Nachhaltiges Management und Entrepreneurship

11 Fragen an den Studiengangskoordinator

Das Angebot an der Hochschule Harz wird ab dem Wintersemester 2021/22 um den Bachelorstudiengang Nachhaltiges Management und Entrepreneurship erweitert.

Koordinator Prof. Dr. Philipp Schaller erklärt im Interview, was Entrepreneurship bedeutet, welche beruflichen Perspektiven das Studium bietet und warum Wernigerode ein guter Ort ist, Ideen zu entwickeln.

Nachhaltiges Management und Entrepreneurship – wie passt das zusammen?

Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind zentrale Gegenwarts- und Zukunftsthemen für Organisationen und Unternehmen. Sie müssen neue Wege finden, um nicht auf der Rhetorikebene – Stichwort: „Greenwashing“ – zu bleiben, sondern um sich zu ändern und faktisch wirklich nachhaltig zu werden. Entrepreneurship bietet das Handwerkszeug und das Mindset dazu.

Das Management spielt eine wichtige Rolle im Studiengang und bringt beides zusammen. Ein gutes Management kann die Welt aus den Angeln heben, genauso wie schlechtes Management großen Schaden anrichten kann. Deshalb darf dieser Aspekt nicht unterschlagen werden. Nachhaltigkeit und Entrepreneurship gehören zusammen. Gutes Management muss neue Wege finden und Entrepreneurship ist das Instrument dafür, diese neuen Wege dann auch umzusetzen.

Was genau ist Entrepreneurship?

Entrepreneurship wird häufig mit Gründungslehre umschrieben. Im engeren Sinne ist Entrepreneurship also die Lehre davon, wie Ideen in Form von neuen Unternehmungen umgesetzt werden. Es ist aber so, dass wir in diesem Studiengang „Entrepreneurship“ breiter verstehen und nicht nur als Gründung von neuen Unternehmen, sondern grundsätzlicher als die Umsetzung von neuen Ideen. Beispielsweise Ideen als neue Wege, hin zu stärker digitalen und nachhaltigeren Geschäftsmodellen.

Wir werden das Thema Entrepreneurship einmal vollständig in einem Semester abbilden. Studierende durchlaufen dabei die wichtigsten Schritte von der Generierung von Ideen bis zu der Stelle, wo sie mit der Umsetzung beginnen könnten. Mehr Details bietet die Studienordnung.

Nachhaltig – Digital – Innovativ. Wie fit muss ich bei diesen Themen sein?

Studierende müssen nichts Spezielles in diesen Bereichen mitbringen, was inhaltliches fachliches Wissen betrifft. Sondern vielmehr eine Affinität zu diesen Dingen, also Lust und Interesse, sich damit zu beschäftigen. Wenn sie dieses Mindset haben, dann glaube ich sind die Voraussetzungen sehr gut, diesen Studiengang erfolgreich abzuschließen.

Welche Fähigkeiten und Interessen helfen mir im Studium?

Es muss nicht der Mathe-Leistungskurs gewesen sein, aber Studierende sollten keine große Angst vor Zahlen haben. Gerade im digitalen Bereich versuchen wir den Studierenden Daten als Rohstoff nahezubringen. Wir glauben, das ist ein sehr wichtiges Zukunftsthema, das eben auch bei der Entwicklung von Nachhaltigkeitskonzepten und neuen Geschäftsmodellen helfen kann. Auch in bestehenden Strukturen sind Daten ein sehr wichtiger Rohstoff. Das greifen wir in diesem Studiengang auf und zwangsläufig hat das natürlich mit Zahlen zu tun.

Und das zweite sind solide Englischkenntnisse. Das ist auch Zulassungsvoraussetzung für diesen Studiengang, weil das vierte Semester komplett auf Englisch gelehrt wird. Dort wollen wir Incomings, also ausländische Studierende, integrieren, sodass wir eben wirklich Englisch brauchen, um uns zu verständigen. Es gibt natürlich auch ein entsprechendes Sprachcoaching-Angebot zur Weiterentwicklung der eigenen Sprachkenntnisse. Aber es wäre natürlich wünschenswert, wenn Studierende solide Basiskenntnisse mitbringen.

