Interdisziplinäre Ringvorlesung
CHANCENGERECHTIGKEIT - Utopie oder Realität?

In einer idealen Welt würde Chancengerechtigkeit herrschen. Wir leben in keiner idealen Welt, so viel ist uns allen bewusst, doch wie nah sind wir schon an einer wirklichen Chancengerechtigkeit? Ist sie eine reine Utopie Vorstellung oder können wir sie erreichen? Gibt es sie vielleicht schon irgendwo? Mit Chancengerechtigkeit wären wir jedenfalls einen Schritt näher an der idealen Welt.

Haben Frauen schon dieselben Chancen wie Männer? Haben sie in deutschen Großstädten dieselben Chancen wie in Tel Aviv? Könnte eine von Männern programmierte künstliche Intelligenz Frauen diskriminieren? Kann in männerdominierten Büros mit statt über Kolleginnen geredet werden?

Diese und weitere Fragen werden mittwochs ab 18:00 Uhr in spannenden Vorträgen von unseren Professorinnen und Doktorinnen, sowie externen Referentinnen, erkundet.

Melden Sie sich jetzt per Mail bei Frau Lisa Pippirs unter lpippirs(at)hs-harz.de und erhalten Zugang zu allen Terminen der Ringvorlesung. Bei den Präsenzveranstaltungen in Halberstadt und Wernigerode ist auf Wunsch auch eine Kinderbetreuung möglich. Geben Sie dies bitte bei Ihrer Anmeldung mit an.

 

19.10.2022 in Halberstadt (Hörsaal N110) und Online
Professorin Angela Kolb-Janssen (Fachbereich Verwaltungswissenschaften)
„Verwaltung braucht Vielfalt!“
Ein Plädoyer für einen strukturellen Ansatz für mehr Geschlechtergerechtigkeit

Für die Sozialdemokratin Marie Juchacz war die Einführung des Frauenwahlrechts am 19. Februar 1919 eine Selbstverständlichkeit: „Sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten war.“ Auch bei der Formulierung des Art. 3 Grundgesetz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“, wurde hart gestritten. Und tatsächlich hat sich in den vergangenen 100 Jahren viel getan. Wir hatten 16 Jahre lang eine Bundeskanzlerin und mittlerweile werden immer mehr Parlamente auf Bundes- und Landesebene paritätisch besetzt. Dennoch sind Frauen auch heute nicht auf allen politischen Ebenen gleichberechtigt vertreten. Während der Anteil im Bundestag 34,8 Prozent beträgt, sind es im Landtag von Sachsen-Anhalt gerade einmal 28 Prozent. In den Kommunalparlamenten liegt ihr Anteil nur noch bei 19,4 Prozent. In Sachsen-Anhalt gib es eine Oberbürgermeisterin und keine Landrätin. Der Anteil von Frauen und Männern in den Verwaltungsspitzen in den Land- und Stadtkreisen beträgt gerade einmal 7.1 Prozent.

Dr. Elisabeth Selbert, eine der Mütter des GG, bezeichnet „die mangelnde Heranziehung von Frauen zu öffentlichen Ämtern und ihre geringe Beteiligung in den Parlamenten … schlicht als Verfassungsbruch in Permanenz“. Ungleichheit zeigt sich aber auch in Bereichen, die unmittelbare Auswirkung auf das Leben von Frauen haben: der Gender Pay Gap, liegt immer noch bei 18. Die Tatsache, dass Frauen einer ungleich höheren Gefahr unterliegen, Opfer von Gewalt zu werden und die Benachteiligung beim Zugang zu Ressourcen belegen, dass wir von tatsächlicher Gleichstellung immer noch weit entfernt sind.

Wir können wir das ändern? mit einer umfassenden Strategie, die sicherstellt, dass in allen Bereich mit den Frauen geredet wird, und nicht über sie bzw. ihre Interessen entschieden wird. Das gilt auch für die öffentliche Verwaltung, die zwar über einen hohen Anteil von Mitarbeiter*innen verfügt, aber in vielen Bereichen nach wie vor nicht über eine Gleichstellungsstrategie verfügt. Dazu braucht es zunächst einmal eines Bewusstseins, dass Gleichstellung nicht nur eine gesetzliche Aufgabe ist, sondern im Interesse aller Beschäftigen – Männer und Frauen - liegt. Im Rahmen der Ringvorlesung sollen einzelne Aspekte der Gestaltung und Umsetzung solcher Strategien beleuchtet werden. Eine intensive Debatte an der Hochschule könnte wiederum einen Prozess in Gang setzen, der gerade im Hinblick auf die Ausbildung für den öffentlichen Dienst nach neuen Ansätze für Diversität und Vielfalt in Zeiten des Fachkräftemangels sucht.

