleibt noch Zeit, um mit meiner Tochter zu spielen. Bislang gab es nur einmal die Situation, dass ich sie 4 oder 5 Tage nicht gesehen habe. Das war aber eine Ausnahme und sollte auch dabei bleiben. Im Oktober erwarten wir das zweite Kind, das wird dann wieder eine neue Herausforderung.

Unterstützt Sie Ihr Arbeitgeber?

Ja, und darauf bin ich sehr stolz. Die Salzgitter AG hat mir gezeigt, dass Weiterbildung der Mitarbeiter im Konzern eine sehr wichtige Rolle spielt. Ich kann zum Beispiel meine Ruhetage flexibel für die Lehrveranstaltungen einsetzen, damit ich für die Präsenzzeiten keinen Urlaub nehmen muss. Das hilft sehr und darüber bin auch sehr dankbar.

Perspektivisch: Werden Sie auch nach Ihrem Studium bei der Salzgitter AG bleiben?

Ja, definitiv. Ich habe mich immer in diesem Betrieb gesehen und kann mich zu 100% mit dem Betrieb identifizieren. Das Leben ist ein Geben und nehmen und das, was die Salzgitter AG mir in Bezug auf die Weiterbildung gibt, möchte ich Ihnen auch irgendwann zurückgeben.

Wie bereiten Sie sich auf die Prüfungen vor?

Oft ist es so, dass wir Bücher oder Skripte durcharbeiten und anschließend eine Klausur schreiben – also das Prinzip Lesen und Verstehen. Wenn Fragen auftauchen, frage ich in der schon angesprochenen Lerngruppe nach, in der wir uns über Kurznachrichten zusammengeschlossen haben. Einer kann meistens helfen.

Wie ist das Verhältnis zu Ihren Dozenten?

Sehr gut. Ich bin sehr zufrieden, weil sie auch Verständnis für unsere Situation mit Job und Studium zeigen. Mir ist völlig klar, dass ich wie jeder andere Student eine bestimmte Menge an Stoff schaffen muss und der Lehrplan erfüllt werden muss. Aber einfach die Tatsache, dass ein Dozent registriert, dass man zum Beispiel aus einer Nachtschicht in den Hörsaal kommt, ist sehr ermutigend.

Gibt es etwas, worauf Sie derzeit verzichten – gemeinsame Zeit, Hobbys, andere persönliche Interessen…?

Hobbys sind zurzeit sehr schwer zu organisieren. Es ist wirklich eine Herausforderung Familie, Arbeit, Studium und Hobby unter einem Hut zu bringen. Ich musste mich tatsächlich von meinem Hobbys, wie z. B. Fußball spielen im Verein, trennen. Nur so kann ich auf der Arbeit und in im Studium die von mir verlangte Kraft aufbringen. Die gemeinsame Zeit mit meiner Familie nutze ich als Erholung, um einfach mal abschalten zu können.

Angenommen, Ihre Frau würde wieder ein Studium aufnehmen: Wäre die berufsbegleitende Variante (wie beim Wirtschaftsingenieur) eine Möglichkeit?

Wenn meine Frau heute wieder mit dem Studium anfangen würde, wäre berufsbegleitend eine angenehmere Variante als Vollzeit. Wenn ich mir vorstelle, dass meine Frau heute Vollzeit studiert, dann wären wir auf meine Eltern sehr angewiesen und unsere Tochter würde weniger Zeit mit uns verbringen. Egal wie beschäftigt wir auch sind, Priorität ist unsere Tochter. Wir wissen, wie wichtig die gemeinsame Zeit mit ihr ist und dementsprechend setzen wir das auch um.

Angenommen, die Entscheidung fällt für ein berufsbegleitendes Studium: Welche Unterstützung von Seiten der Hochschule würde Ihrer Frau und Ihnen helfen (Kinderbetreuung, Vorbereitungskurse, Begleitkurse, stärkere Organisation des Studiums über z.B. E-Learning und weniger Präsenzphasen, …)?

In unserem Fall würde Kinderbetreuung eine wichtige Rolle spielen. Aber trotzdem wären Vorbereitungen von zu Hause aus, wie z. B. E-Learning viel angenehmer. Da kann man immer noch zwischendurch Zeit mit der Familie verbringen.


Stefan Oßwald, 47 Jahre, Meister

Stefan Oßwald ist technischer Leiter der Stadtwerke Hechingen in Baden-Württemberg. Nach der mittleren Reife lernte er Zentralheizungs- und Lüftungsbauer mit anschließender Meisterausbildung. Der Meister-Abschluss öffnete ihm auch die Tür zum Wirtschaftsingenieurstudium an der Hochschule Harz. Der 47-Jährige lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Ofterdingen.

Herr Oßwald, aus welchen Gründen haben Sie sich für das Studium entschieden?

Auslöser war, dass ich 2014 den Zertifikatskurs Energie- und Versorgungsmanagement in Wernigerode belegt hatte und noch einen Schritt weiter gehen wollte.

Mit 8 Stunden nehmen Sie eine lange Anfahrt in Kauf. Wäre eine näher gelegene Hochschule keine Alternative gewesen?

