Zweite Ausstellung „Camouflage" zeigt zeitgenössische Fotografie zu Rüstungsökonomie und Macht – neue Forschungsprojekte geplant
Die Ausstellungsreihe Fotoskopia geht in die zweite Runde: Am 21. März 2026 eröffnet im Museum Schiefes Haus in Wernigerode die Ausstellung „Camouflage" mit Arbeiten von Claude Bühler, Natalia Kepesz, Lennart Pimpl und Luis Lucyga. Parallel dazu entwickeln die Hochschule Harz und das kuratorische Team um die Alumni Tim Bruns, Anika Spereiter und die Leipziger Fotohistorikerin Annekathrin Müller mehrere Forschungsprojekte, die Fotoskopia als kulturelles Testfeld nutzen.
Während Kriegsbilder heute omnipräsent durch soziale Medien zirkulieren, richtet „Camouflage" den Blick auf jene Strukturen, die im öffentlichen Diskurs meist verborgen bleiben. Die vier künstlerischen Positionen kartografieren Produktionsorte der Rüstungsindustrie, dokumentieren militärische Sommercamps für Kinder in Polen, analysieren historisches Bildmaterial aus dem Krupp-Archiv und untersuchen die Nachhaltigkeitsversprechen börsennotierter Waffenproduzenten. Die Ausstellung stellt die Frage: Wer kontrolliert, was wir sehen – und was verborgen bleibt? In einer Zeit, in der Begriffe wie Kriegstüchtigkeit den gesellschaftlichen Alltag durchdringen, schafft sie einen Raum für kritische Auseinandersetzung.
Die Zusammenarbeit zwischen Fotoskopia und der Hochschule Harz geht über die frühere Nutzung des Museums hinaus. Drei konkrete Projekte sind nun in Planung: Unter Leitung von Prof. Dr. Patrick Hehn entwickeln Wirtschaftspsychologen Strategien im Kulturmarketing, um jüngere Zielgruppen für zeitgenössische Kunst zu gewinnen. Wie können Kultureinrichtungen im ländlichen Raum Menschen ansprechen, die bislang keinen Zugang zu Kunstausstellungen haben? Welche Rolle spielt Kunstvermittlung dabei? Fotoskopia wird zum Reallabor, in dem verschiedene Ansätze erprobt und wissenschaftlich begleitet werden. Ein zweites Projekt unter Leitung von Prof. Dr. Patrick Rempel und Jana Diesener widmet sich der Verwaltungsdigitalisierung. Im Fokus steht die neue EUDI-Wallet (European Digital Identity Wallet) des Bundes und ihre Einsatzmöglichkeiten im Kultursektor – von der automatisierten Abwicklung von Kurtaxe-Nachweisen für ermäßigte Eintritte über digitale Kulturpässe bis hin zur vereinfachten Verwaltung von Gruppenbesuchen. Das Schiefe Haus dient dabei als Pilotprojekt für die praktische Implementierung. Zukünftig sind zudem Kooperationen mit dem Bachelor-Studiengang Medieninformatik und dem Master-Studiengang Medien- und Spielekonzeption unter Prof. Gregor Theune geplant. Digitale Screens, interaktive Videoformate oder innovative Ausstellungsgestaltung könnten neue Wege der Kunstvermittlung eröffnen – und knüpfen damit an die erfolgreiche Zusammenarbeit an, aus der bereits nach der Sanierung des Hauses im Jahr 2012 frühere Dauerausstellungen zu Karl Blossfeldt und Paul Renner hervorgingen.
Die vielfältigen Projekte verfolgen ein gemeinsames Ziel: Fotoskopia und das Museum Schiefes Haus sollen als feste Einrichtung für zeitgenössische Fotografie etabliert werden – in Wernigerode, aber auch überregional. Für die Hochschule Harz entsteht ein lebendiges Testfeld für innovative Ansätze, Studierende kommen direkt mit kulturellen Fragestellungen in Berührung und werden für die gesellschaftliche Bedeutung von Kunst und Kultur sensibilisiert. Was hier erprobt wird, könnte wegweisend für andere Kulturorte im ländlichen Raum sein. Die Erfahrungen aus Marketing, Digitalisierung und Vermittlung kommen dabei der gesamten Kulturszene im Harz zugute. Die Verbindung von künstlerischer Qualität, wissenschaftlicher Fundierung und praktischer Innovation zeigt, wie Alumni-Initiativen wiederum zum Lernort für nachfolgende Studierendengenerationen werden können.
22. März 2026 bis 4. Oktober 2026
Eröffnung: 21. März 2026, 18:00 Uhr
Museum Schiefes Haus, Breite Straße 53, 38855 Wernigerode
Informationen zu Führungen und Workshops für Schulgruppen:
kontakt(at)fotoskopia.de | www.fotoskopia.de | Instagram: _fotoskopia
16.03.2026
Autor/Autorin: Tim Bruns
Bildrechte: © Natalia Kepesz, Claude Bühler, Luis Lucyga, Lennart Pimpl