„Ich war in meinem beruflichen Leben oft die einzige Frau unter Männern – für die jungen Frauen heute wünsche ich mir, dass sie selbstverständlich gleichberechtigt an allen Entscheidungen mitwirken und sich in die Gestaltung von Zukunftsprozessen einbringen können.“

Informationen zur Person:

Nach verschiedenen Amtszeiten als Ministerin der Justiz, Ministerin für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt sowie als Abgeordnete des Landtages ist Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen nach 15 Jahren zurück am Fachbereich Verwaltungswissenschaften der Hochschule Harz. Die ehemalige Dekanin und Professorin für Verwaltungsrecht wirkte in vielen bedeutsamen politischen Gremien wie dem Bundesrat mit. Wertvolle Erfahrungen aus der Politik, die sie seit dem Sommersemester 2021 an Studierende weitergibt.

02.11.2022 Online
Professorin Bernadette Spieler (Pädagogische Hochschule Zürich)
Weitere Informationen zum Vortrag folgen

16.11.2022 Online
Professorin Kerstin Schneider (Fachbereich Automatisierung und Informatik)
Künstliche Intelligenz - Auf die Daten kommt es an!

Denkende Maschinen. Lernende Maschinen. Intelligente Maschinen. Diskriminierende Maschinen?

Künstliche Intelligenz, kurz KI, bezeichnet Maschinen die ähnlich wie Menschen intellektuelle Leistungen erbringen und lernfähig sind.

So wie intelligente Menschen müssen auch intelligente Maschinen lernen und dazu mit Informationen und Daten versorgt werden. Ein kontinuierlicher Fluss aus aktuellen Daten hält die KI auf dem neusten Stand und sie lernt weiter. Was aber tatsächlich aus den Daten gelernt wird hängt aber oft davon ab wer diese Daten bereitstellt.

Durch ein zufällig rein männliches Team von Mitarbeitenden könnte eine KI lernen, dass alle Mitarbeiter automatisch männlich sein müssen. Weibliche (und nicht binäre) Mitarbeitende existieren demnach nicht im Weltbild der Maschine. Damit entstehen ungewollt die sogenannten „Biases“ (dt. Vorurteile) und mit ihnen eine Vielzahl von Herausforderungen.

Wird ein KI-Empfehlungssystem genutzt um aus einer riesigen Menge an Daten die nutzerrelevanten herauszufiltern und zu präsentieren, dann sorgen die Biases dafür, dass die Nutzerrelevanz gar nicht vorliegen könnte. Maschine und Mensch spielen sich also gegenseitig voreingenommene Informationen zu. Ein Teufelskreis.

Wie können wir Biases vermeiden und wie gehen wir mit KI-Systemen in weiteren Aspekten und Herausforderungen um?

Auf die Daten kommt es an!

Informationen zur Person:

Professorin Kerstin Schneider promovierte 2003 an der Fakultät Informatik, Elektro- und Informationstechnik der Universität Stuttgart. Sie lehrte unter anderem an der Fachhochschule Reutlingen, der Universität Stuttgart und der International University of Germany in Bruchsal. Im jahr 2004 wurde sie mit dem Forschungs- und Innovationspreis der Stiftung Rhein-Neckar-Dreieck („Maschinelles Bildverstehen - Multimediales Informationssystem zur Stadtgeschichte“) ausgezeichnet. Seit 2007 gibt sie ihr umfassendes Wissen über Datenbanksysteme an Studierende der Hochschule Harz weiter.

30.11.2022 Online
Doktorin Matilde Groß (Fachbereich WW) & Professorin Kerstin Heuwinkel (htw saar)
„Wie bin ich denn hier gelandet? Von Pilotinnen und Flugbegleitern“
Der Einfluss von Genderstereotypen auf Berufswahl und Karrierechancen

Genderzuordnungen wie Mann oder Frau machen einen Unterschied und haben eine hohe Relevanz sowohl für das Studium als auch für die spätere Berufstätigkeit.

Kerstin Heuwinkel untersucht systematisch Genderkonstruktionen („Wann ist der Mann ein Mann?“), -darstellungen („Südseeschönheit“) und –stereotype („Frauen verwechseln links und rechts“) am Beispiel des Tourismus und diskutiert die damit verbundenen Konsequenzen. In einer Analyse macht sie zunächst Frauen in der Tourismusindustrie (als Angestellte, in der Werbung und als Unternehmerin), als Reisende und als vom Tourismus betroffene Personen sichtbar. Danach zeigt sie sich wiederholende Muster bezogen auf gesellschaftlichen Annahmen und Praktiken. Sie diskutiert ob und welche Positionen, Abhängigkeiten und Handlungsalternativen in Abhängigkeit von der Genderzuordnung existieren. Ausgehend von soziologischen Konzepten deckt sie genderbasierte Strukturen und Konflikte auf und entwickelt eine Perspektive für gendergerechte Lösungen.

