Referenten während einer Podiumsdiskussion zum Anlass der Fachtagung des Projektes Vital an der Hochschule Harz

Wie gelingen gute Kooperationen zwischen Ehrenamt und Kommune?

Eindrücke von der Fachtagung VITAL

VITAL steht für Vereine und Initiativen für Traditionspflege und Attraktivitätserhalt in ländlichen Räumen – und ist weit mehr als ein Akronym. Das Projekt an der Hochschule Harz wird von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt gefördert und läuft bis Ende 2026. Der Hintergrund ist so simpel wie brisant: Viele kleine Kommunen geraten zunehmend unter Druck. Finanzielle Mittel sind knapp, Personal fehlt – und sogenannte „freiwillige Aufgaben“ werden zurückgefahren oder ganz abgegeben. In diese Lücken springen engagierte Bürgerinnen und Bürger, Vereine und Initiativen. Das Problem? Die Zusammenarbeit wird vielerorts immer wieder neu ausgehandelt.

  • Wer haftet, wenn etwas schiefgeht?
  • Wer entscheidet über Prioritäten?
  • Wer trägt langfristig die Kosten?

Was gut gemeint ist, kostet oft enorm viel Energie. Missverständnisse entstehen, Frustration wächst – und im schlimmsten Fall leidet das Engagement selbst. Unter der Leitung von Prof. Dr. Oliver Junk, Professor für Verwaltungsrecht, und Projektmitarbeiterin Stefanie Krebs untersucht das VITAL-Team gemeinsam mit Netzwerk heimatBEWEGEN e.V., welche Kooperationsmodelle es bundesweit gibt – und welche davon tatsächlich tragfähig sind.

Die Fachtagung: Wenn Theorie auf Praxis trifft

Am 25. Februar 2026 wurde das Thema ganz konkret: Bei der Fachtagung „VITALes Engagement, VITALe Kommunen – Wie gelingen gute Kooperationen zwischen Ehrenamt und Kommune?“ kamen über 50 Teilnehmende an der Hochschule Harz zusammen. Schon bei der Ankunft war spürbar, dass hier keine Gegensätze aufeinandertreffen – nicht „die Kommune“ hier und „das Ehrenamt“ dort –, sondern Menschen, die in unterschiedlichen Rollen dasselbe Ziel verfolgen: ihre Orte lebenswert zu halten. Ehrenamtlich Engagierte, kommunale Mandatsträgerinnen und -träger, Verwaltungsmitarbeitende sowie Netzwerkakteurinnen und -akteure diskutierten entsprechend offen und praxisnah. Dabei spannte sich der Bogen von unterschiedlichen Rahmenbedingungen in Stadt und Land sowie in Ost und West – die trotz verschiedener Ausgangslagen oft ähnliche Fragen nach Nachwuchs und Finanzierung aufwerfen – über das kommunalpolitische Ehrenamt zwischen Idealismus und wachsender Belastung bis hin zu digitalen Möglichkeiten der Unterstützung. Auch die Bedeutung von Räumen wurde neu beleuchtet, verstanden nicht nur als Gebäude, sondern als verlässliche strukturelle Freiräume, in denen Beteiligung auf Augenhöhe stattfinden kann.

Was sich wie ein roter Faden durch den Tag zog: Gute Kooperation entsteht nicht zufällig. Sie braucht Strukturen. Klare Absprachen. Transparente Prozesse. Und vor allem: das ehrliche Verständnis, dass beide Seiten aufeinander angewiesen sind. 

Mehr als ein Programm: Begegnung im Zwischenraum

Oft entscheidet nicht nur das offizielle Programm über den Erfolg einer Tagung – sondern das, was dazwischen passiert. In den Pausen wurde intensiv weiterdiskutiert. Kontaktdaten wurden ausgetauscht. Erfahrungen verglichen. Erste Ideen für gemeinsame Projekte angestoßen. Genau hier wurde sichtbar, worum es im Kern geht: Kooperation ist Beziehung. Und Beziehungen entstehen durch Gespräch. Die Tagung war damit nicht nur ein Ort des Austauschs über Kooperation – sondern selbst ein praktisches Beispiel dafür.

Mit der Fachtagung ist das Projekt nicht abgeschlossen – im Gegenteil. Jetzt beginnt die Phase der systematischen Auswertung. Interviews, Workshop-Ergebnisse und die Impulse der Tagung werden zusammengeführt. Daraus entsteht ein erster Entwurf der geplanten Handlungsleitfäden. Der Anspruch ist klar: Kein Papier für die Schublade. Sondern Orientierung für die Praxis. Kommunen, Engagierte und alle, die Zusammenarbeit künftig tragfähiger gestalten möchten, sollen konkrete Werkzeuge an die Hand bekommen – damit Kooperation nicht jedes Mal bei null beginnt.

Mehr Informationen zum Forschungsprojekt VITAL gibt es auf der Projektseite der Hochschule Harz.

09.03.2026
Autor/Autorin: Stefanie Krebs / Tim Bruns
Fotograf/Fotografin: © Hochschule Harz
Bildrechte: © Hochschule Harz

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Prof. Dr. Oliver Junk

Projektleitung VITAL

FB Verwaltungswiss.
Tel +49 3943 659 447
Raum D213, Haus D, Halberstadt

Stefanie Krebs

Projektmitarbeiterin VITAL

Projektmitarbeiter
Tel +49 3943 659 134
Raum 2.006a, Haus 2, Wernigerode