Mit neuer Inspiration zurück in den Traumjob

Sprach-Dozentin lässt ihr Sabbatjahr Revue passieren

Das neue Jahr ist erst wenige Wochen alt. Zeit zurück und gleichzeitig nach vorn zu blicken. Soll alles „weiter so“ laufen? Oder braucht es Veränderung? Auf der Flucht vor dem Hamsterrad hat sich in der modernen Arbeitswelt das Sabbatical als „Pausentaste ohne Kündigung“ etabliert.
 
Dozentin Maria – mit dem deutsch-belgischen Familiennamen Lobe-Van Camp, den sie allerdings selten erwähnt – ist eines der Urgesteine im Sprachenzentrum der Hochschule Harz. Über die Jahre hat sie bereits in allen Studiengängen des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften Englisch (und ab und zu Niederländisch) unterrichtet, heute liegt der Fokus bei den Tourismus-Studiengängen, den internationalen Programmen und dem neuen Studienangebot „Nachhaltiges Management“. Nachhaltigkeitsthemen und allen möglichen Arten des Wohnens, sowohl im Alltag als auch während eines Urlaubs, gilt ihr besonderes Interesse.
 
Hello everybody. Dag allemaal. Bonjour. Guten Tag. Buongiorno.
 
Mit diesen Sprachen ist Maria ziemlich gut durch ihr einjähriges Sabbatjahr gekommen. Inzwischen ist sie wieder auf dem Wernigeröder Campusleben gelandet und berichtet im Interview, was die Auszeit in ihr bewegt hat.

Was waren Deine persönlichen Beweggründe für das Sabbatical?
 
Sowohl die Tatsache, dass mein Mann 420 km entfernt arbeitet und die Ehe lange eine Wochenendehe war, als auch der frühe Tod von zwei Bekannten in ihren 40ern und gesundheitliche Warnzeichen bei meinem Mann führten zu dem Entschluss, dass wir nicht bis zu unserer Rente warten wollten, um uns eine Auszeit oder eine längere Reise zu gönnen.
 
Was hast Du Dir von dem Sabbatical erhofft?
 
Ehrlich: Regeneration, ein Auffüllen unserer Energie-Tanks und Inspiration. Und das ist auch voll und ganz gelungen.
 
Wie lange warst Du unterwegs und wohin ging die Reise?
 
Unsere Frühlingsreise dauerte knapp vier Monate am Stück und führte durch Sizilien, Festland-Italien, Korsika, Süd-Frankreich und Nordspanien bis Nordportugal mit einem Schlenker über die Provence und die Schweiz auf der Rückreise. Kürzere Reisen gab es später nach Estland, in die Niederlande, Wien und die Schweiz. Wir haben zudem wunderbare Zeiten in Deutschland und Belgien mit Freunden und Familie abgewechselt mit kleineren Ausflügen.
 
Bei einem Sabbatical denkt man fast automatisch an eine Weltreise oder ähnliches – warum habt Ihr Euch nicht dafür entschieden?
 
Diese Idee hatten wir ursprünglich auch, aber schon alleine die Tatsache, dass wir an drei verschiedenen Orten wohnen und das auch mittelfristig nicht ändern können, bedeutet eine gewisse Bürokratie, die sich bei einer (Welt)Reise nicht in Luft auflöst. Außerdem wäre ein ständiges Unterwegssein kräftezehrend – genau das wollten wir vermeiden. Obendrein haben wir so viel über Nachhaltigkeit gelesen, über Fliegen und andere Aspekte, dass wir auf die Reise nach Japan-Neuseeland verzichtet haben. Das war schmerzhaft für meinen Mann. Für mich war das leichter, da ich schon in beiden Ländern gewesen bin. Die Umwelt jedoch weiter gar nicht in Betracht zu ziehen, wird für uns alle schmerzhafter. Wir verzichteten bewusst.
 
Wie hast Du Dich auf die Reise vorbereitet?
 
Die Frühlingsreise habe ich komplett durchorganisiert, von der ursprünglichen Route, den Orten, wo wir übernachten wollten, der Aufenthaltsdauer, über die Unterkünfte bis zu den Ausflügen, die an der jeweiligen Station ein Muss waren. Mein Mann hat sich um die praktischen Dinge, wie eine Mautbox für Frankreich, Italien, Portugal und Spanien gekümmert, oder um die Parkplätze, die man im Voraus buchen musste, wie z.B. in Florenz; die Fähren, die Finanzen, die Dinge, die zu Hause weiterlaufen mussten…

Gibt es in diesem Zusammenhang etwas, was Du heute anders machen würdest?
 
