Wie drei junge Frauen im Studium die App „Fravia“ entwickeln
Drei Studentinnen, eine Idee und ein Semester Zeit: Im Entrepreneurship-Semester der Hochschule Harz entwickelten Hannah Höpfner, Lene Böttcher und Jana Meyer die zyklusbasierte Kalender-App Fravia. Nach einer ersten Testphase wollen sie ihre Idee weiterverfolgen und ein Startup gründen.
Fravia verbindet Zyklustracking mit Empfehlungen für Sport, Ernährung und Alltagsplanung. „Der Zyklus ist viel mehr als nur die Menstruation“, erklärt App-Mitentwicklerin Hannah. „Unsere Leistungsfähigkeit verändert sich über den Monat und genau das sollte sich auch im Alltag widerspiegeln.“ Über tägliche Check-ins können Nutzerinnen angeben, wie viel Energie sie haben und ob sie Beschwerden verspüren. Auf Grundlage dieser Angaben und der jeweiligen Zyklusphase soll Fravia individuelle Empfehlungen geben, ob bestimmte Nährstoffe aufgenommen werden sollten, eine Entspannungsphase hilfreich sein könnte oder genau jetzt die beste Zeit für das Abarbeiten von To-Dos ist. Auch wiederkehrende Beschwerden können so sichtbar werden: Treten beispielsweise regelmäßig Migränesymptome vor der Menstruation auf, soll die App frühzeitig darauf hinweisen und bei der Tagesplanung unterstützen. Ziel ist es, den eigenen Zyklus bewusster wahrzunehmen und den Alltag stärker an die individuellen Bedürfnisse anzupassen.
Entwickelt haben die Studentinnen die Idee zur App im Rahmen des Entrepreneurship-Semesters. Es findet jährlich im Sommersemester statt und bietet Studierenden der Hochschule Harz die Möglichkeit, sich über mehrere Monate hinweg mit der Entwicklung einer eigenen Geschäftsidee zu beschäftigen. „In aufeinander aufbauenden Modulen erhalten sie dabei praktische und fachliche Begleitung – von der Teamentwicklung über Präsentationstipps bis hin zur Gründungsfinanzierung“, berichtet Prof. Dr. Tobias Blask, Professor für Marketingmanagement und Digitalisierung, der das Entrepreneurship-Semester fachlich betreut. Ziel ist es, eine Idee systematisch bis zu einem konkreten Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat.
Da das Entrepreneurship-Semester grundsätzlich allen interessierten Studierenden der Hochschule Harz offen steht, konnten die Fravia-Gründerinnen das Angebot unabhängig von ihrem Studiengang wählen – Hannah und Jana studieren im 4. Fachsemester Nachhaltiges Management, Lene Wirtschaftspsychologie. „Wie genau sich das Semester in den individuellen Studienverlauf integrieren lässt, hängt jedoch vom jeweiligen Studiengang ab“, erklärt Tobias Blask, der als Ansprechpartner bei Fragen rund um das Angebot bereitsteht und individuell berät.
Hannah, Lene und Jana legten im Sommersemester 2026 den Grundstein für ihr Geschäftskonzept. Zunächst arbeiteten sie an der Idee, KI-generierte Antworten verständlicher darzustellen, doch die Begeisterung wollte aufgrund des fehlenden persönlichen Bezugs nicht richtig überspringen. Kurzerhand entschieden sie sich für ein Thema, das sie wirklich bewegt. „Ich merke im Studium immer wieder, dass meine Motivation nicht unbedingt mit meiner To-Do-Liste zusammenpasst. Dabei wäre es so viel einfacher, wenn ich wichtige Aufgaben und Lernphasen in eine Zeit lege, in der ich ein besonders hohes Energielevel habe“, erklärt Jana. Die Idee für Fravia war geboren. Zwar gibt es bereits zahlreiche Zyklus-Apps, doch keine verbinde das Zyklustracking mit einem Terminkalender und gebe personalisierte Tipps für die Freizeitgestaltung und das Essverhalten.