Zwar gibt es auch an anderen Hochschulen berufsbegleitende Studiengänge, aber noch nicht so viele. Ein Vollzeitstudium wäre für mich nicht in Frage gekommen. Durch Energie- und Versorgungsmanagement kannte ich die Hochschule Harz inzwischen ganz gut und konnte mich mit dem Angebot identifizieren. Außerdem wurden aus dem Zertifikatskurs zwar nicht alle Credits, aber doch ein Großteil für das Studium anerkannt. Ohne die Unterstützung der Familie ginge es allerdings nicht.

Wie wirkt sich das Studium auf Ihre Situation zu Hause aus?

Es nimmt momentan einen Großteil meiner Freizeit ein. Ich lerne hauptsächlich in den Abendstunden, ab 20 Uhr, rund 10 Stunden in der Woche. Die Wochenenden konnte ich mir bislang größtenteils für die Familie frei halten – ausgenommen natürlich die Wochenenden mit Präsenzveranstaltungen.

Wie schätzen Sie die Organisation des Studiums ein?

Insgesamt gut. Es ist machbar, auch wenn ich mir wünschen würde, dass mir die ein oder andere Fahrt erspart bliebe. Aber das ist natürlich meiner persönlichen Situation bzw. meiner langen Anfahrt geschuldet. Gut finde ich, wenn Dozenten Alternativen zu E-Mail oder StudIP anbieten. In Mathe hatten wir die Möglichkeit, über einen Chat Fragen zu stellen und auch die Kommentare der Kommilitonen einzusehen. Das war sehr hilfreich.


Karsten Schuster, 35 Jahre, Kaufmann

Karsten Schuster (Name geändert) hat nach seinem Abitur Maschinenbau studiert und das Studium vorzeitig abgebrochen. Er lernte Kaufmann im Einzelhandel und ließ sich firmenintern auch weiterbilden, unter anderem zum Handelsassistenten. Heute arbeitet der 35-Jährige im Vertrieb eines Fertigungsbetriebes in Sachsen-Anhalt. Hier lebt er auch mit Partnerin und 4-jähriger Tochter. Sein Arbeitgeber weiß nichts von seinem berufsbegleitenden Studium zum Wirtschaftsingenieur.  

Herr Schuster, warum ist Ihr Arbeitgeber nicht eingeweiht?

Mein Arbeitgeber vertritt die Meinung, dass ihm Weiterbildungen nichts nützen. Wer Zeit und Kraft für eine Weiterbildung hat, der tut nicht genug für den Betrieb.

Das heißt, Sie sehen Ihre berufliche Zukunft auch nicht bei Ihrem aktuellen Arbeitgeber?

In erster Linie möchte ich mehr Verantwortung übernehmen, mehr Entscheidungsfreiheit haben und nicht mehr ausschließlich auf Zuruf arbeiten. Ich würde gern im Einkauf, der Fertigung oder der Entwicklung einbringen. Insofern interessieren mich auch typische BWL-Studieninhalte wie zum Beispiel Kosten-Leistenrechnung am meisten.

Wie steht Ihre Familie zu Ihren Plänen?

Meine Partnerin hat mich von Beginn an zu 100 Prozent unterstützt. Sie hat mir Mut zugesprochen, diesen Schritt endlich zu gehen. Ich selbst hatte so meine Zweifel, ob ich Studium, Job und Familie unter einen Hut bringe.

Wie denken Sie jetzt darüber – rund 1 Jahr nach Studienbeginn?

Es ist machbar, aber nicht immer einfach. In der Woche nach der Arbeit kann ich kaum für das Studium lernen und nur kleine Aufgaben lösen. Insbesondere wenn es auf Prüfungen zugeht, lerne ich an den Wochenenden vormittags von 8 bis 12 Uhr und nachmittags noch eine bis zwei Stunden. In dieser Zeit bin ich auch für meine Familie nicht erreichbar.

Was sagt Ihre Familie dazu?

Meine Partnerin steht nach wie vor hinter mir und motiviert mich weiterzumachen. Ohne diese Einstellung und die Bereitschaft, sich um unser Kind zu kümmern, könnte ich wahrscheinlich auch nicht weitermachen.

Worauf verzichten Sie?

Der ein oder andere Ausflug oder Familienfeiern fallen schon mal aus. Manches kann ich aber auch anders organisieren: Zum Motorradfahren nutze ich zum Beispiel die Fahrten zur Hochschule.

Wie schätzen Sie die Unterstützung durch die Hochschule bzw. Ihre Dozenten ein?

Insgesamt sehr positiv. Zwar arbeiten die Dozenten sehr unterschiedlich mit verschiedenen Mitteln, aber im Allgemeinen kommen wir im Lehrstoff gut mit. Sehr hilfreich sind kurze Kommunikationswege wie sie unser Mathedozent eingesetzt hat: Er hatte über Skype einen Chat eingerichtet und immer schon innerhalb weniger Stunden auf Fragen geantwortet. In guter Erinnerung ist mir auch die Veranstaltung zur Elektrotechnik geblieben, weil der Dozent den Lehrstoff sehr anschaulich und interessant aufbereitet hatte.

Wäre für Sie auch ein Vollzeitstudium in Frage gekommen?

Ja, den Gedanken habe ich noch nicht aufgegeben, vor allem weil ich das Studium dadurch noch schneller abschließen könnte.

Claudia Kusebauch

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Ansprechpartner Wirtschaftsingenieurwesen berufsbegleitend

Prof. Dr.-Ing. Günter Bühler

Studiengangskoordinator

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Kerstin Kielgaß

Ansprechpartnerin Berufsbegleitender Bachelorstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen

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