Hackathon: 24 Stunden für Künstliche Intelligenz, Medizin und Nachhaltigkeit

Studierende und Lehrende entwickelten gemeinsam mit INDAMED digitale Prototypen

Wie viel kann man in 24 Stunden schaffen? Eine ganze Menge – wenn Studierende, Lehrende und Praxispartner zusammenkommen, genug Kaffee und Energiedrinks bereitsteht und die Ideen nur so sprudeln. Genau das erlebten die Teilnehmenden beim Hackathon der Hochschule Harz gemeinsam mit dem Praxispartner INDAMED. Von KI-gestützten Arztpraxen bis zum Upcycling alter Hardware zeigten die Teams, wie schnell aus einer Idee eine funktionierende Lösung wird. Der Halberstädter Softwareentwickler INDAMED, der digitale Lösungen für Arztpraxen und medizinische Einrichtungen entwickelt und vertreibt, war dabei nicht nur Impulsgeber des Hackathons, sondern brachte sich auch maßgeblich in die Konzeption und Umsetzung des Formats ein. So entstand ein praxisnaher Austausch, der Hochschule und Anwendungsperspektive direkt miteinander verband.

Ein Tag und eine Nacht voller Coding, Teamwork und kreativer Umwege führten zu überraschend weit entwickelten Prototypen. Im Mittelpunkt standen digitale Lösungen für echte Herausforderungen: von der Medizin über die Datenanalyse bis hin zur Nachhaltigkeit. Um 10 Uhr startete der Countdown, dann hieß es: Teams finden, Probleme verstehen, Ideen schärfen und loslegen.

Professor Dr.-Ing. Simon Adler, Studiengangskoordinator für Informatik und seitens Mitorganisator des Hackathons, brachte den besonderen Charakter der Veranstaltung auf den Punkt: „Der Hackathon ist ein soziales Event mit Informatikern und Praxispartnern. Wir arbeiten parallel an gemeinsamen Projekten mit Unternehmen und an Zukunftsthemen.“

Julia Biel, Informatik-Studentin an der Hochschule Harz, fasste ihre Eindrücke so zusammen: „Ich fand es besonders gut, dass man mal die Möglichkeit hatte, mit richtiger Firmensoftware zu arbeiten – gerade für die Leute, die eben mit INDAMED zusammengearbeitet haben. So konnte man auch einen tieferen Einblick in die Zukunft nach dem Studium und berufliche Optionen bekommen.“

Medizin trifft KI: Smarte Lösungen für den Praxisalltag

Ein Schwerpunkt des Hackathons lag auf digitalen Werkzeugen für den medizinischen Bereich. Ein Team entwickelte ein Modell, das Wartezeiten in Arztpraxen optimieren soll. Dabei ging es nicht nur um einfache Terminplanung, sondern um viele Faktoren, die den Praxisalltag beeinflussen können: Patientenverhalten, Wetter, Verkehrsmeldungen oder Störungen im öffentlichen Nahverkehr.

Ein weiteres Team arbeitete an einer KI-gestützten Abrechnungsunterstützung. Die Idee: Aus Arztgesprächen und vorhandenen Daten entsteht eine zentrale Übersicht, die Abrechnungsmöglichkeiten und notwendige Schritte besser sichtbar macht. So könnten Ärztinnen, Ärzte und Praxisteams künftig entlastet werden.

Auch ein KI-Support-Assistent entstand während des Hackathons. Dafür baute das Team eine sogenannte RAG-Pipeline auf – ein System, bei dem ein KI-Modell gezielt auf eine Dokumentendatenbank zugreifen kann. Ziel war ein Assistent, der interne Support-Teams entlastet, verschiedene Software-Handbücher berücksichtigt und seine Antworten mit korrekten Fundstellen belegt.

Nachhaltigkeit zum Anfassen

Nicht alle Projekte starteten mit brandneuer Hardware. Beim „Kindle Prozessmonitor“ ging es darum, alte Amazon-Kindle-Geräte, also E-Book-Reader von Amazon, weiterzuverwenden, die im Alltag eigentlich nicht mehr regulär nutzbar waren. Die Studierenden erweiterten die Geräte, spielten eigene Software auf und entwickelten zwei Apps: eine, die Live-Daten von Industriemaschinen anzeigt, und eine weitere, die die Belegung der Vorlesungsräume anzeigt. Aus ausrangierter Technik wurde so ein energieeffizienter Prozessmonitor – nachhaltig, kreativ und ziemlich smart.

