Das C人ID-Design

In Zusammenarbeit mit einem Studiengang für Personalentwicklung an der TU Braunschweig sowie der Volkswagen-Academy habe ich an der Hochschule Harz das C人ID-Design entwickelt; mit folgender Ausrichtung:

 

maßgeschneiderte Qualifikationen für Einzelpersonen, Gruppen oder auch Organisationen, die Ihre individuelle Performance -, bzw. ihre Personal- und Organisationsentwicklung belastbar und nachhaltig ausrichten wollen“.

 

Die Zielgruppen sind unterschiedlich. Das Spektrum reicht von den "eigenen" studierenden Personen, über Einzelpersonen und Firmen, bis hin zu Organisationen der staatlichen Sicherheitsarchitektur oder ukrainischen NGO´s (siehe unten unter 5.). Das heißt: Personen und Zielgruppen erhalten spezifisch erarbeitete Qualifikations-Angebote, je nachdem was gemeinsam als erforderliche Qualifikation identifiziert wird. Entsprechend lässt es sich folgendermaßen skizzieren:

1. Zielsetzung: Das C人ID-Design hat den Anspruch, die individuelle Intelligenz -, oder auch die gemeinsame Intelligenz ganzer Gruppen (Collective Intelligence) oder Organisationen zu steigern (engl. z.B. Organisational Intelligence, oder franz. Intelligence Èconomique).

2. Struktur: Das Herzstück im C人ID-Designs ist ein eigenes Intelligenz-Format, aufbauend auf ausgewählten Aspekten der aktuellen Resilienz- und Intelligenzforschung sowie der Agogik. Dieses kann theoretisch und praktisch eingesetzt werden. Als Akronym stehen die einzelnen Buchstaben beim C人ID-Designs für folgende Einzelaspekte:

C für Complexion, benennt das physische und psychische Energiepotenzial. Intelligenz ist wie erwähnt nicht nur ein mentales Phänomen, sondern auch ein energetisch und physisches Phänomen. Das korrespondiert an dieser Stelle mit der neurobiologischen Aussage:

Leistung = Leistungspotenzial - Störungen (Notebaert/Creutzfeld: 2020).

