Zwischen Kirschblüten und Hightech

Prorektorin Prof. Dr. Louisa Klemmer für die Hochschule Harz auf Japan-Reise

Für die Kirschblüte war es noch ein paar Tage zu früh, als die 21 Leiterinnen und Leiter deutscher Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) im März 2026 nach Tokyo reisten. Dafür war der Wissensgewinn umso größer. In sechs Tagen besuchte die Gruppe im Rahmen der Hochschulpolitischen Informationsreise „HAW.International“ Stationen in Tokyo, Nagoya Osaka, Kyoto und Nara. Ihr Ziel: Kooperationen mit japanischen Hochschulen und Unternehmen anzubahnen.

Es war die erste Japanreise der Internationalen DAAD-Akademie (iDA) und der DAAD-Außenstelle Tokyo, die sich dezidiert an HAW richtete. DAAD steht für „Deutscher Akademischer Austauschdienst“. „Der Fokus lag vor allem auf Transfermöglichkeiten zwischen deutscher Wissenschaft und japanischen Unternehmen, sowie Themen wie Start-ups und Entrepreneurship“, sagt Axel Karpenstein, Leiter der DAAD-Außenstelle Tokyo und Direktor des Deutsches Wissenschafts- und Innovationshauses (DWIH) Tokyo.

Japan hat sich als einer der wichtigsten Partner für Deutschland in Asien etabliert. Besonders in den Bereichen Robotik, Künstliche Intelligenz und der Forschung zu nachhaltigen Energien wie Grünem Wasserstoff setzt der Inselstaat Maßstäbe. Seit 2026 ist Japan als assoziiertes Drittland Teil des Horizon Europe Programms. Das macht die Zusammenarbeit für deutsche Hochschulen so attraktiv und einfach wie nie zuvor. Für Deutschland ist dieser Austausch essenziell, um von Japans hocheffizientem Technologietransfer zu lernen und gemeinsam Lösungen für eine alternde Gesellschaft und die Energiewende zu entwickeln. Das Interesse an Kooperationen wächst, was sich auch in der gestiegenen Nachfrage nach Forschungsaufenthalten in Japan zeigt.

Das Programm setzte gezielt auf Einrichtungen, die Theorie und Praxis verbinden. Im Avatar Café konnte die Gruppe erleben, wie soziale Robotik Menschen mit Einschränkungen gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht – ein Modell für inklusive Technologie. Das neu gegründete Institute of Science Tokyo sowie verschiedene Startup Support Hubs in Tokyo und Nagoya zeigten, wie Technologietransfer gestärkt und ungenutzte Räume erschlossen werden können. So wurde beispielsweise eine alte Schule in einen modernen Tech-Hub verwandelt.

Das Interesse an Deutschland ist groß

Auch Japan sucht den Austausch. Besonders deutlich wurde das beim Besuch der größten öffentlichen Forschungs- und Entwicklungsorganisation NEDO (New Energy and Industrial Technology Development Organization): „Präsident Naohiko Yokoshima begrüßte uns auf Deutsch und ermutigte die deutschen Hochschulleitungen, gemeinsam mit japanischen Kooperationspartnern Projektideen einzureichen“, so Karpenstein. NEDO stellte zudem Japans ambitionierte Strategien zur Wasserstoffwirtschaft und Green Transformation vor.

„Die gegenseitige Wertschätzung und das Interesse an der potenziellen Zusammenarbeit sind groß, der Austausch auf Augenhöhe“, berichtet Alema Ljumanovic-Hück, Leiterin der Internationalen DAAD-Akademie (iDA). „Trotz der unterschiedlichen Wissenschaftssysteme und Karriereentwicklungen gibt es viel Potenzial für Partnerschaften.“ Das betonte auch Dr. Michael Harms, Stellvertretender Generalsekretär des DAAD: „Die Einblicke in das Zusammenspiel von Hochschulen, Staat und Industrie im Bereich Forschung, Transfer und Innovation sowie der intensive Austausch mit japanischen Partnern und innerhalb der deutschen Delegation waren besonders wertvoll.“


Louisa Klemmer schildert ihre Erlebnisse:

„Mich hat besonders beeindruckt, wie ähnlich die gesellschaftlichen Herausforderungen in Japan und Deutschland sind – etwa im Umgang mit dem demografischen Wandel und den rasanten technologischen Veränderungen. Bemerkenswert war, mit welcher Konsequenz japanische Hochschulen diese Themen strategisch angehen – von interdisziplinären Studienangeboten bis hin zur engen Verzahnung von Praxis, Forschung und Transfer.

Ein Erlebnis, das mich besonders berührt hat, war der Besuch des DAWN Avatar Robot Cafés, dort werden ferngesteuerte Robotersysteme von Menschen mit körperlichen Einschränkungen bedient. Diese sogenannten „Piloten“ servieren Getränke und kommunizieren per Videochat mit den Gästen. Das Konzept verbindet Technologie, Inklusion und soziale Teilhabe – es zeigt, wie Innovation nicht nur ökonomische, sondern auch zutiefst gesellschaftliche Ziele verfolgen kann. Solche Ansätze der Mensch-Technik-Interaktion könnte ich mir auch in Deutschland gut vorstellen.

Neben den fachlichen Einblicken hat mich das alltägliche Zusammenleben in Japan tief beeindruckt: Rücksichtnahme, Ruhe und eine klare Orientierung am Gemeinwohl prägen das öffentliche Miteinander. Diese Haltung spiegelt sich auch in der akademischen Kultur wider. Höflichkeit bedeutet hier weit mehr als Etikette – sie ist Grundlage für Vertrauensbildung und Kooperation. Gerade in der Zusammenarbeit von Hochschulen zeigt sich, dass Respekt und persönliche Beziehungen den Erfolg von Studierendenmobilität, Forschungsprojekten und langfristigen Partnerschaften wesentlich prägen.

Für mich war die Reise sowohl fachlich als auch kulturell außerordentlich bereichernd. Die Begegnungen mit japanischen Partnern und der intensive Austausch innerhalb der deutschen Delegation haben verdeutlicht, dass Kooperationen mit Japan sehr gezielt gestaltet werden müssen. Besonders im Bereich der Studierendenmobilität sind kürzere und flexiblere Formate wie Summer Schools vielversprechend, da gerade viele junge japanische Studierende noch nicht so Mobilitäts-affin sind wie Masterstudierende oder Promovendinnen. Besonders im Bereich „Entrepreneurship Education“, in dem die Hochschule Harz mit dem Entrepreneurship-Semester bereits ein erfolgreiches Angebot hat, sehe ich Chancen für internationale Erweiterungen durch englischsprachige Kurzzeitformate oder gemeinsame Projektmodule.


 

Impressionen:

16.04.2026
Autor/Autorin: Sarah Kanning
Fotograf/Fotografin: © Prof. Dr. Louisa Klemmer; Deutscher Akademischer Austauschdienst sowie Prof. Dr.-Ing. Regina Schreiber
Bildrechte: © DAAD Tokyo; Hochschule Harz

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Prof. Dr. Louisa Klemmer, Ph.D.

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