Medieninformatik-Studierende beim Global Game Jam 2026
„Du schnappst dir als Waschbären-Mama deine Maske und dein Cape und ziehst los, um in Häusern für deine Babys Essen zu stehlen.“ So beschreibt die 22-jährige Medieninformatikerin Emely Worbs die Handlung des Videospiels, das sie gemeinsam mit ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen innerhalb eines einzigen Wochenendes von der ersten Idee bis zum spielbaren Endprodukt entwickelt hat.
Entstanden ist das Spiel im Rahmen des diesjährigen Global Game Jams (GGJ), dem weltweit größten Event für Spieleentwicklung. Jedes Jahr treffen sich Ende Januar zeitgleich zehntausende Teilnehmende in über 100 Ländern, um innerhalb von 48 Stunden Spiele zu einem gemeinsamen Thema zu entwickeln – in diesem Jahr lautete das Stichwort „Maske“. Im Mittelpunkt stehen dabei Zusammenarbeit, Experimentierfreude und kreativer Austausch. „Das Thema ist so offen gefasst, dass wir beim Brainstorming in ganz unterschiedliche Richtungen denken konnten“, erläutert Studentin Ronja Passauer den Ideenfindungsprozess. Am Ende sei in Teamarbeit etwas Einzigartiges entstanden, findet die 23-Jährige.
Darüber hinaus entstanden im Rahmen des Game Jams drei weitere eigenständige Spiele. In einem davon steuern die Spielenden den Pflege-Roboter L3-FT1 in einer Zukunft, in der die Menschheit in einer virtuellen Realität lebt und getarnte Viren die Systemstabilität bedrohen. Ein anderes Spiel setzt auf psychologische Spannung im All: Zwei Figuren behaupten jeweils, die einzige Kollegin oder der einzige Kollege zu sein – nur eine sagt die Wahrheit. Ein drittes, minimalistisches One-Button-Spiel simuliert den Aufstieg auf den Mount Everest, bei dem der Sauerstoffhaushalt unter extremen Bedingungen ständig im Gleichgewicht gehalten werden muss.
„In kürzester Zeit werden beim Global Game Jam aus ersten Ideen spielbare Konzepte“, erklärt Prof. Dominik Wilhelm, der den Jam bereits zum zehnten Mal an der Hochschule organisiert. Das kompakte, kreative Arbeiten unter Zeitdruck sei längst nicht nur für Studierende eine spannende Herausforderung: „Auch etablierte Studios nutzen Game Jams gezielt, um neue Impulse zu gewinnen und eingefahrene Denkweisen aufzubrechen. Für angehende Entwicklerinnen und Entwickler bietet das Format damit eine realitätsnahe Erfahrung, bei der zentrale Abläufe und Herausforderungen der Games-Branche unmittelbar erlebbar werden“, so Wilhelm weiter.
Für Oskar Krawaczynski, der im siebten Semester studiert, stand von Anfang an fest: „Zeitlich könnte es knapp werden, aber das Wichtigste ist der Spaß an der Sache.“ Um möglichst jede Stunde auszukosten, blieben viele der Teilnehmenden über Nacht in der Hochschule.
Am Sonntagnachmittag konnten die elf Medieninformatik-Studierenden schließlich stolz auf ihre Ergebnisse blicken: Innerhalb von nur 48 Stunden entstanden vier Spiele, die die individuellen Stärken und Ideen der Studierenden widerspiegeln. Alle Projekte stehen Interessierten online als kostenloser Download zum Spielen zur Verfügung. Seit seiner Gründung im Jahr 2009 hat der Global Game Jam für zahlreiche Entwicklerinnen und Entwickler den Einstieg in die Games-Branche markiert und weltweit bereits über hunderttausend Spiele hervorgebracht. Für die Studierenden der Hochschule ist er damit nicht nur ein kreatives Experiment, sondern auch ein wichtiger Schritt auf dem Weg in ihre berufliche Zukunft.
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19.02.2025
Autor/Autorin: Madeleine Gänge
Fotograf/Fotografin: © Isabell Schönhoff
Bildrechte: © Isabell Schönhoff