Um es mit Edith Piaf zu sagen „non, je ne regrette rien“. Zwei Unterkünfte waren nicht, was sie online versprachen. Wir haben den Aufenthalt dort verkürzt und anderswo gebucht.
 
Welche Tipps und Tricks hast Du für ein Sabbatical?
 
Plane die Reisen und Ausflüge gründlich ein gutes halbes Jahr im Voraus – das ist günstiger und macht die Reise stressfreier – mit Rücksicht auf das, was sich zu Hause abspielt oder bedacht werden muss. Wir sind große Fans der Nebensaison. Die auszunutzen war der riesige Vorteil des Sabbaticals. Wer viel reisen möchte, tut gut daran, immer mal nach etwa zwei Monaten 14 Tage zu Hause einzukehren, um Dinge zu erledigen, die kaum oder keinen Aufschub erlauben. Es ist auch schlau, Zeiten vorzusehen, wo gar nichts geplant ist. Diese füllen sich von selbst.
 
Was waren die Highlights Deiner Reise?
 
Als Ganzes war das ohne Zweifel die Frühlingsreise. Im Besonderen waren es – und ich sage das nicht, weil ich im Sprachenzentrum arbeite – die Freude der Leute, wenn man ihre Muttersprache gut oder sogar nur ein wenig beherrscht und die längeren Gespräche, die sich daraus ergaben. Aber auch das Fahren mit einem Deux Chevaux (2CV) in Frankreich, die Unterkunft in einem Orangen- und Zitronenhain in Italien, das Wohnen in einem Mini-House (bis zu 40m²) in den Niederlanden, einem Tiny-House (bis zu 25 m²) in Deutschland, das Schlemmen in und Entdecken von Tallinn und das Ausprobieren einer Kapselunterkunft in Luzern.
 
Welche Erfahrungen und Erkenntnisse nimmst Du persönlich aus dem Sabbatical mit?
 
Vor unserem Sabbatical waren sowohl mein Mann als auch ich extrem auf unsere Arbeit fokussiert und wir wussten nicht so recht, wie wir das hätten ändern können, auch wenn wir es gewollt hätten. Eine gewisse Distanz zu bekommen und Zeit zur Besinnung waren gut, um sich eine bessere Work-Life-Balance zurechtzulegen, die sowohl der Arbeit als auch dem Leben außerhalb der Arbeit zugutekommt.
 
Was hast Du für Deinen Beruf mitnehmen können?
 
Reisen bleibt unsere Leidenschaft und ist in den Studiengängen, die ich im Moment unterrichte, ein zentraler Bestandteil. Jegliche Erfahrungen bereichern nicht nur den Praxisanteil, sondern auch das Geben von Inspiration und die Beispiele, auf die ich zurückgreifen kann. Wir haben viel Englisch gesprochen, neue Eindrücke gesammelt, Veranstaltungen besucht, sind ins Leben der Einheimischen eingetaucht und haben einfach unseren Horizont erweitert – all das kann ich als Dozentin jeden Tag weitergeben an die Studierenden.
 
Wie sind Deine Zukunftspläne?
 
Einfach mit neuer Inspiration und neuem Elan das zu tun, wofür ich mich mit 16 Jahren entschieden habe: begeistert Lehrkraft zu sein!

Rahmenbedingungen Sabbatical

Die Hochschule Harz bietet allen Beschäftigten eine besondere Art der Teilzeit an, das Sabbatical. Folgende Varianten sind möglich:

  • 1 Jahr Teilzeitbeschäftigung mit 1/2 des Entgelts, wobei sich an eine Vollbeschäftigung von 6 Monaten unmittelbar eine Freistellung von 6 Monaten anschließt
  • 3 Jahre Teilzeitbeschäftigung mit 2/3 des Entgelts, wobei sich an eine Vollbeschäftigung von 2 Jahren unmittelbar eine Freistellung von 1 Jahr anschließt
  • 7 Jahre Teilzeitbeschäftigung mit 6/7 des Entgelts, wobei sich an eine Vollbeschäftigung von 6 Jahren unmittelbar eine Freistellung von einem Jahr anschließt

29.01.2024
Autor/Autorin: Janet Anders
Fotograf/Fotografin: © Maria Lobe-van Camp
Bildrechte: © Privat

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Maria Lobe-Van Camp

Sprachenzentrum
Tel +49 3943 659 163
Raum 9.337, Haus 9, Wernigerode
Sprechzeiten nach Vereinbarung