Welche beruflichen Perspektiven bietet mir das Studium?

Ich kann mir vorstellen, dass Absolventinnen und Absolventen im Innovationsmanagement von Unternehmen tätig werden. Dass sie im Projektmanagement arbeiten, aber auch in anderen Bereichen wie Finance oder Supply Chain Management. Wenn es um Branchen geht, würde ich natürlich Unternehmensberatungen nennen. Aber ich glaube, dass genauso größere Unternehmen oder auch Non-Profits und NGOs Bedarf an Menschen haben, die über dieses Kompetenzprofil verfügen.

Nachhaltigkeitsmanagement wäre auch eine Möglichkeit. Was wir aber beobachten ist, dass Nachhaltigkeit weniger als eigener Funktionsbereich in Unternehmen oder als Stabsstelle existiert. Das ist Vergangenheit. Heute ist Nachhaltigkeit vielerorts eine querschnittliche Anforderung. Das heißt, egal in welchen Bereichen im Unternehmen unsere Alumni tätig sind, sie können die hier vermittelten Kompetenzen nutzen. Ich kann mir zudem vorstellen, dass Absolventinnen und Absolventen im Sinne von Inhouse-Beratung verschiedene Bereiche weiterentwickeln, Innovationen vorantreiben und damit als „Intrapreneure“ tätig werden.

Kurzum: der Studiengang zielt auf keine spezielle Branche und keinen bestimmten Funktionsbereich, sondern auf zukunftsfähiges General Management. Mit diesem Studienabschluss kommen sehr viele Positionen im Management in Frage. Oder man schafft sich seinen eigenen Job, indem man ein Unternehmen gründet. Das heißt wer sich vorstellen kann, eigene Ideen als Startup umzusetzen, für den ist dieser Studiengang hochinteressant.

Ich möchte kein eigenes Unternehmen gründen. Lohnt sich das Studium trotzdem?

Auf jeden Fall, der Studiengang läuft nicht darauf hinaus, zwingend ein Unternehmen zu gründen. Aber wenn, dann bietet das Studium die besten Voraussetzungen oder vielleicht sogar Gleichgesinnte, um die Idee umzusetzen. Das Instrumentarium des Entrepreneurship lässt sich aber genauso gut auch in bestehenden Unternehmen einbringen. Unternehmerisches Denken und Handeln wird auf dem Arbeitsmarkt zunhemend nachgefragt. Und das ist Entrepreneurship.

Werde ich die ganze Zeit in Wernigerode sein?

Wir haben uns bewusst dafür entschieden, dass wir das Studium relativ stringent ausrichten. Es ist vorgesehen, das ganze Studium in Wernigerode zu absolvieren. Im letzten Semester gibt es ein berufsvorbereitendes Praktikum, das natürlich ortsunabhängig ist und auch im Ausland absolviert werden kann. Den internationalen Aspekt erreichen wir durch die Integration der ausländischen Studierenden vor Ort.

Warum eignet sich die Hochschule Harz für ein Entrepreneurship-Studium?

Auf den ersten Blick, stellt man sich einen solchen Studiengang in Berlin oder ähnlichen Metropolen vor, mit ihren lebhaften Startup-Szenen. Aber das ist wirklich nur auf den ersten Blick so: Wernigerode ist ein sehr inspirierender Ort, an dem sich sehr gut arbeiten lässt und man wenig abgelenkt wird. FOMO – Fear Of Missing Out - erlebt man in Wernigerode weniger als in anderen Städten. Es lässt sich sehr konzentriert im Team oder auch für sich arbeiten.