Der erste Schritt war getan – doch würde ihre App auch potenzielle Nutzerinnen finden? „Bevor eine Geschäftsidee realisiert werden kann, sollte man unbedingt den Bedarf überprüfen, also ob die Idee auch auf dem Markt eine Chance hat“, verdeutlicht Betreuer Tobias Blask. „Mithilfe der Methoden des sogenannten Lean-Startup-Ansatzes kann man Ideen zum Beispiel frühzeitig ausprobieren, anhand von Rückmeldungen überprüfen und anschließend weiterentwickeln. Genau solche Prozesse lernen die Studierenden im Rahmen des Semesters.“
Also entwickelten die drei Studentinnen einen Fragebogen und interviewten Frauen im Alter von 19 bis 45 Jahren zu ihrem Zyklus und ihren Erfahrungen mit bestehenden Zyklustracking-Apps. Dafür suchten sie das Gespräch mit Frauen direkt nach Sportkursen. „Viele sind mit den bisherigen Apps unzufrieden“, erzählt Jana. „Dadurch wurde uns bewusst: Das sind nicht nur wir drei, sondern noch viele weitere Frauen.“ Auf Grundlage dieser Rückmeldungen entwickelte das Team eine erste Version von Fravia, die anschließend von rund 50 Testerinnen ausprobiert wurde. „Wir hatten im Anschluss gefragt, welche Funktionen den Testerinnen außerordentlich gut gefallen. Dabei haben viele die Rezeptfunktion genannt, welche individuelle Rezeptvorschläge an Nutzerinnen gibt. Darüber haben wir uns besonders gefreut, weil diese Funktion ursprünglich ein spontaner Einfall war“, berichtet Hannah.
Dass sie das Entrepreneurship-Semester gewählt haben, sei eine wegweisende Entscheidung gewesen. „Die Methoden, die wir in diesen Monaten gelernt haben, haben uns in der Verwirklichung unserer Idee enorm vorangebracht. Wir haben dabei nicht nur viel über Gründung gelernt, sondern vor allem konkrete Werkzeuge an die Hand bekommen, mit denen wir unsere Idee weiterentwickeln konnten“, sagt Hannah. Betreuer Tobias Blask bringt es auf den Punkt: „Das Entrepreneurship-Semester ist unser niedrigschwelligstes Angebot für alle, die herausfinden möchten, ob Unternehmertum etwas für sie ist.“
Mit dem Abschluss des Entrepreneurshipsemesters endet das Projekt für Hannah, Jana und Lene nicht. Sie möchten ihre Idee weiterentwickeln, ihre Präsenz auf Social Media ausbauen und die App in den gängigen App Stores platzieren, um auch Nutzerinnen außerhalb der Hochschule Harz zu erreichen. „Wir wollen möglichst vielen Frauen helfen, ihre körperliche und mentale Energie gezielt zu nutzen und bewusster durch den Alltag zu gehen“, sagt Jana. Dass ihre Idee ankommt, haben sie jüngst beim Startup Fight Club erfahren dürfen. Bei dem Event für junge Gründerinnen und Gründer haben sie sich mit 15 Teams aus Sachsen-Anhalt gemessen und mit ihrer Idee für die App den Publikumspreis gewonnen.
Außerdem plant das Team, sich für das exist Gründungsstipendium zu bewerben. Bei der mehrmonatigen Phase der Antragserarbeitung und der abschließenden Einreichung werden sie von Sophie Moneke aus dem Application Lab beraten und begleitet. Ziel ist, eine einjährige finanzielle Starthilfe für das Gründungsvorhaben zu erhalten. Unterstützung erhält Fravia zudem vom Team des Projekts gründerwald 4.0, das zu den grundlegenden Fragen rund um Existenzgründung und weiteren Startup-Angeboten informiert. Mit den beiden Servicestellen, die durch Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert werden, sowie dem vorbereitenden Entrepreneurshipsemester bietet die Hochschule Harz ein vielseitiges Angebot für gründungsinteressierte Studierende.
Du möchtest Fravia testen? Hier geht's zur App.
Mehr Einblicke in die Entwicklung des Projekts findest du auf der Instagram-Seite von Fravia unter @fravia.app.
Du möchtest selbst eine Geschäftsidee entwickeln? Dann bewirb dich noch bis zum 31. Oktober 2026 für das Entrepreneurship-Semester im Sommersemester 2027.
Du hast noch Fragen? Am Mittwoch, 23. September findet um 13:30 Uhr in Hörsaal 4.001 eine Infoveranstaltung zum Entrepreneurship-Semester statt, wo du alle Fragen loswerden kannst.
Weitere Informationen findest du hier.
Bei Fragen rund um Entrepreneurship und Unternehmensgründung kannst du dich jederzeit an den Gründungsservice vom Projekt gründerwald 4.0 wenden.
16.09.2026
Author: Leonie Wolff, Karoline Klimek
Image author: © Leonie Wolff
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