Kinderbetreuung im Homeoffice

Welche Erfahrungen eine Studentin und eine Professorin damit gesammelt haben

Homeoffice und Kinderbetreuung: was vor einiger Zeit undenkbar schien, ist mittlerweile Realität. Eine Professorin und eine Studentin berichten von ihren Erfahrungen.

In vielen Gesellschaftsbereichen führt die Corona-Pandemie aktuell zu nachhaltigen Veränderungen, deren Folgen nur schwer abzusehen sind. Landesweit wurde die Lehre an den Hochschulen und Universitäten in kürzester Zeit auf ein digitales Format umgestellt, das völlig neue Anforderungen an Lehrende, Studierende und Mitarbeiter stellt. Wo vorher soziale Nähe gefordert war, muss diese nun auch im virtuellen Raum etabliert werden. Besonders Familien mit Kindern und Alleinerziehende stehen vor einer Ausnahmesituation. Wie ist es, Homeoffice und Kinderbetreuung an einer Hochschule zu vereinen und dabei das richtige Gleichgewicht aus Studieren, Lehren und Leben zu finden?

Katja Michalak ist Vertretungsprofessorin am Fachbereich Verwaltungswissenschaften. Neben der Lehre von disziplinübergreifenden Verbindungen zwischen Politikwissenschaften, Verwaltungswissenschaften, Arbeits- und Organisationspsychologie war sie in diesem Semester als Kinderbetreuerin, Grundschullehrerin und Köchin gefordert.
Die Zeit musste zwischen der Lehrtätigkeit, der Leitung eines Projektes und der Beschäftigung mit dem sechsjährigen Sohn sowie der siebenjährigen Tochter aufgeteilt werden. Das Leben spielte sich plötzlich in einem begrenzten Raum ab, in dem alle Lebensbereiche aufeinandertrafen. Der Strukturierung des Alltags kam dabei eine wichtige Rolle zu. Die oft geäußerten Befürchtungen, dass die Corona-Krise zu einer Rückkehr überwunden geglaubter Rollenbilder führen könnte, möchte Professorin Dr. Michalak jedoch nicht pauschalisieren. Die individuelle Lebenssituation habe einen stärkeren Einfluss als Geschlechterrollen. Wichtig seien die sozialen Unterstützungsstrukturen. Eine der größten Herausforderungen sei jedoch der Anspruch an sich selbst, so die promovierte Politikwissenschaftlerin: „Sowohl in der Kinderbetreuung als auch in der Lehre möchte man sich beweisen und gute Arbeit leisten. Wie kann ich meine Kinder kreativ beschäftigen? Wie halte ich zur gleichen Zeit die Aufmerksamkeit der Studierenden in Online-Veranstaltungen hoch? Das waren Fragen, die mich beschäftigt haben.“ Die Strukturen an der Hochschule Harz hätten dabei die nötige Flexibilität geboten, um neue Wege auszuprobieren und neben dem Script mit Podcasts, Zoom-Meetings und vielfältigen Aufgabenstellungen zu arbeiten.

Pragmatismus statt Panik


Sarah Schütze erlebte das erste Onlinesemester der Hochschule Harz als Studierende des Bachelor-Studiengangs Öffentliche Verwaltung auf der anderen Seite des Bildschirms, während sich ihr vierjähriger Sohn intensiv mit der Wohnzimmereinrichtung beschäftigte. Sie sieht die aktuelle Situation pragmatisch: „Letztendlich gab es viele, die in einer ähnlichen Situation waren und sind. Während ich vor dem Laptop gesessen habe, hat der Kleine gespielt und wenn es nicht mehr ging, musste ich kurz unterbrechen.“ Trotz des guten Starts in das digitale Semester entschied sich die 31-Jährige nach einigen Wochen, das Semester zu unterbrechen. Zu dieser Zeit erhielt sie die Bestätigung, dass sie ab dem nächsten Halbjahr für den dualen Studiengang Öffentliche Verwaltung zugelassen wird. „Als alleinerziehende Mutter ist es ein riesiger Vorteil, durch das duale Studium finanzielle Sicherheit zu erhalten und nach den Vorlesungen nicht noch im Nebenjob arbeiten zu müssen. Der enge Kontakt mit der Kreisverwaltung und anderen Behörden ermöglicht dann hoffentlich einen guten Einstieg ins Berufsleben.“ Der Wechsel des Studiengangs sei trotz der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Home-Office-Regelungen an der Hochschule problemlos verlaufen. „Um das neue Semester fokussiert beginnen zu können, ist es eine große Hilfe, dass die Kindergärten wieder geöffnet sind“, betont die Studentin.

02.10.2020
AutorIn: Tim Bruns
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