1. Konferenz des Instituts für zukunftsfähige Unternehmensentwicklung (IZU)
Wie gelingt der Schritt von ersten KI-Experimenten hin zu einer nachhaltigen und produktiven Anwendung? Mit dieser Frage beschäftigten sich zu Semesterbeginn Unternehmensvertreter und KI- Experten beim „IZU KI-Summit 2026“ an der Hochschule Harz. Ausrichter war das 2025 gegründete An-Institut für zukunftsfähige Unternehmensentwicklung (IZU), was sich aktuell auf KI-Transformation fokussiert und für den Transfer von Forschungsergebnissen einsetzt.
„Der Bedarf an einem praxisnahen Austausch zur Nutzung von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen ist groß“, betonen die drei Institutsleiter Prof. Dr. Tobias Blask, Prof. Dr. Philipp Schaller und Sebastian Lampe in ihrer Begrüßung zum Auftakt der Konferenz. Der Summit solle nicht nur Wissen vermitteln, sondern den Grundstein für einen nachhaltigen Austausch legen. „Wir müssen beim Thema KI voneinander lernen und die Entwicklung in der Region gemeinsam vorantreiben“, so Schaller.
Tobias Blask eröffnete mit seiner Keynote „State of AI & pragmatische Anwendung“ den fachlichen Teil der Konferenz. Im Mittelpunkt stand die Einordnung aktueller Entwicklungen und deren Bedeutung für Unternehmen. Dabei zeigte er auf, wie Künstliche Intelligenz sowohl zur Effizienzsteigerung bestehender Prozesse als auch zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle beitragen kann. „Aktuell sehen wir nur die Vorwellen. Der große Tsunami kommt noch – und danach wahrscheinlich direkt der nächste“, so der Experte. Auch die Tragweite der technologischen Veränderung ordnete er klar ein: „Der Impact wird vergleichbar mit der Erfindung des Rads sein.“ Darüber hinaus ging Blask auf die strategische Rolle von KI im Wettbewerb ein und betonte, dass es zunehmend darum geht, wie Unternehmen ihre Software und ihre Lösungen langfristig absichern und differenzieren können.
In den anschließenden Praxisbeispielen präsentierten mehrere Unternehmen aus der Region konkrete KI-Use-Cases und gaben Einblicke in ihre Erfahrungen. Ein Auktionshaus präsentierte live, wie sich historische Münzen mittels KI identifizieren und bewerten lassen und welchen Effizienzgewinn dies im Vergleich zum klassischen Recherchieren in Katalogen hat. In einem weiteren Beispiel präsentierte Christian Zineker von der Virtualix GmbH KI-Fördermöglichkeiten für Unternehmen und brachte eine zentrale Erfahrung auf den Punkt: „KI scheitert in der Praxis selten an der Technologie, sondern an fehlender Struktur bei der Einführung.“
„Viele Organisationen gehen bereits erste Schritte, die Überführung in stabile und produktive Strukturen bleibt jedoch anspruchsvoll. Unser Format setzte an vielen Stellen auf Austausch und Vernetzung, dabei wurde deutlich, dass ein Großteil der Unternehmen – unabhängig von Branche oder Ausgangslage – vor ähnlichen Aufgaben bei der Einführung und Skalierung von KI stehen“, so Lampe.
In der zweiten Keynote „Das KI-Labor-Konzept“ ging Philipp Schaller auf einen verbreiteten Irrtum ein: Künstliche Intelligenz ist nicht einfach die nächste Stufe der Digitalisierung, sondern eine Technologie mit grundlegend anderer Wirkungsweise, eine sogenannte „General Purpose Technology“ (GPT), die tiefgreifende Veränderungen auslöst. „KI ist kein weiteres Tool, das von Menschen deterministisch gesteuert werden kann, sondern eine fundamental andere Art Maschine, eine die autonom entscheiden und handeln kann.“
Daraus ergibt sich laut Schaller auch die Notwendigkeit neuer Herangehensweisen. Klassische Digitalisierungslogiken greifen zu kurz. Stattdessen empfiehlt er einen Lern- und Veränderungsprozess, der sich an wissenschaftlichem Experimentieren orientiert. Auf dieser Grundlage stellte er einen methodischen Ansatz vor, mit dem Unternehmen KI-Potenziale systematisch identifizieren, priorisieren und in konkrete Anwendungen überführen können. Ziel ist es, strukturiert von ersten Ideen und Pilotprojekten zu einer nachhaltigen KI-Transformation zu gelangen.
Aus den Diskussionen, Praxisbeispielen und interaktiven Formaten lassen sich aus Sicht des IZU vier zentrale Erkenntnisse ableiten:
Nach den positiven Rückmeldungen zu der Veranstaltung, die insbesondere die Praxisnähe und den offenen Austausch hervorhoben, ist klar: „Mit dem Summit haben wir den Ausgangspunkt für die weitere Vernetzung geschaffen. Der Bedarf an Austausch und Orientierung bleibt hoch“, so Lampe.
Deutlich wurde auch: Nachhaltige KI-Transformation entsteht vor allem dort, wo Unternehmen voneinander lernen und Wissen offen teilen. Blask betont mit Blick auf die Zukunft: „Wir wollen den Aufbau einer regionalen KI-Community weiter vorantreiben und den Dialog zwischen Unternehmen und Wissenschaft nachhaltig stärken.“
Mehr zum An-Institut ist online unter https://www.izu-harz.de/ zu finden.
30.04.2026
Autor/Autorin: Prof. Dr. Tobias Blask, Prof. Dr. Philipp Schaller, Sebastian Lampe
Fotograf/Fotografin: © Hochschule Harz
Bildrechte: © Hochschule Harz