Absolventen veröffentlichen Forschungsergebnisse in Fachzeitschrift
Die intensive Zeit mit der eigenen Masterarbeit endet normalerweise mit der Abgabe der Arbeit, der anschließenden Verteidigung und dem Erhalt der Abschlussnote. Für Mara Lutter und Albert Renn ging es danach noch weiter: Die beiden Absolventen des Masterstudiengangs Tourism and Destination Management entwickelten ihre Abschlussarbeiten zu wissenschaftlichen Fachartikeln weiter. Jüngst sind ihre Beiträge in der Sonderausgabe „Regenerative Entwicklung und Tourismus“ der Zeitschrift für Tourismuswissenschaft erschienen, die gemeinsam von Prof. Dr. Sven Groß (Hochschule Harz), Prof. Dr. Manuel Sand (Hochschule für angewandtes Management) und Nadine Schmidt Rojas (Dozentin und ebenfalls Alumna des Masterstudiengangs Tourism and Destination Management) als Gastherausgeber publiziert wurde.
In ihren Arbeiten beschäftigen sich die Alumni mit dem Themenfeld des regenerativen Tourismus sowie den Fragen, wie Reisen Menschen verändern können und welchen Beitrag Tourismus zu einer positiven Entwicklung von Reisezielen leisten kann. „Vom regenerativem Tourismus spricht man, wenn die Motivation darin liegt, den bereisten Ort besser zu hinterlassen, als man ihn vorgefunden hat“, erklärt Albert Renn. Damit gehe der Ansatz über den Gedanken des nachhaltigen Tourismus hinaus, der darauf abzielt, negative Auswirkungen des Reisens gering zu halten.
Auf das Thema aufmerksam wurden beide im Kurs von Nadine Schmidt Rojas, die Wahl-Australierin kehrt regelmäßig für Gastvorträge über regenerativen Tourismus an ihre Alma Mater auf den Wernigeröder Campus zurück.
Mara Lutter betrachtet die Perspektive der Reisenden in ihrer Masterarbeit, die Ergebnisse hat sie im Artikel „Konsumentscheidungen im regenerativen Tourismus verstehen – Eine empirische Untersuchung von Einflussfaktoren“ zusammengefasst. „Viele Menschen stehen nachhaltigem Verhalten grundsätzlich positiv gegenüber, setzen diese Haltung aber nicht unbedingt im Alltag oder bei Reiseentscheidungen um“, erklärt die 28-Jährige. Sie wollte deshalb herausfinden, welche Faktoren die regenerative Verhaltensintention von Reisenden beeinflussen – also ihre Absicht, sich für regenerative Formen des Reisens zu entscheiden und entsprechend zu handeln. In einer quantitativen Befragung untersuchte sie den Einfluss persönlicher Einstellungen, des sozialen Umfelds, der wahrgenommenen Verhaltenskontrolle und der Umweltkompetenz.
Ein Ergebnis steche dabei besonders hervor: „Den größten Einfluss darauf, warum Menschen eine bestimmte Art des Reisens wählen, hatten die sogenannten subjektiven Normen. Darunter versteht man den wahrgenommenen Einfluss des sozialen Umfelds wie etwa von Familie und Freunden“, sagt die Autorin. „Menschen orientieren sich bei ihren Reiseabsichten demnach nicht ausschließlich an ihren eigenen Einstellungen, sondern auch daran, wie ihr Umfeld bestimmte Formen des Reisens bewertet.“ Und weiter: „Für Anbieter und Destinationen ergibt sich daraus beispielsweise die Möglichkeit, regenerative Reiseangebote stärker über soziale Vorbilder, Empfehlungen und authentische Erfahrungsberichte zu vermitteln.“
Auch bei Albert Renn stehen die Reisenden im Zentrum der Untersuchung, deren Ergebnisse er unter dem Titel „Wenn Reisen verändert – Eine quantitative Analyse von transformativen Reiseerfahrungen und deren Beitrag zum regenerativem Tourismus“ veröffentlichte. Seine Forschung, die auf Daten einer Online-Befragung von 249 Personen basiert, zeigt positive und statistisch signifikante Zusammenhänge zwischen transformativen Reiseerfahrungen und verschiedenen Dimensionen von regenerativem Tourismus. „Damit sind Reiseerlebnisse gemeint, die Menschen langfristig prägen und ihr Verhalten, Bewusstsein oder ihre Werte verändern können“, so der Autor. Eine Reise könnte beispielsweise ein stärkeres Verantwortungsgefühl gegenüber anderen Personen, eine neue Sicht auf das eigene Leben oder eine veränderte ökologische Weltanschauung nach sich ziehen und damit auch die Bereitschaft erhöhen, sowohl Gemeinschaften als auch der Natur etwas zurückgeben zu wollen.