Was sind das vorwiegend für Störungen? Selbstverständlich kann eine verminderte oder gar verhinderte Intelligenz aus einer gesundheitlichen Beeinträchtigung resultieren; oder aus einer prekären Biografie oder Bildungskarriere. Immer öfter resultiert es allerdings auch aus Erschöpfungszuständen; im Fachjargon: „Ego-Depletion“. Diese Schwäche ist nicht nur vermeidbar. Ihr kann als verkörperte Schwäche auch mit einem Training begegnet werden. Eine entsprechend resiliente, regenerierte oder gar trainierte Physis darf somit als energetische Voraussetzung für eine erwünschte Mental-Performance gelten (vgl. Kahnemann : 2011 sowie Nehls : 2022). In der englischen sowie französischen Sprache existiert der Begriff „Complexion“, als Bezeichnung für das mentale – und körperliche Potenzial einer Person; oder umgangssprachlich vereinfacht auch als Synonym für die Gesichtsfarbe. Um hier salopp im Bild zu bleiben: eine Intelligenz kann frisch und gesund -, oder auch blass wirken. Darüber hinaus kann das menschliche Intelligenz-Potenzial inzwischen konstruktiv und künstlich erweitert werden. Diese sogenannte Augmented Intelligence erweitert die menschliche Intelligenz in einer spezifischen Kollaboration von Mensch und Maschine, bei der der anwendende Mensch jedoch souverän bleibt; fachsprachlichlich und angelsächsisch tituliert als: "Human In The Loop". In diesem Anspruch delegiert der Mensch die Intelligenzleistung nicht an die KI aus (Garcés : 2020). Vielmehr bleibt er "in der Schleife" und verkörpert die Regie in diesem Zusammenspiel. Diese Erweiterung der eigenen mentalen Kapazitäten hat allerdings auch einen Preis: es erfordert neue menschliche Skills im Umgang mit dieser maschinellen Erweiterung. Nur so kann der menschliche Umgang mit der KI selbstbestimmt und konstruktiv bleiben, statt im Konsum zu enden; was nicht nur ineffektiv -, sondern auch gefährlich werden kann (Weber Guskar : 2024 sowie Suleyman : 2025). Aktuell und brisant wurde dies vor allem im Zuge der sogenannten emotionalen Wende innerhalb der LLM Revolution im Jahr 2024 (LLM für: Large language Models wie z.B. Chat GTP). Diese Wende ermöglicht, dass KI-Systeme unsere Gefühle nicht nur identifizieren und auslesen, sondern auch beeinflussen (Gabriel : 2026). Damit werden entsprechende Fähigkeiten, wie etwa ein emotional selbstreguliertes und bewustes Promt-Engineering, unverzichtbar. Erstrebenswert ist vor diesem Hintergrund ein konstruktiv-dialogisches Miteinander von Mensch und KI. Die japanische KI-Forschung thematisiert in diesem Zusammenhang das sogenannte Fellowship-Modell (Deguchi : 2025). Dabei wird die KI nicht mehr nur als kritisches Werkzeug -, sondern als konditionierter und kollaborierender Partner betrachtet; der im Vorfeld entsprechend ethisch designed, trainiert und kuratiert wurde. Das geschieht in Japan mit massiver -, nicht nur finanzieller Unterstütztung der japanischen Industrie und kooperierenden Universitäten, wie das anfangs bereits erwähnte Institut KIP in Kypto. Das führt direkt zu dem nächsten Buchstaben, bzw. zu dem japanischen Kanji-Zeichen 人.

人 für menschliches -, erweitertes - sowie agogisches Potenzial im C人ID-Design. Das sino/japanische Kanji-Zeichen 人 steht für das Wort "Mensch". Es erinnert aber gleichzeitig auch grafisch an das hiesige A; wie etwa im Akronym für AI (Artificial - bzw. Augmented Intelligence); oder an das A für Agogik. Diese Erinnerungen sind nicht zufällig. Sie sind willkommen und auch gewollt. Was heißt das:

Menschliches Potenzial kann - wie erwähnt - nicht nur blaß, gestört oder erschöpft sein. Es kann auch fehlgeleitet sein, z.B. durch Vorstellungen von uns selbst oder der Welt um uns herum; etwa im Austausch mit anderen Personen oder Informationen. So kann eine intellektuelle Leistung zwar erschöpft sein, sie kann aber auch ideologisch - oder gar ontologisch fehlgeleitet sein. Beides ist natürlich, und damit menschlich. So ist z.B. etwa der Wunsch einer sich selbst überschätzenden Führungskraft, die menschlichen Verhaltensweisen seines Teams mit einem technischen Selbstverständnis zu steuern, zu planen, zu kontrolieren und sanktionierend zu optimieren - nicht nur ein charakterliches Problem. Es ist vielmehr ein erkenntnistheoretisches Problem im Umgang mit zwischenmenschlicher Kooperation und Komplexität. Zugespitzt formuliert: noch nicht "neu aufgeklärt" fehlt dieser Führungskraft an ontologischer Expertise; etwa der Human-Factor-Forschung (Badge-Schaub, u.a. : Berlin 2012). Oder auch politische Entscheidungsgremien, die eine weltweite Pandemie vorwiegend national -, und mit einer rein naturwissenschaftlichen Expertise managen wollen, wäen hier einzuordnen. Auch hier sollte man nicht nur einen kritische Policy- oder Governance-Ansatz betrachten. Vielmehr dürften wohl auch ideologische Prägungen im Spiel sein (vgl. Gabriel : 2020), die sich erkenntnistheoretisch identifizieren, evaluieren, kritisieren und korrigieren ließen. Sinnvollerweise gilt es derartige ideologische Verwicklungen zu vermeiden und zu beseitigen; als Voraussetzung für eine erwünschte Performance. Insofern diese "Ver-wicklungen" aufgehoben werden, kann hier von einer spezifischen "Ent-wicklung" gesprochen werden; wie sie etwa in der Personal-, und Organisations-Entwicklung generiert wird.

