Im Sattel bleiben: Wie junge Erwachsene fürs Radfahren begeistert werden sollen

Forschungsprojekt LENKER sucht neue Konzepte

Der Autoschlüssel liegt griffbereit, das Rad steht verstaubt im Keller: Viele junge Erwachsene entscheiden sich gegen das Fahrrad, selbst wenn die Strecke kurz ist und der Weg vertraut. Doch warum verliert das Rad gerade in dieser Lebensphase an Bedeutung? Das Forschungsprojekt LENKER (Lösungsorientierte Entwicklung neuer Konzepte zum Erhalt der Radverkehrsmotivation) geht dieser Frage nach und sucht nach Wegen, junge Menschen dauerhaft im Sattel zu halten. Das Team um Prof. Dr. Sven Groß und Prof. Dr. Georg Felser begibt sich auf die Suche nach konkreten Hemmschwellen und möglichen Motivationsfaktoren.

Dafür nimmt das Projekt die 16- bis 29-Jährigen in den Blick – und damit eine Altersgruppe mit oftmals entscheidenden Lebensumbrüchen. „Wir fragen uns, welche konkreten Anreize dazu beitragen können, dass junge Menschen mit dem Übergang zum Erwachsenenalter weiterhin Radfahren oder dazu, dass das Fahrrad für sie wieder attraktiv wird. Genau dort wollen wir vor allem mit digitalen Maßnahmen ansetzen“, fasst Sven Groß die Projektidee zusammen.

Neben der Hochschule Harz gehören auch die Ostfalia Hochschule, Outdooractive (eine Plattform für digitale Outdoor-Navigation) sowie DB InfraGo mit ihrer App Rad+ zu den Partnern. Diese Zusammensetzung ist aus Sicht der Beteiligten eine klare Stärke des Projekts. „Aus Umfragen, Interviews, Analysen, Workshops und ersten Sofortmaßnahmen entwickeln wir gemeinsam neue Konzepte, die das Fahrradfahren für junge Erwachsene attraktiv machen sollen, damit das Auto nicht automatisch gewinnt“, sagt Sven Groß. Der Fokus liegt dabei auf Maßnahmen, die zeitnah und ohne Investitionen in die Radwegeinfrastruktur umsetzbar sind.

Die Hochschule Harz verantwortet neben dem Projektmanagement als wesentliche Grundlage die quantitative Analyse. „Neben einer Literaturrecherche zum aktuellen Forschungsstand werden wir eine bundesweite, repräsentative Online-Umfrage in Auftrag geben. Befragt werden Personen zwischen 16 und 29 Jahren zu ihrem Mobilitätsverhalten“, erklärt Tourismusexperte Sven Groß. „Dabei interessieren uns insbesondere auch Gründe dafür, das Fahrradfahren aufzugeben und welche Motivationsfaktoren die jungen Menschen wieder aufs Rad bringen könnten.“ Das Projektteam an der Ostfalia ergänzt die Daten um qualitative Analysen beispielsweise durch persönliche Interviews.

„Parallel beginnen wir mit der Entwicklung eines Katalogs möglicher Evaluationsmethoden, mit dem die Wirksamkeit von Projektmaßnahmen gemessen werden kann. Dieser ‚Werkzeugkasten‘ soll künftig auch anderen Akteuren bei der passgenauen Auswertung und Weiterentwicklung ihrer Maßnahmen zur Radverkehrsförderung helfen“, fasst Wirtschaftspsychologe Georg Felser einen weiteren zentralen Projektbestandteil zusammen.

Um die Projektziele möglichst langfristig und nachhaltig zu gestalten, sollen Jugendliche und junge Erwachsene aktiv in zentrale Entwicklungsschritte eingebunden werden. Darüber hinaus wird mit kommunalen und regionalen Projektpartnern sowie überregionalen Akteuren der Radverkehrsförderung zusammengearbeitet.

Zeitnah starten die Praxispartner erste digitale Sofortmaßnahmen. Dafür werden bei Outdooractive sowie innerhalb der DB-App Rad+, mit der geradelte Kilometer gegen Prämien eingetauscht werden, Maßnahmen getestet, welche die wissenschaftlichen Fragestellungen von LENKER berücksichtigen. Diese werden in zwei Modellregionen erprobt: in Braunschweig sowie in ausgewählten Mittelstädten der Harzregion. Um die junge Zielgruppe zur Nutzung des Fahrrads zu motivieren, werden spielerische Elemente eine wichtige Rolle spielen. „Ein Gamification-Ansatz mit Wettbewerbscharakter, bei dem Teams gegeneinander antreten, ist eine denkbare Option. Das fördert die intrinsische Motivation am Radfahren und Erfahrungen zeigen, dass bei der richtigen Konzeption auch langfristige Verhaltensänderungen erreicht werden können“, ordnet Georg Felser ein.

Bei den Sofortmaßnahmen werde es jedoch nicht bleiben. „Sobald die wissenschaftlichen Ergebnisse der Hochschulen vorliegen, können wir unter Berücksichtigung der ermittelten Motivationsfaktoren weitergehende Konzepte entwickeln und testen“, gibt Sven Groß einen Ausblick. „Damit werden die theoretischen Erkenntnisse sofort in die Praxis umgesetzt und hoffentlich zu einem messbaren positiven Effekt führen.“ 


LENKER läuft bis Herbst 2028 und wird gefördert durch das Bundesministerium für Verkehr (BMV) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans.

08.04.2026
Autor/Autorin: Karoline Klimek
Fotograf/Fotografin: © Karoline Klimek
Bildrechte: © Hochschule Harz

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Prof. Dr. Sven Groß

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