Studentisches Projekt sorgt in Zusammenarbeit mit Wernigerodes Seniorenvertretung für besondere Reiseerlebnisse
Einfach mal raus aus dem Rentenalltag und gemeinsam das Land erkunden – mit dem Projekt „Jung und Alt auf Reisen“ laden die Seniorenvertretung der Stadt Wernigerode e.V. und Studierende der Hochschule Harz bereits seit 2010 zum Entdecken der Region ein. Beim jüngsten Ausflug zum Kloster Drübeck gab es eine Premiere: Der Hochschulchor trat als Überraschungsgast auf und schuf damit eine zusätzliche Begegnung der Generationen.
Rund 40 Senioren sind der Einladung gefolgt, das Kloster Drübeck bei einer individuellen Führung kennenzulernen sowie bei einem gemeinsamen Mittagessen und einer Kaffeepause ins Gespräch zu kommen. Brigitte Celik ist zum ersten Mal dabei. Normalerweise unternimmt die 72-Jährige etwas gemeinsam mit Freundin Renate Hrach (76), beide sind in einer Wandergruppe aktiv. „Von dem Ausflug heute bin ich ganz begeistert. Die Führung über das Klostergelände war sehr informativ und der Chorauftritt war eine sehr schöne Überraschung“, sagt die Rentnerin. Auch die Gemeinschaft habe sie als Bereicherung empfunden. Renate Hrach ergänzt: „Die Schlichtheit der Kirche ist sehr beeindruckend. Die Akustik ist auch toll, wie ich heute feststellen konnte. Es war ein wunderbares Erlebnis, die jungen Stimmen des Chores zu hören.“
„Singen verbindet immer“, findet Carola Stockmann, Vorsitzende der Wernigeröder Seniorenvertretung, die als gemeinnütziger Verein organisiert ist. „Das Konzert war ein sehr schöner verbindender Moment – vor allem, als Chor und Senioren gemeinsam gesungen haben.“ Mit sichtlich viel Freude stimmte das Publikum in die Melodien aus „Kommt ein Vogel geflogen“, „Es tönen die Lieder“ und „Petersbrünnele“ mit ein. Zudem hatte der Hochschulchor, in dem Studierende gemeinsam mit Mitarbeitenden und Lehrenden singen, mit „Ännchen von Tharau“ extra ein deutsches Volkslied für den besonderen Auftritt einstudiert. „Die Liedauswahl war sehr passend. Darin konnten sich die Senioren sehr gut wiederfinden, das ist ja schließlich unsere Kultur“, betont Carola Stockmann.
Auch bei den jährlich zwei Ausflügen im Rahmen von „Jung und Alt auf Reisen“ stehe das Entdecken der eigenen Kultur im Fokus. „Die Senioren, die nicht gern allein verreisen oder dies auch nicht mehr eigenständig können, können auf unseren Fahrten ihre Umgebung besser kennenlernen. Es muss nicht immer die große Fernreise sein, ganz in der Nähe gibt es viel Sehenswertes“, erklärt die Vereinsvorsitzende. Neben Tagesausflügen zu entfernteren Städten wie Braunschweig oder Bad Gandersheim stehen auch immer kulturelle Besuche in unmittelbarer Nähe auf dem Programm. So führten die Kurztrips bereits in die Glasmanufaktur Derenburg oder ins Harzheater Quedlinburg. „Das halbtägige Format richtet sich vor allem an Menschen, die nicht mehr den ganzen Tag unterwegs sein können. Zudem sollen die gemeinsamen Ausflüge ein Angebot gegen Einsamkeit sein, mit der Senioren immer wieder zu kämpfen haben.“
Auch die Tourismusmanagement-Studentinnen Joseline Müller und Jana Wagener, die das Projekt seit drei Jahren intensiv begleiten, wissen, wie wichtig die Reisen für die Senioren sind. „Das Projekt ist dafür ausgelegt, dass vor allem Menschen, die nicht mehr mobil genug sind oder keine Angehörigen in der Nähe haben, aus ihrem Alltag rauskommen, sich weiterbilden können und einfach schöne Momente genießen dürfen“, erzählt die 23-jährige Joseline. „Einige kommen jedoch nicht vorrangig wegen der Reisen, sondern wegen des Gemeinschaftsaspekts, um Freunde wiederzusehen und sich auf den neuesten Stand zu bringen“, ergänzt Jana.