Das Zeichen 人 für die den menschlichen Faktor transportiert aber noch mehr: nicht nur weil sich Arbeit und Leben zunehmend und intensiv durchdringen, erleben sich Personen als ihr Leben selbst gestaltend - sprich: als ein agogisches Subjekt (vgl. Dell : 2012). Das Wort Agogik geht zurück auf das griechische "agein"; für "führen und lenken". Sozialwissenschaftlich kennzeichnet die Agogik die professionelle Qualifizierung von Menschen, hin zur selbstverantwortlichen und selbstbestimmten Lebensführung. Die beiden akademischen Disziplinen sind die Andragogik und - wenn es die Zielgruppe der noch nicht Erwachsenen betrifft - die Pädagogik. Beide Disziplinen "ent - wickeln" Kompetenzen hin zu einer selbstverantwortlichen und selbstbestimmten Person.

Der Begriff Agogik ist aber auch musikwissenschaftlich relevant. Auf den Rhytmus abzielend bezeichnet er "in der Musik die lebendige Gestaltung eines Musikstückes, im Unterschied zur mechanisch-exakten Wiedergabe wie z.B. einer Spieldose", wie es der deutsch/amerikanische Musik- und Organisationswissenschaftler Christopher Dell formuliert, der Expertisen der Musik - und Sozialwissenschaft konstruktiv vereint (Dell : 2012). Und hier kommt die moderne Evidenz-Medizin ins Spiel. Menschen sind keine Spieldosen und gestalten gern individuell und pragmatisch ihr Arbeits- und Lebens-Tempo, also auch abweichend von den Vorgaben. Hier drängen sich nicht nur metaphorische Parallelen auf: Wenn Menschen in ihrem Umgang mit sich selbst und ihrer Mitmenschen einem natürlichen Rhytmus folgen, dann kann dieser falsch oder richtig sein, gesund oder ungesund, selbst bestimmt oder fremdbestimmt, leistungsorientiert oder schonend, ambitioniert oder ambitionslos. Das impliziert Chancen und auch Gefahren; Letzteres droht in einer beschleunigten neuen und vollen Welt zuzunehmen. Der Klinikleiter, Mediziner, Psychotherapeut und Philosoph Thomas Fuchs idenzifiziert diese menschlichen Synchronisierungen als ein markantes und völlig unterschätztes Thema. Fuchs spricht nicht nur von pathologischen Zuständen, sondern von einer "Epidemiologie der Überforderung", die aber auch die Chance entsprechender Hebepotenziale kennt (Fuchs : 2024).

Das Beschleunigen und das Verlangsamen des vorgegebenen Tempos ist somit nicht nur musikalisch relevant, sondern auch biologisch und stressmedizinisch. Daraus entsteht ein agogischer Anspruch: das alltägliche Ausbalancieren eines vorgegebenen und beschleunigten Lebenstempos hier - und einer nötigen und entschleunigten Regeneration dort; ganz im Sinne einer persönlichen oder auch organisatorischen Stressintelligenz (vgl. Bamberger : 2007 sowie Wolf/Calabrese : 2020). Wir brauchen im Rhytmus unserer "persönlichen Alltagsmelodien" also beides, Be- und Entschleunigung, bzw. "Accelerando" und "Rallentando". Mit anderen Worten:

wir müssen heutzutage schnell und agil hochfahren können, mit dem Anspruch auf verlässliche Spitzenleistungen. Wir müssen heutzutage aber auch genauso schnell und zuverlässlich runterfahren können, mit dem Anspruch auf verlässliche Regeneration. Nur so können agile Spitzenleistungen effektiv und nachhaltig verkörpert werden; schöpferisch statt erschöpft, störungsfrei statt gestört sowie entwickelt statt verwickelt.