Workflows und digitale Alltagshelfer

Ein anderes Team entwickelte einen Dokumenten-Workflow auf Basis einer Postgres-Datenbank. Postgres ist ein Datenbanksystem, also eine Software, mit der Daten gespeichert, verwaltet und abgerufen werden können. Dabei ging es darum, die eigenen Möglichkeiten im Grenzbereich auszuloten: Arbeitspakete, Abhängigkeiten und Übergaben zwischen Personen sollten ausschließlich über das Datenbanksystem realisiert werden. Besonders spannend war, dass alle Funktionen direkt in Postgres umgesetzt wurden – von Berechnungen über HTML-Ausgabe bis hin zu Schnittstellen, über die andere Programme Daten abrufen können.

Mit der „Fueld“-App verbanden Studierende Ernährung, Sport, Schlaf und Wohlbefinden. Besonders spannend: Das Team setzte auf „Vibe-Coding“, also das intuitive Programmieren durch beschreibende Prompts an die KI, ohne jedes Detail selbst zu codieren. Das Ergebnis zeigte: Die KI beschleunigt den Prototyping-Prozess enorm, braucht aber weiterhin die systematische Führung durch den Menschen, um alle Funktionen präzise umzusetzen.

Weitere Projekte reichten von einer Tetris-KI, die das Spiel als logistisches Problem betrachtet, bis zu einem selbst gebauten Billard-Tisch mit Gestenerkennung in Unity, einer Entwicklungsumgebung für interaktive Anwendungen.

Überall stand die Frage im Mittelpunkt: Wie weit kommt man in 24 Stunden, wenn man einfach anfängt?

Ein Abend mit Horst Zuse

Am frühen Abend gab Prof. Dr. Horst Zuse spannende Einblicke in die Lebensgeschichte seines Vaters, des legendären Computerpioniers Konrad Zuse, und in die Anfänge des digitalen Rechnens. Sein öffentlicher Vortrag schlug die Brücke zwischen den Anfängen automatisierter Berechnungen und aktuellen Themen wie Künstlicher Intelligenz.

Nach dem Vortrag kamen alle zum Abendessen zusammen – eine gute Gelegenheit, durchzuatmen, sich auszutauschen und neue Energie zu tanken. Danach ging es für die Teams weiter: programmieren, testen, umbauen, verwerfen, neu denken.

Zwischen Mitternachtssnack und Endspurt

Zum Mitternachts-Snack waren einige Teams an schwierigen Punkten angekommen: Schnittstellen funktionierten nicht wie geplant, Modelle lieferten noch nicht die gewünschten Ergebnisse oder die Zeit wurde plötzlich sehr knapp. Probleme, die nachts unlösbar wirkten, konnten in den frühen Morgenstunden doch noch geknackt werden.

Beim Frühstück um 7 Uhr war die Müdigkeit spürbar, aber die Vorfreude auf die Präsentationen überwog. Um 9:30 Uhr stellten die Teams im Audimax ihre Ergebnisse und ihre wichtigsten „Lessons Learned“ vor. Die Jury prämierte das Team „Wartezimmer“ für seine Lösung zur Optimierung von Arztpraxen mit einem Gutschein für den Escape Room in Wernigerode.

Zum Abschluss erhielten alle Teilnehmenden einen INDAMED-Getränkebecher sowie weitere Goodies.

Fazit: Einfach machen lohnt sich

Der Hackathon zeigte eindrucksvoll, wie schnell aus einer Idee ein erster Prototyp werden kann – besonders dann, wenn Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven zusammenarbeiten. Studierende, Lehrende und Unternehmensvertreterinnen und -vertreter brachten ihr Wissen ein, probierten Neues aus und lernten voneinander. Gleichzeitig wurde klar: Die beste Technik hilft wenig ohne gute Kommunikation, Teamgeist und die Bereitschaft, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.

 

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10.07.2026
Autor/Autorin: Celine Fix
Fotograf/Fotografin: © Marlene Lotz
Bildrechte: © Hochschule Harz

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