Villa Rautenbach 1938-1945 | Das Haus

Rudolf Artur Rautenbach, der die repräsentative Villa mit dem weitläufigen Grundstück 1938 erworben hatte, beabsichtigte, das Gebäude seinen Bedürfnissen anzupassen. Heizung und Elektroinstallation wurden erneuert sowie das Portal vergrößert und mit einer Zufahrt für PKW ausgestattet.

Die Fenster im Treppenaufgang des Kaminzimmers wurden bleiverglast und mit den Wappen von Wernigerode, Hannover, Solingen und Godesberg versehen. Das mittlere Fenster erhielt (vermutlich) Motive aus der Welt deutscher Heldensagen. Die Ausführung übernahm die Firma Richard Gessen in Düsseldorf; der Entwurf stammte von Walter Vits. Den Auftrag für den Umbau des Hauses erhielt das Wuppertaler Architekturbüro Martini & Müller. Bevollmächtigter Architekt war Max R. Wenner.

Die Rekonstruktion in der Villa gab einigen aufmerksamen Hasserödern wieder Anlass zu kühnen Vermutungen (es werde bald ein Schwimmbad installiert) und Anzeigen beim Ortsgruppenführer oder Bürgermeister. Hatte man sich deshalb für den Bretterzaun anstatt des maroden Drahtzauns entschieden?

Eine Kegelbahn wurde in der Villa tatsächlich eingebaut. Sie existierte noch Jahrzehnte und musste erst kürzlich dem Archiv der Hochschule Harz weichen.

Wann Rudolf Artur Rautenbach in seiner Villa auch wohnte, ist noch nicht belegt. Polizeilich gemeldet war er nicht für die Friedrichstraße 58/59.

Zu dem an der Modernisierung beteiligten Elektroingenieur Karl Oppermann und dem gegenüber lebenden Schlachtermeister Timme war das Verhältnis offensichtlich sehr gut. Nach dem Abzug der sowjetischen Besatzungsmacht feierten die Familien Oppermann und Timme auf der Terrasse der Rautenbach-Villa 1949 Verlobung. 

Rudolf Artur Rautenbach stammte aus Solingen und kaufte die Villa hauptsächlich zu Repräsentationszwecken. Er errichtete in Wernigerode ein Zweigwerk seiner Leichtmetall-Gießerei für Kriegsflugzeugteile. Nach Kriegsende und durch die Teilung Deutschlands ging das Werk verloren. Die Villa wurde gleichfalls enteignet. Das Grundstück wurde zum Volkseigentum und wurde als Lazarett und Erholungsheim genutzt. 

 

 

 

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