Diese kreative und chronologische Balance wird damit zu einer Voraussetzung für Intelligenz, bzw. Intelligence.

I für Intelligence. Um den Gedanken einer Intelligenz unter gesund chronologisierten Voraussetzungen zu vertiefen: im Gegensatz zur immer noch weit verbreiteten deutschen sowie auch angelsächsischen Vorstellung von Intelligenz konnotiert der französischen Begriff Intelligence weitaus mehr als nur kognitive Leistungen. Er umfasst vielmehr auch die körperliche -, die soziale -, oder auch die emotionale Intelligenz (Piaget : 2015). Die oben erwähnte Regenerationsfähigkeit als Voraussetzung für intelligentes Verhalten wäre hier einzuordnen. Im Kontext der hinzugekommenen künstlichen Intelligenz-Potenziale erforscht die Bonner Universität in Zusammenarbeit mit japanischen und britischen Forschungsteams kulturübergreifend verschienenste Formen von Intelligenz (CST : 2026). Dabei werden insbesondere japanische Paradigmen eingeordnet, die über die westliche Vorstellungen von Intelligenz in bestimmten logischen Dimensionen hinausreichen (Gabriel : 26). Eine eigene Weiterentwicklung des Intelligenz-Begriffs erfolgt vor diesem Hintergrund durch die Kombination des Kanjis 人 und I für Intelligence. Die buchstäbliche Kombination 人I im C人ID-Design kennzeichnet also dreierlei:

a) die menschliche Intelligenz an sich, die weitaus mehr ist als eine rein kognitive Intelligenz

b) eine erweiterte Intelligenz; sprich: erweitert um die japanische Vorstellung von künstliche Intelligenz in einem konstruktiven Zusammenspiel, sprich die oben erwähnte "Augmented Intelligence" in der japanischen Fellow-Variante sowie dem folgendem 

c) agogischen Anspruch: auch physisch und chronologisiert, gesund und souverän über dieses menschliche - plus künstliche Intelligenzpotenzial zu verfügen.

Sprachlich greifen wir also auf den oben erwähnten französischen Intelligenz-Begriff zurück und ergänzen ihn durch das sino-japanische Kanji-Zeichen für Mensch = 人; ausgesprochen "Jin". Aus dieser Kombination ergibt sich eine begriffliche Neuschöpfung auf japanisch-französischer Basis: "人" einerseits und "Intelligence" andererseits bilden dann "人ntelligence"; ausgesprochen: Jintellijo:ß.

D für dromokratische Situation oder dromokratische Lage. Hier wird die neue-, volle -, konnektierte - und beschleunigte Welt in ihren Herausforderungen und Krisen thematisiert. Die wissenschaftliche Dromologie untersucht die gesellschaftliche Geschwindigkeit und Beschleunigung (vgl. Virilio : 1989/1994). In Anlehnung an die altgriechischen Begriffe "dromos" für "Rennbahn" und "logos" für "Wissenschaft" könnte man also auch von einer akademischen Expertise für unsere Rennbahn des 21.sten Jahrhunderts sprechen. Oder von der sogenannten "Dromokratie", einer intelligenz- und gesundheitsfeinflichen "Herrschaft der Geschwindigkeit" (Fuchs : 2024, speziell zur Dromokratie S. 62). Um im oben erwähnten agogischen Fachjargon der Musikwissenschaft zu bleiben: Die meisten Situationen, in denen wir uns im 21. ten Jahrhundert wiederfinden, entsprechen eher einem "Accelerando" statt "Rallentando"; also eher einer Beschleunigung statt einer Entschleunigung oder gar Beruhigung. Und da Intelligenz kein isoliertes Phänomen, sondern ein kontextabhängiges Phänomen ist, sollte auch die Intelligenz einer dromologischen Betrachtung unterzogen werden, insofern uns die heutige Welt zunehmend in einen ungesunden, störenden und leistungsfeindlichen Rhytmus ver-wickelt. Accelarando und Retanando sind nicht mehr selbstverständlich im Gleichgewicht. Und um zu performen, braucht es eine entsprechend agogische Chronologie.