Ich habe lange Zeit in München gelebt. Da wird jeder Quadratzentimeter kommerziell genutzt und es gibt kaum kreativen Freiraum. In Wernigerode oder generell im Harz gibt es eben noch Raum für Neues und das finde ich unheimlich inspirierend. Das regt einfach die Phantasie an. Hier kommt man auf Ideen, die man anderswo nicht bekommt und hat die Ressourcen, die Aufmerksamkeit, diese Ideen dann auch wirklich umzusetzen. Daher glaube ich, dass die Hochschule Harz in Wernigerode auf den zweiten Blick ein optimaler Ort für dieses Studium ist.

Würde mich die Hochschule Harz bei einer Gründung unterstützen?

Absolut. Wir sind gerade dabei parallel entsprechende Strukturen aufzubauen. Dazu gehört der „Gründerwald". Diesen wollen wir als zentralen Ansprechpartner an der Hochschule etablieren, für Studierende, die Interesse an einer Gründung haben oder darüber nachdenken. Gründerwald bündelt alle Kompetenzen, Hilfsangebote und Fördermöglichkeiten. Von der Erstberatung, vom Sparring von Ideen bis hin zur Finanzierung können wir überall unterstützen und Ansprechpersonen benennen. Die zweite Initiative „Harz Startups“ wird parallel ein übergreifendes Netzwerk über die gesamte Harzregion aufbauen. Auch darin wird die Hochschule Harz eingebunden sein. Es ist also viel in Bewegung im Bereich Gründungskultur – die ersten Studierenden kommen genau zur richtigen Zeit.

Haben Sie einen nachhaltigen Lebenswandel?

Ich bemühe mich tatsächlich. Aber woran macht man das fest? Alltagsgegenstände wie Bekleidung oder Haushaltsutensilien versuche ich nur anzuschaffen und zu entsorgen, wenn es absolut notwendig ist. Bewusster Konsum sozusagen. Auch bei der Mobilität stelle ich bei mir zunehmend ein Umdenken fest. Jeder sollte seinen Teil dazu beitragen und sich regelmäßig hinterfragen, dann können wir eine nachhaltigere Gesellschaft schaffen. Aber bei den Unternehmen und Organisationen haben wir einen größeren Hebel. Genau da setzt ja letztendlich auch unser Studiengang an: Wir wollen das Thema stärker in die Organisationen tragen, um so einen stärkeren Effekt zu erzielen.

Haben Sie bereits ein Unternehmen gegründet?

2017 habe ich mit einem Ex-Kommilitonen Explayn aufgebaut. Ein kleines Beratungsunternehmen, mit dem wir in Unternehmen effektive und menschenwürdige Arbeitsumgebungen vorantreiben wollen. Interessant ist in diesem Zusammenhang: Ich habe es im Wald gegründet. Ich war nicht in München, wo ich damals gelebt habe, sondern im Wald als der Anruf von meinem Gründungspartner kam, bei dem wir beschlossen haben, ein Unternehmen zu gründen. Auch deswegen ist Wernigerode im Harz sicher ein hervorragender Ort für Gründungen!

Noch Fragen offen?

Prof. Dr. Philipp Schaller beantwortet sie gern per E-Mail oder in einer Online-Sprechstunde am 17.06.2021 und 07.07.2021 um 18:00 Uhr.

Die Bewerbung für das Wintersemester ist bis zum 15.07.2021 möglich!

Weitere Informationen und Online-Bewerbungsformular

30.04.2021
Autor/Autorin: Claudia Kepke
Fotograf/Fotografin: © Maximilian Gruner
Bildrechte: © Hochschule Harz

Themen:

Teilen:

Prof. Dr. Philipp David Schaller

Studiengangskoordinator

FB Wirtschaftswissenschaften
Tel +49 3943 659 297
Raum 2.308, Haus 2, Wernigerode
Sprechzeiten mittwochs von 11:15 bis 12:15 Uhr