Als besonders wichtige Reiseerfahrungen zeigten sich in der Studie die Begegnungen mit anderen Menschen vor Ort sowie die gemeinsame Zeit und die Gespräche mit ihnen. „Wenn unterschiedliche Lebensweisen und Perspektiven in einem fremden Umfeld aufeinandertreffen, kann der Austausch dazu beitragen, eigene Vorstellungen oder Vorurteile zu hinterfragen“, erklärt Albert Renn. Auch persönlich habe er das erfahren: „Wenn man über längere Zeit gemeinsam unterwegs ist, sitzt man ein Stück weit im selben Boot und passt aufeinander auf. Dadurch habe ich gelernt, stärker auf die Menschen in meinem Umfeld zu achten, mehr aus der eigenen Perspektive herauszukommen und mit weniger auszukommen“, sagt er. „Zur Regenerativität fehlt da aber noch ein Stück – und genau dieses fehlende Stück ist im Wesentlichen der Kern meines Artikels.“
Bei der Arbeit an dem Thema zeigte sich jedoch eine besondere Herausforderung, wie der 33-Jährige erklärt: „Solche Erfahrungen sind sehr individuell. Was einen Menschen nachhaltig verändert, kann für einen anderen Reisenden völlig normal sein oder auch eine völlig andere Rolle einnehmen. Wie sich transformative Reiseerfahrungen wissenschaftlich zuverlässig erfassen und mit regenerativem Verhalten in Verbindung bringen lassen, bleibt deshalb eine wichtige Frage für die weitere Forschung.“
Dass aus den Masterarbeiten auch wissenschaftliche Veröffentlichungen entstehen würden, war anfangs nicht geplant. Der entscheidende Impuls kam mit dem Call for Papers, also dem öffentlichen Aufruf, passende wissenschaftliche Beiträge für die die Sonderausgabe „Regenerative Entwicklung und Tourismus“ einzureichen. Thema und Zeitpunkt passten – und beide wagten den Schritt zur ersten wissenschaftlichen Publikation.
Aus ihren mehr als 100 Seiten umfassenden Masterarbeiten erstellten Mara Lutter und Albert Renn deutlich kürzere wissenschaftliche Artikel. Die Ergebnisse mussten neu strukturiert, argumentativ verdichtet und an die Anforderungen eines wissenschaftlichen Journals angepasst werden. „Den Artikel dann so runterzubrechen und ihn in einem komplett anderen Stil zu schreiben, das war doch noch mal eine kleine Herausforderung“, beschreibt Mara Lutter. Auch für Albert Renn war die Umstellung eine zusätzliche wissenschaftliche Lernphase: „Die Arbeit an einem Journal-Artikel unterscheidet sich sehr stark von der Arbeit an einer Masterarbeit. Man muss nicht nur sehr viele Vorgaben einhalten, sondern sich auch einem Reviewprozess stellen und den Text immer wieder überarbeiten, bis alles passt. Das war für mich ein sehr interessanter Lernprozess, da man hier seine Gedanken ähnlich wie beim Kolloquium argumentieren und begründen muss.“
Im August 2026 war es dann so weit: Die beiden Artikel wurden veröffentlicht. „Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich erst einen Master mache und dann auch noch zusätzlich eine erste Publikation vorweisen kann“, sagt Mara Lutter. Für Albert Renn ist die Veröffentlichung nicht nur ein Abschluss der Studienzeit, sondern auch ein weiterer Schritt in Richtung Zukunft. Er möchte sich weiterhin mit der Frage beschäftigen, was Reisen mit Menschen macht und strebt langfristig eine Promotion an. Besonders interessiert ihn die internationale Forschung, weil das Thema regenerativer Tourismus dort – insbesondere in Australien und Neuseeland – bereits stärker etabliert ist. Er findet: „Was gibt es denn Schöneres, als an einem Thema, für das man wirklich brennt, zu forschen, Erkenntnisse und Wissen zu generieren und das nach außen zu tragen?“
Hier geht’s zur Sonderausgabe "Regenerative Entwicklung und Tourismus" der Zeitschrift für Tourismuswissenschaft.
Zum Artikel von Mara Lutter: Konsumentscheidungen im regenerativen Tourismus verstehen – Eine empirische Untersuchung von Einflussfaktoren
Zum Artikel von Albert Renn: Wenn Reisen verändert – Eine quantitative Analyse von transformativen Reiseerfahrungen und deren Beitrag zum regenerativem Tourismus
Alle Informationen zum Masterstudiengang Tourism and Destination Management sowie zum Bewerbungsprozess sind auf der Studiengangswebsite zu finden.
06.10.2026
Autor/Autorin: Leonie Wolff
Fotograf/Fotografin: © Leonie Wolff
Bildrechte: © Hochschule Harz