So kennzeichnet etwa die Leitung eines Krisenstabes eine andere Lage - und ein anderes Fähigkeitsprofil als das Absolvieren einer schriftlichen akademischen Abschlussprüfung. Ebenso erfordert die permanente Leitung von Krisenstäben unter Kriegsbedingungen andere Fähigkeitsprofile als die einmalige Stabsleitung bei einem Cyberangriff in der Kommunalverwaltung unter Friedensbedingungen.

Verschiendenste dynamische Umstände, Situationen oder Lagen erfordern somit unterschiedliche Intelligenz-Formate; oder entsprechend "人ntelligence". In der sogenannten Human-Factor-Forschung (vgl. Badke-Schaub : 2012 ) werden derartige Zusammenhänge reflektiert und trainiert; auch bezüglich der leistungsfeindlichen Erschöpfungsthematik. Dabei werden sogenannte "Hoch-Zuverlässigkeits-Organisationen" untersucht (oder auch Hochleistungsteams; engl. auch HRO´s für: High-Reliability-Organisations, bzw. High Responsibility Teams). Dazu gehören z.B. die Krisenstäbe der Feuerwehr und der Polizei, medizinische Rettungsdienste, die Luft- und Raumfahrt, das Militär sowie kritische Energieversorger oder auch Nachrichtendienste (vgl. Piko : 2018). Deren Arbeitswelten sind einerseits durch einen hohen Anspruch an Zuverlässigkeit gekennzeichnet, weil Fehler hier schnell zu Katastrophen führen können. Anderereseits sind deren Arbeitswelten aber auch gekennzeichnet durch komplexe -, hochdynamische -, unbestimmbare - sowie herausfordernde Situationen. Beides erfordert einen spezifischen und zielgruppengerechten Anspruch an die jeweilige Kompetenz und Professionalität (vgl. Hagemann : 2011, vgl. auch "Plattform - Menschen in komplexen Arbeitswelten"). Diese Expertisen und Qualifikationen werden immer häufiger auch von Zielgruppen jenseits der oben erwähnten Hoch-Zuverlässigkeits-Organisationen relevant, so z.B. in der Industrie oder im Sport (vgl. Pawlowsky/Steigenberger : 2012), oder auch der öffentlichen Verwaltung (vgl. Roth : 2024).

Entsprechend ist auch das C人ID-Design zielgruppenübergreifend konzipiert und folgt wissenschaftstheoretisch dem sogenannten Bio-Psycho-Sozialen-Modell (vgl. Rummel/Gaßmann : 2020). In diesem Modell steht ein soziales Umfeld stets in einer Wechselwirkung mit der körperlichen - sowie geistigen Verfassung eines Individuums. Anders formuliert: je nachdem, in welchem sozialen Umfeld sich jemand wiederfindet, wird sein oder ihr psychisches Erleben in Folge auch physische Wirkungen haben, und umgekehrt. Aus erlebter Soziologie entsteht also verarbeitende Psychologie, und daraus dann entsprechende Biologie. So kann die Schrumpfung von neuronalen Hirn-Strukturen durch äußerlich gegebenen - und chronischen erlebten Stress resultieren, hervorgerufen durch soziale Zusammenhänge ( Peters : 2018). Daraus entwickelt sich dann umgekehrt wieder ein entsprechendes soziales Verhalten; also wieder veränderte Soziologie; etwa in Form von geminderter Selbstwirksamkeit gegenüber dem Umfeld. Diese hier beschriebenen negativen Wechselwirkungen lassen sich graduell positiv umkehren und methodisch nutzen; hin zu positiven Wechselwirkungen. Im C人ID-Design arbeiten wir mit diesen positiv veränderten Wechselwirkungen, um fit für den akzelerierten Rhytmus auf der Rennbahn des 21. Sten Jahrhunderts zu sein. Anders formuliert: um unsere Lagen und Situationen entsprechend einschätzen zu können, und uns dann auch entsprechend aufstellen zu können; sprich: dromabel zu sein.