Der Vortrag basiert auf theoretischen Konzepten und Theorien, die jedoch im Vortrag nur skizziert werden. Im Vordergrund stehen Ergebnisse aus Fallbeispielen, Interviews und einer Befragung von Pilotinnen. Diese leiten über zur Diskussion. 

 

Informationen zur Person:

Kerstin Heuwinkel ist seit 2005 Professorin für Internationales Tourismus-Management, insbesondere Tourismussoziologie, an der HTW Saar. Ihre aktuellen Forschungen liegen im Umfeld des Responsible Tourism mit Fokus Female Empowerment. Ausgangspunkt für ihre Arbeiten ist ihr interdisziplinärer Hintergrund, im Wesentlichen die Kombination von Soziologie mit der Informationswissenschaft.

Kerstin Heuwinkel ist Autorin zahlreicher akademischer Publikationen. 2019 erschien das Buch Tourismussoziologie (http://www.utb-shop.de/tourismussoziologie-9823.html), das den ITB BookAward erhielt. 2021 erschien das Buch Frauen im Tourismus. Sie hält regelmäßig Vorträge auf Konferenzen und ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft DGT e. V. (https://www.dgt.de/) sowie im Arbeitskreis Tourismusforschung der Deutschen Gesellschaft für Geographie e. V. (https://www.ak-tourismusforschung.org).

Von 2002 bis 2005 leitete Kerstin Heuwinkel eine Arbeitsgruppe am Fraunhofer Institut für Software- und Systemtechnik und promovierte 2004 an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sie studierte in Düsseldorf und Barcelona.

07.12.2022 in Wernigerode (Hörsaal 3.001) und Online
Doktorin Keren-Miriam Adam (Fachbereich Wirtschaftswissenschaften)
Urban Planning and Gender Equality

Frauen unterschiedlichen Alters leben und altern in verschiedenen Gemeinschaftsformen auf der ganzen Welt. Eine dieser Formen ist das Leben in einer Großstadt. Während des größten Teils der Geschichte wurden die Stimmen und der Präsenz von Frauen marginalisiert. Wie andere Bereiche wurde auch der städtische Raum hauptsächlich von und für Männer gebaut. Die städtischen Einrichtungen und Dienstleistungen wurden auf der Grundlage der Merkmale und Bedürfnisse von Männern und der Art und Weise, wie Männer den öffentlichen Raum nutzen und sich in der Stadt bewegen, geschaffen.

Die Leitlinie für die Schaffung städtischer Resilienz besteht in der Förderung der Werte Gleichheit, Toleranz, Integration und gemeinsame Verantwortung als Hebel für die täglichen städtischen Aktivitäten. Das Leben in der Stadt bringt zahlreiche städtische Herausforderungen mit sich, wie z. B. Überbevölkerung und Druck auf die physischen Ressourcen, Lebens- und Wohnkosten, geringer sozialer Zusammenhalt, wirtschaftliche Ungleichheiten usw.

Frauen sind keine einheitliche Gruppe - sie haben unterschiedliche Hintergründe, die sich auf ihr Leben auswirken, aber es gibt eine Sache, die für alle Frauen gleich ist - Frauen sind einem höheren Risiko ausgesetzt, diskriminiert zu werden, Gewalt zu erleiden und mit Barrieren konfrontiert zu werden, die auf Stereotypen und traditionellen Geschlechterrollen beruhen. Auch im städtischen Bereich

Dieser Artikel konzentriert sich auf Tel Aviv als Fallstudie. Diese israelische Küstenstadt ist die größte und bevölkerungsreichste Metropole Israels und dient als wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des gesamten Landes. Die Ergebnisse einer gemeinsamen Studie von Frau Doktorin Keren-Miriam Adam und Rechtsanwältin Yehudit Leiba vom Wohlfahrtsministerium für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen in Jerusalem.

Informationen zur Person:

Doktorin Keren-Miriam Adam wurde in Israel geboren und lebt seit 2011 in Deutschland. Sie studierte Education Management und Middle East Studies, sowie Journalismus, in Tel Aviv und Jerusalem. 2009 promovierte sie an der Hebrew University in Jerusalem. Sie lehrte auf hebräisch, deutsch und englisch an verschiedenen Unoversitäten in Deutschland und im Ausland. Unter anderem an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg und seit 2020 an der Hochschule Harz.