Doch nicht nur die Gemeinschaft untereinander, sondern auch die Verbindung zwischen den Generationen sei ein wesentlicher Aspekt. „Ich finde es prinzipiell wichtig, dass man Berührungspunkte in der Gesellschaft hat zwischen verschiedenen Altersgruppen, Nationen oder generell unterschiedlichen Lebenswelten. Und gerade mit der älteren Generation, der unserer Großeltern, haben wir als Studierende kaum Berührungspunkte außerhalb der Familie“, sagt Joseline. „Dieses Projekt bietet einen wundervollen Rahmen, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen.“ Das sieht auch die 24-jährige Jana so: „Beide Seiten können viel dazulernen, Spannendes entdecken und mit unterschiedlichen Menschen in Kontakt kommen. Solche Erfahrungen zu sammeln, ist aus meiner Sicht immer wertvoll.“
Die beiden Studentinnen sehen in der Mitarbeit in dem Projekt „Jung und Alt auf Reisen“ auch eine Bereicherung für ihre berufliche Zukunft. „Wir konnten unser theoretisches Wissen aus dem Studium bei der Planung der Reisen einbringen und in praktische Erfahrungen umwandeln. Wir haben viel Verantwortung übernehmen dürfen und auch das Arbeiten mit Menschen, das zu einem Beruf im Tourismusbereich dazugehört, ausprobieren können“, zählt Joseline einige Vorteile auf. „Es war sehr schön zu erleben, wie glücklich man Menschen mit solchen Reisen machen kann.“ Die Arbeit in dem Projekt habe sie bestärkt, nach ihrem Studium im regionalen Kulturtourismus zu arbeiten. „Tourismusangebote müssen nicht unbedingt für große Menschenmassen gemacht sein, viel Geld kosten und besonders ausgefallen sein. Tourismus kann auch etwas sehr Persönliches sein, etwas Gemeinnütziges, bei dem man ganz normalen Menschen eine Freude machen und dabei lokale Kultur teilen, fördern und beschützen kann.“
Auch Jana habe durch die Mitarbeit im Projekt ihren Berufswunsch genauer definiert. „Ich wollte eigentlich nie etwas machen, bei dem ich sehr viel Kontakt zu Menschen habe, aber das hat sich mittlerweile komplett geändert. Der Kontakt zu den Senioren und der Arbeitsgruppe der Seniorenvertretung hat mir persönlich sehr gut getan“, erzählt sie. „Ich möchte Menschen auch etwas Gutes tun, ohne Arzt zu sein, einfach etwas Schönes für die Seele machen. Es ist sehr erfüllend zu sehen, dass man Menschen zu einem schönen Tag verholfen hat und dass man dazu beigetragen hat, deren Leben für eine bestimmte Zeit etwas schöner zu machen als es der Alltag bietet.“
Für Joseline und Jana rückt das Ende ihres Bachelor-Studiums immer näher, daher war die Fahrt nach Drübeck gleichzeitig ihr Abschied von „Jung und Alt auf Reisen“. Den Staffelstab haben sie symbolisch Theresa Teller und Rieke Güldenpfennig übergeben, die derzeit im dritten Semester International Tourism Studies studieren. „Die beiden gehörten zu den besonders aktiven Neuzugängen und wir haben das zurückliegende Jahr genutzt, um sie einzuarbeiten und generell neue Strukturen zu schaffen. Nachdem wir die ersten beiden Jahre die Hochschule Harz nur zu zweit vertreten haben, konnten wir zum Wintersemester 2025/26 auf einen Schlag fast 30 neue Mitglieder gewinnen, die nun in unterschiedlichen Gruppen zum Beispiel die Organisation, das Marketing oder die Reisebegleitung übernehmen“, berichtet Joseline. „Es ist wunderschön zu sehen, wie viele junge Menschen daran interessiert sind, in solchen sozialen Projekten mitzumachen. Das zeigt, dass das Engagement in der Studierendenschaft sehr hoch ist.“ Denn extra Leistungspunkte gibt es nicht, die Studierenden engagieren sich genauso freiwillig und unentgeltlich wie die ehrenamtlichen Vereinsmitglieder der Wernigeröder Seniorenvertretung.
Nun ist also die nächste Generation gefragt, das Projekt mit Leben zu füllen. „Dabei kann jeder mitmachen. Es sind nicht nur Tourismusstudierende angesprochen, auch wenn das thematisch sehr naheliegt. Jeder, der Praxiserfahrung sammeln und sich aktiv einbringen möchte, ist willkommen“, ruft Joseline zum Mitmachen auf. „Wir würden das jederzeit wieder tun.“
Du möchtest das studentische Projekt „Jung und Alt auf Reisen“ in Zusammenarbeit mit der Seniorenvertretung der Stadt Wernigerode e.V. unterstützen? Dann kontaktiere das Team über Instagram unter dem Benutzernamen @jungundalt.hsharz.
23.10.2026
Author: Karoline Klimek
Image author: © Sascha Selli-Grabowski (11), Karoline Klimek (1)
Image rights: © Hochschule Harz