Allerdings erweitern wir das BIO-Psycho-Soziale Modell auf ein Bio-Psycho-Globales Modell, da sich die dromokratischen Anforderungen nicht mehr nur aus dem direkten Umfeld ergeben. Längst erhalten die globalen Ereignisse und Anforderungen Einzug in unsere digitalen Geräte und damit Einzug in unsere Wohnzimmer. Dazu gehören auch Phänomene wie Zeitgeist, Ideologien, postfaktische Nachrichten oder die falsche Nutzung KI gestützter sozialer Medien, in denen wir dann nicht mehr einen autonomen und souveränen  "human in the loop" verkörpern. Diese globalen Aspekte gilt es nicht zu unterschätzen. Der italienische und in Oxford wirkende Philosophieprofessor und Digitalethiker Luciano Floridi prägte in diesem Zusammenhang den Begriff "onlife". Demnach verwandelte sich unsere natürliche Umwelt in eine sogenannte "Infosphäre". In dieser haben sich Menschen zunehmend und besorgniserregend online aus der natürlichen Welt verabschiedet. Im besten Fall finden sie sich noch in einer hybriden Welt wieder, in der beide Welten verschmelzen. Im schlimmsten Fall agieren sie fremdbestimmt bis süchtig in der digitalen Welt und unternehmen nur noch ausnahmsweise Ausflüge in die nicht-digitale Welt, die sie dann selbst als fremd erleben - und in der sie selbst auch als fremd erlebt werden. Um dem gesellschaftspolitisch begegnen zu können und politischen Entscheidungsgremien eine Orientierung zu geben, reagierte die EU-Kommission bereits 2013 mit dem Onlife Manifesto (Floridi : 2014). In diesem Kontext werden auch professionalisierte und industrialisierte  Geschäftsmodelle thematisiert, in denen sich Kinder, erwachsene Kunden, Wählerinnen und Täter ofline und fremdbestimmt sozialisieren - bzw. "verwickeln", isoliert vom unmittelbaren sozialen Umfeld. 

Dies aus dem Auge zu verlieren birgt die Gefahr in sich, von den Anforderungen auf der beschleunigten Rennbahn des 21.sten Jahrhunderts heteronom überwältigt zu werden, sprich nicht selbstbestimmt ent-wickelt, sondern fremdbestimmt ver-wickelt zu sein. Die medizinische Stressforschung spricht davon, „dechronologisiert“ in einem „Rasenden Stillstand“ zu landen, bzw. im Burn-Out oder sogar in der Depression (vgl. Fuchs : 2024).

Entsprechend gilt es Complexion und Dromabilität aufzubauen und zu pflegen, um somit schöpferisch - und nicht erschöpft - eigene und künstliche Intelligenzpotenziale nach neusten Erkenntnissen der internationalen Forschung angemessen "ausschöpfen" zu können; also über 人ntelligence zu verfügen; individuell, kollektiv und auch organisatorisch. 

