Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr geht die Veranstaltungsreihe „Tanz trifft Wissenschaft“ in eine neue Runde. Die Kooperation zwischen der Hochschule Harz und der Tanzkompanie TanzHarz des Harztheaters verbindet erneut künstlerische Praxis mit wissenschaftlichem Arbeiten – und öffnet sich inklusiven künstlerischen Prozessen.
Die Reihe umfasst in diesem Jahr zwei Termine: Donnerstag, der 7. Mai, 17:30 Uhr, in der Hochschul-Bibliothek am Standort Halberstadt, sowie Mittwoch, der 20. Mai, 17:30 Uhr, in der Papierfabrik (Haus 9) auf dem Wernigeröder Campus. Während der erste Termin vor allem die unmittelbare Verbindung von Tanz und wissenschaftlicher Reflexion in den Mittelpunkt rückt, entfaltet sich im zweiten Termin ein erweitertes künstlerisches Projekt, das unterschiedliche Disziplinen und Ausdrucksformen miteinander verschränkt. Beide Termine sind öffentlich, der Eintritt ist frei.
Fotografie, Tanz und Malerei im Dialog
Im Zentrum steht ein Kooperationsprojekt, das an der Schnittstelle von Tanz, Fotografie und bildender Kunst angesiedelt ist: Tim Bruns, künstlerischer Mitarbeiter im Studiengang Medieninformatik und Teil des kuratorischen Kollektivs Fotoskopia, hat zwei Tänzerinnen von TanzHarz fotografisch begleitet. Die entstandenen Arbeiten wurden im Anschluss an der Hochschule Harz produziert und an das inklusive Kunstprojekt malwerk weitergegeben.
Das malwerk, eine Initiative der Evangelischen Stiftung Neinstedt zur Teilhabe von Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen, wird von dem Künstler Korvin Reich geleitet. Dort wurden die Fotografien weiterverarbeitet und in einem offenen künstlerischen Prozess mit Acrylfarben neu interpretiert. So entstanden Werke, die weniger als Übersetzung denn als eigenständige Fortsetzung zu verstehen sind – Arbeiten, in denen sich unterschiedliche Wahrnehmungen, Erfahrungen und schöpferische Handschriften überlagern.
Perspektiven treffen aufeinander
„Es ist immer spannend zu sehen, was passiert, wenn sehr unterschiedliche künstlerische Handschriften aufeinandertreffen“, sagt Korvin Reich. „In solchen Prozessen entsteht etwas, das sich nicht planen lässt – und genau darin liegt für mich die eigentliche Qualität.“ Tarek Assam, Direktor von TanzHarz, beschreibt die besondere Dynamik der Zusammenarbeit: „Tanz ist eine zutiefst körperliche Kunstform. Gerade wenn er in solche offenen und inklusiven Prozesse eingebunden wird, entstehen neue Perspektiven – für alle Beteiligten, aber auch für das Publikum.“
Für Tim Bruns steht vor allem die Frage nach den Möglichkeiten von Kunst im Mittelpunkt: „In einer Zeit großer gesellschaftlicher Spannungen und sozialer Herausforderungen interessiert mich, was kreatives Schaffen leisten kann – und was nicht. Mit unserem Projekt wollen wir zeigen, dass künstlerische Arbeit im Zusammenspiel mit inklusiven Prozessen in die Gesellschaft hineinwirken kann und Räume schafft, in denen Menschen gemeinsam ästhetische Erfahrungen machen. Das so entstandene Miteinander bringt dann langfristig – so die Hoffnung – Chancen auf Veränderung“.