Mediencoach Simon Crins im Interview
Worauf muss man im Umgang mit Social Media und Künstlicher Intelligenz (KI) achten? Das erklärte Mediencoach Simon Crins in der April-Vorlesung der GenerationenHochschule. Neben Verhaltensregeln für Facebook, ChatGPT und Co. erklärte der Leiter des Medienzentrums der Stadt Salzgitter außerdem die Funktionsweisen sozialer Medien und Künstlicher Intelligenz. Im Interview fasst er die wichtigsten Tipps und Tricks aus seinem Vortrag zusammen.
Hallo Herr Crins, warum ist der sichere Umgang mit Social Media und Künstlicher Intelligenz so wichtig?
Weil wir alle Social Media und KI täglich nutzen, oft ohne es zu merken. Spamfilter, Gesichtserkennung am Handy, Empfehlungsalgorithmen bei Netflix – das ist alles KI. Nur wer weiß, wie die Mechanismen dahinter funktionieren, kann sich in der neuen Öffentlichkeit sicher und mündig bewegen. Für Social Media gilt im Prinzip das Gleiche: Wer versteht, dass Social-Media-Feeds kein (vollständiges) Spiegelbild der Realität sind, versteht auch, dass er oder sie seine Meinung nicht ausschließlich darauf stützen sollte. Zudem tauchen ständig neue Betrugsmaschen auf, die diese Mechanismen nutzen. Es lohnt sich daher, die eigene Medienkompetenz zu stärken.
Wo genau lauern Gefahren im Umgang mit sozialen Medien und KI?
Bei Social Media unterschätzen viele, wie stark Algorithmen steuern, was wir zu sehen bekommen und vor allem, warum wir es zu sehen bekommen. Plattformen zeigen uns bevorzugt Inhalte, die starke Emotionen bei uns auslösen, weil wir sie dann länger und häufiger nutzen. So schieben sich unsere Informationsräume unmerklich zusammen. Außerdem kann es zu einer Mediensucht kommen.
Eine relevante Gefahr durch Künstliche Intelligenz ist zudem, dass sich inzwischen mit wenigen Klicks täuschend echte Bilder und Stimmen erzeugen lassen – das gibt Betrugsmaschen wie dem Enkeltrick eine ganz neue Schlagkraft.
Was sind Tipps, zum sicheren Umgang mit entsprechenden Plattformen und Diensten?
Erste Maßnahme: Privatsphäre-Einstellungen prüfen und das eigene Profil privat stellen. Das verhindert, dass Inhalte unkontrolliert für jeden sichtbar sind. Außerdem keine Telefonnummern, Adressen oder Urlaubspläne in Kommentare schreiben – solche Infos sind mitunter öffentlicher als man denkt.
Zudem Inhalte und Nachrichten kritisch hinterfragen. Wenn Sie ein Bekannter um Geld bittet oder seltsame Links schickt, greifen Sie zum Telefon und fragen Sie nach, ob das wirklich von ihm stammt. Bei KI-Sprachmodellen gilt im Grunde das Gleiche wie für Social-Media-Posts: nicht alles glauben, was gut klingt, denn Sprachmodelle können sehr überzeugend Dinge erfinden.
Sollte man Angst davor haben?
Angst haben braucht man nicht, aber eine gesunde Vorsicht ist bei beidem durchaus angemessen. Was ich im Vortrag gemerkt habe: Viele Leute kommen mit einer diffusen Unsicherheit rein - sie hören von Deepfakes, Betrug, Datenmissbrauch, aber keiner erklärt ihnen konkret, worauf sie eigentlich achten sollen. Sobald man das einmal auf ein paar klare Regeln herunterbricht und die Wirkprinzipien einfach erklärt, verschwindet die Angst und wird zur Grundlage der individuellen Medienkompetenz. Das Ziel sollte also nicht Angst, sondern Souveränität sein.
Wo liegen die Vorteile von Social Media und KI?
Social Media hat etwas ermöglicht, was vorher schlicht nicht ging: Jeder kann veröffentlichen, kommentieren, sich vernetzen – nicht nur Verlage und Sender. So gesehen eine Demokratisierung der Kommunikation. Noch schöner wäre es, wenn die zugrundeliegenden Algorithmen nicht von Gewinnmaximierung, sondern von Gemeinwohlorientierung getrieben wären. KI kann im Alltag bei Dingen helfen, für die man früher einen Experten gebraucht hätte. Ob Hautkrebserkennung per App, Übersetzungen oder das Zusammenfassen von Texten. Die Resonanz im Publikum der GenerationenHochschule hat gezeigt: Das Interesse an diesen Themen ist groß.
Vielen Dank für das Interview.
Lebenslanges Lernen hat sich an der Hochschule Harz zu einer festen Institution und zum echten Publikumsrenner entwickelt. Einmal monatlich, jeweils an einem Dienstagnachmittag von 17 bis 19 Uhr öffnet die GenerationenHochschule auf dem Wernigeröder Campus ihre Pforten. Das vielseitige Angebot richtet sich an alle, die Interesse an Wissenschaft, aktuellen Themen und Weiterbildung haben. Der Gedankenaustausch über Generationen und Berufsgruppen hinweg ist das Herzstück dieser Vorlesungsreihe. Für die Teilnahme sind weder spezifische Vorkenntnisse, noch spezielle Qualifikationen wie Abitur oder Hochschulabschluss notwendig.
Die Vorlesungen der GenerationenHochschule werden von Professorinnen und Professoren der Hochschule Harz oder anderen anerkannten Fachleuten gehalten. Jede Veranstaltung setzt sich mit einem neuen, interessanten Thema auseinander. Um flexibel auch auf hochaktuelle Entwicklungen reagieren zu können, finden daher im Rahmen der Reihe GenerationenHochschule aktuell bei Bedarf kurzfristig Spezialvorlesungen statt.
Das aktuelle Programm und die Möglichkeit zur Anmeldung sind hier zu finden.
17.04.2026
Autor/Autorin: Mark Winter
Fotograf/Fotografin: © Mark Winter; Simone Hobrecht-Kettner
Bildrechte: © Hochschule Harz