Am frühen Ostersonntagmorgen, noch bevor die Sonne über Wernigerode aufging, machten sich 13 internationale Studierende gemeinsam mit Regina Bernhardt, Integrationsbeauftragte und Dozentin für Deutsch als Fremdsprache an der Hochschule Harz, auf den Weg. Um 5:30 Uhr begann in der Johanniskirche in der Innenstadt der Ostergottesdienst der Neuen Evangelischen Gemeinde. Für viele der jungen Menschen aus Aserbaidschan, Sri Lanka, Nepal, Pakistan, Bangladesch und Indien war es ein besonderes Erlebnis, Ostern in Deutschland mitzufeiern.
„Egal, welchen religiösen Hintergrund jemand hat – es kann eine beeindruckende Erfahrung sein, an einem Ostergottesdienst teilzunehmen“, betont Regina Bernhardt.
Vaibhav aus Indien beschreibt seine Eindrücke: „Das Anzünden der Kerzen war besonders bewegend, es schuf eine ruhige und nachdenkliche Atmosphäre. Auch wenn die Formen anders waren als das, was ich kenne, habe ich die Bedeutung des Moments gespürt.“ Auch Rafael war von der Feier berührt: „Ich habe mich wieder wie ein Kind gefühlt, das dieses Fest wirklich religiös feiert, so wie ich es aus meiner Kindheit in Russland kenne. Es war schön, diese Emotionen noch einmal zu erleben.“
Nach dem Gottesdienst lud die Gemeinde die Gruppe zum gemeinsamen Frühstück ein – eine Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und Eindrücke zu teilen.
„Es war nicht nur das religiöse Ritual in der Kirche, sondern vor allem das Gefühl beim Frühstück, wie Menschen miteinander umgingen“, berichtet Alita aus Nepal und betont: „Selbst als internationale Studentin zwischen Fremden fühlte ich so viel Wärme. Es war unglaublich schön, mit Menschen zusammenzusitzen, die wirklich mit mir sprechen wollten, neugierig auf meine Erfahrungen in einem fremden Land waren und mir das Gefühl gaben, dazuzugehören.“ Auch Amit aus Indien hebt die Atmosphäre hervor: „Ostern in Deutschland zum ersten Mal zu erleben, war erhebend und bereichernd. Was mich am meisten überraschte, war das tiefe Gemeinschaftsgefühl und die friedliche Atmosphäre des Gottesdienstes.“
Regina Bernhardt zeigte sich bewegt von der Offenheit ihrer Studierenden: „Ich finde immer schön, wie grenzenüberschreitend solche Momente sind. Die Studierenden bringen ihre eigenen religiösen und kulturellen Traditionen mit – und können die Symbolik von Licht und Erneuerung verstehen und teilen.“ Für sie selbst hat die Auferstehung nicht nur eine religiöse Bedeutung, sondern steht auch für das Erwachen der Natur, den Übergang vom Winter zum Frühling – und das Licht, das über die Dunkelheit siegt.
10.04.2026
Autor/Autorin: Gesine Legler
Fotograf/Fotografin: © Alita Shrestha; Privat
Bildrechte: © Hochschule Harz