Wald im Wandel

Studentisches Projekt zeigt die Entwicklung des Harzes

Ein schneidender Wind fegt über das Gelände des Natur-Erlebniszentrums HohneHof bei Drei Annen Hohne im Nationalpark Harz. Eine Gruppe von Studierenden stapft mit einem Ranger durch die hügelige und baumlose Landschaft, stoppt hier und da und sieht sich um. Vom dichten Wald, der hier einst stand, sind auf den ersten Blick nur noch einige wenige abgestorbene Baumstämme übriggeblieben, die einen trostlosen Eindruck vermitteln. Doch schaut man genauer hin, gibt es Anlass zur Hoffnung - überall wachsen junge Triebe und Sträucher nach. „Viele Besucher des HohneHofs fahren mit einem guten Gefühl nach Hause, wenn sie sehen, dass die Bäume nicht nur sterben, sondern auch etwas nachwächst“, sagt Nationalpark-Ranger Robby Meißner. Statt einer Fläche voll totem Gehölz ist bei näherer Betrachtung ein Wandel im Wald zu sehen - Fichten als Monokultur haben schon längst ausgedient und machen nun Platz für eine Vielfalt an Baum- und Pflanzenarten.

Diese Veränderungen hin zu einem gesunden Mischwald möchte das studentische Projekt „Waldwandel“ an der Hochschule Harz sichtbar machen und andere Studierende dafür sensibilisieren. Im vergangenen Semester übernahm diese Aufgabe eine Projektgruppe um Wirtschaftspsychologie-Studentin Lara Münkner. Der 22-Jährigen liegt der Harz besonders am Herzen: „Den Waldwandel und besonders das Waldsterben erleben wir als Projektgruppe bereits seit unserer Kindheit. Darum war es uns wichtig, selbst mehr darüber zu lernen. Zudem wollten wir unseren Kommilitonen, die den Harz nur im heutigen Zustand kennen, zeigen, dass durch den Waldwandel Chancen entstehen und deshalb Aufklärungsarbeit sehr wichtig ist.“

Zu diesem Zweck bereitete sie gemeinsam mit vier Mitstudierenden einen Workshop mit anschließender Führung am HohneHof für ihre Kommilitonen vor. Dabei wurden Schlagworte wie „Borkenkäfer“, „Klimawandel“ und „Fichtenmonokultur“ nicht nur erklärt, sondern waren im wahrsten Sinne des Wortes zum Greifen nahe: Im mitgebrachten Probenglas konnten die Teilnehmenden den Borkenkäfer aus nächster Nähe betrachten und an einer Baumrinde seine Fraßspuren und somit die Schäden, die er im Innern der Pflanze anrichtet, genau nachvollziehen. Viel zu entdecken gab es auch auf der rund zwei Kilometer langen Wanderung, die Teil des Workshops war: Getreu des Nationalpark-Mottos „Natur, Natur sein lassen“ wachsen rund um den HohneHof aktuell Douglasien, Rotbuchen und eine ganze Bandbreite verschiedener Baumarten nach, deren junge Triebe Robby Meißner der studentischen Gruppe zeigte.  

Das Erscheinungsbild des Harzes in Kombination mit dem Workshop hat bei den Teilnehmenden Eindruck gemacht, wie Lara Münkner beim abschließenden Lagerfeuer erklärt: „Besonders überraschend war für uns, dass trotz der kahlen Landschaften langfristig ein neues und stabiles Ökosystem entsteht. Durch die erlebnisorientierte Auseinandersetzung vor Ort am HohneHof wurde der Waldwandel für uns greifbarer und verständlicher.“

Bereits seit 2020 veranstaltet in jedem Wintersemester eine Gruppe von Wirtschaftspsychologie-Studierenden einen Workshop für ihre Kommilitonen. Betreut wird das Projekt von Jeannette Israel-Schart, Mitarbeiterin im Umweltmanagement an der Hochschule Harz: „Das Ziel des Workshops ist es, Wissen zum Waldwandel interaktiv zu vermitteln und Theorie und Praxis zu verknüpfen. Das heißt, das theoretische Wissen soll auch direkt im Harz erlebbar werden. Zum Start in die Projektarbeit treffe ich mich dazu im Rahmen eines Kick-off-Meetings mit den Studierenden und vermittle auch den Kontakt zum Nationalpark.“

Das Projekt Waldwandel ist eines von zahlreichen Kooperationsprojekten der Hochschule mit dem Nationalpark Harz, Grundsteine dafür wurden bereits bei der Nationalparkfusion vor 20 Jahren gelegt. Die enge und langjährige Partnerschaft konnte im letzten Jahr endlich auch ganz offiziell besiegelt werden und wird auch zukünftig durch gemeinsame Projekte mit Leben gefüllt. 

20.03.2026
Autor/Autorin: Mark Winter
Fotograf/Fotografin: © Mark Winter
Bildrechte: © Hochschule Harz

Themen:

Teilen:

Jeannette Israel-Schart

Mitarbeiterin im Umweltmanagement
Tel +49 3943 659 823
Raum 6.110, Haus 6, Wernigerode