 

 

 

3. C人ID als Begriff, Akronym und Beitrag zur Neuen Aufklärung:  C人ID ist nicht nur - wie oben erwähnt - als Akronyym zu verstehen, das auf die französische - sowie japanische Sprache zurückgreift und sich an Personen mit Entscheidungskompetenz richtet. Ursprünglich aus dem arabischen Sprachraum stammend ist die eigentliche französische Schreibweise CAID. So lautet etwa die Berufsbezeichnung für Pilot in der arabischen Sprache in leichter Abwandlung QAID. Der Begriff ist somit geeignet, die autonome Selbstwirksamkeit und Selbstverantwortung und Souveränität von Entscheidungsträgerinnen und -trägern zu konnotieren; bzw. von Personen generell. Damit erfüllt das C人ID-Konzept auch den Anspruch einer aufgeklärten und selbst bestimmten Person im 21. sten Jahrhundert; inklusive der damit verbundenen Herausforderungen.

Zu dieser neu aufgeklärten Souveränität gehört auch, im sogenannten "postpandemischen Zeitalter der Krisen" mit seinem "Burn-out-Potenzial" nicht mehr einem "falschen Menschenbild" und einer  "falschen Progressivität" zu folgen und vielmehr "Ernst zu machen mit den Erkenntnissen, über die wir heute schon verfügen" (vgl. Gabriel : 2023); so auch in Richtung einer "neu aufgeklärten" - oder aufklärenden Personal - "Entwicklung".

Insofern ist die „人ntelligence“ als eine Art verkörperte und chronologisierende Relaisstation zu verstehen, die als eine gesunde und leistungsgerechte Balance zwischen den zwei Polen korrespondiert: Dem einen Pol des Dromos hier, als der aktuellen Rennbahn des 21. sten Jahrhunderts - sowie dem anderen Pol der Complexion dort, also die entsprechende physische und psychische Energie als Voraussetzung für einen maßgeschneiderten und situationsangemessen Einsatz auf dieser Rennbahn. 人ntelligence wird somit zu einer Art Relais zwischen diesen Polen. Bemerkenswert an dieser Stelle: Etymologisch bedeutet das Wort Relais in seinem franz. Ursprung: "Pause zum Wechseln der Pferde". Um abschließend noch einmal im Bilde zu bleiben: um dromabel zu sein ist es ist wichtig, die Höchstleistungen entsprechend konditioniert und ausgeruht anzugehen; sprich: auf der Rennbahn mit gesunden und frisch ausgewechselten Pferden zur rechten Zeit im richtigen Rhytmus anzutreten, bzw. zu individuell und situationsgerecht zu pausieren. Für diese rhytmische Pause benennt die oben schon erwähnte Musikwissenschaft den Fachbegriff "Fermate" (aus dem Italienischen fermare für anhalten). Es beschreibt eine pausierende Unterbrechung des Musikstücks; individuell und frei bestimmt; sprich nicht festgelegt. Und in diesem Sinne können Personen, Teams oder auch ganze Organisationen nicht nur formiert oder re-formiert werden, bzw. wieder in Form gebracht werden. Sie sollten vor allem auch fermatiert werden. Also bei entsprechenden Belastungen auch synchronisiert entlastet werden, um nicht allzu entlastet und untertrainiert -, oder zu belastet und übertrainiert zu sein; sowohl körperlich, als auch mental oder existenziell.

 

4. Ausgewählte und exemplarische Anwendungen sowie Zielgruppen des C人ID-Designs

- SASAM: Ein Monitoring-Konzept für die Verhandlungsgruppe des LKA Sachsen-Anhalt, Magdeburg 2014

- Trisuasion: Ein Verhandlungs-Trainingskonzept für die Volkswagen-Academy, Wolfsburg 2020

- Tryzob: Stressmanagement für die Ukraine, Liga der Mediatoren der Ukraine, Braunschweig/Kyjiw 2022

- Achtsamkeitstraining in Zeiten der mentalen Klimaerwärmung, PIB/TU-Braunschweig 2023

- HMM (Harzer Mental-Model): Performance, Resilienz und Studium, Hochschule Harz 2024