Trotz rechtlicher Verankerung der Gleichstellung in Deutschland bestehen weiterhin Ungleichheiten und Diskriminierungen in vielen Bereichen unserer Gesellschaft. Diese Ringvorlesung beleuchtet aktuelle Herausforderungen der Chancengerechtigkeit aus interdisziplinärer Perspektive und diskutiert innovative Lösungsansätze. Denn Chancengerechtigkeit kann das Leben einzelner Personen beeinflussen und prägt das Zusammenleben sowie den Fortschritt unserer Gesellschaft als Ganzes.
Wir freuen uns daher sehr, Sie/Euch recht herzlich zur diesjährigen Ringvorlesung ab dem 13. Oktober 2026 zu begrüßen.
Alle Studierenden, Mitarbeitenden und Interessierten sind herzlich willkommen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Bei Interesse an den Online-Angeboten stellen wir den Link auf Nachfrage per E-Mail zur Verfügung. Auch an den Vorträgen in Präsenz kann bei Interesse online über Zoom teilgenommen werden.
Bei weiteren Rückfragen können Sie sich gerne an das Gleichstellungsteam wenden:
Chancengerechtigkeit polarisiert seit einigen Jahren stärker als je zuvor – obwohl sie als breit anschlussfähig galt. Vor allem das in der Wirtschaft entstandene Konzept von Diversity, Equity & Inclusion zielte auf positive Effekte für alle Beteiligten ab. Es galt über 30 Jahre lang als Erfolgskonzept – über nationale, politische und sektorale Grenzen hinweg. Insbesondere in den USA entwickelte sich eine intensive Gegenbewegung, die Unternehmen, Hochschulen und andere Organisationen betrifft und sich über die Grenzen hinweg auf andere Kontinente auswirkt.
Der Vortrag zeichnet die Entwicklung von DEI nach, beschreibt die unterschiedlichen Formen von Widerständen und welche Auswirkungen sie hatten. Der Fokus liegt dabei auf den Fragen, die im Zentrum des heutigen Diskurs liegen und wesentlich zur Polarisierung beitragen: Welche Treiber und Interessen stehen hinter DEI? Welche Akteure vertreten und bewegen das Thema? Welche Kernaussagen prägen die Wahrnehmung von DEI? Und nicht zuletzt: Welche internationale Einflüsse prägen die Umsetzung in Deutschland, Europa und anderenorts?
Die Analyse an der Schnittstelle von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zeigt, wie sich DEI verändert hat und welche wirksamen und anschlussfähigen Ansätze sich im aktuellen Kontext ergeben.
Michael Stuber ist der international gefragte D&I Ingenieur & Pionier für die konstruktive und mehrwertige Weiterentwicklung von Kultur & Führung. In 25 Jahren begleitete er mit 400+ Projekten in 30+ Ländern Blue-Chip-Unternehmen aus allen Branchen – von strategischen Transformationen bis zu preisgekröntem kulturellem Change, stets als Beitrag zur Steigerung des Geschäftserfolgs. Er war und ist Vordenker zu Vielfaltsthemen im Business.
Als Autor von fünf Büchern, zahlreichen Studien und zahllosen Artikeln und Vorträgen prägt er die Fachdebatte zu aktuellen Themen wie Globalisierung, Migration, Produktivität, Gender oder Wettbewerbsfähigkeit. Seine Analysen und Inputs erschienen in Medien, Blogs, Podcasts – und auf Bühnen.
Er verbindet wissenschaftlich fundierte Analysen mit innovativen Praxislösungen, die integrative Wirkung in Wirtschaft und Gesellschaft entfalten.
Systeme des maschinellen Lernens werden zunehmend für die Unterstützung von schwerwiegenden Entscheidungen benutzt, etwa Einstellungsentscheidungen, Notengebung, Kreditwürdigkeit, medizinische Diagnostik. Gerade weil solche Entscheidungen so schwerwiegend sind sollten sie fair sein - das heißt: Weder Gruppen noch Einzelpersonen sollten fälschlicherweise benachteiligt werden. Der Vortrag gibt einen Überblick, wie unterschiedlich sich Fairness definieren lässt, wie (technische und nicht-technische) Strategien zur Erreichung von Fairness aussehen und wohin sich die Forschung entwickelt.
Benjamin Paaßen (nichtbinär) hat die Juniorprofessur für Wissensrepräsentation und Maschinelles Lernen an der Universität Bielefeld inne und ist assoziiert am Educational Technology Lab des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) sowie Junior Fellow der GI und Mitglied im Jungen Kolleg der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Forschungsschwerpunkte sind domäneninformiertes, interpretierbares und erklärbares maschinelles Lernen, insbesondere im Bildungsbereich.
Der Beitrag widmet sich der Bedeutung von Gender in der Tourismusforschung und untersucht das Reiseverhalten, hier insbesondere die erholungs- und regenerationsbezogenen Urlaubsmotive, nicht allein nach dem biologischen Geschlecht (Sex), sondern nach gelebten Geschlechterrollen (Gender). Auf Basis der Rohdaten der FUR-Reiseanalyse 2023 werden die Reisemotive in drei Schritten ausgewertet: ein eindimensionaler Geschlechtervergleich, eine Differenzierung nach Elternschaft (Kind/er unter fünf Jahren) sowie nach Belastungsprofilen, die Geschlecht, Erwerbstätigkeit und Haushaltsführung im Sinne des Doing-Gender-Ansatzes kombinieren. Der reine Geschlechtervergleich zeigt nur vernachlässigbare Unterschiede. Elternschaft verändert die Motivstruktur deutlich, jedoch primär entlang beziehungsbezogener Motive. Erst die Belastungsprofile offenbaren den zentralen Befund: Während sich die erholungsbezogenen Reisemotive Kinderloser je nach Rollenkonfiguration signifikant unterscheiden, nivelliert die Care-Verantwortung für ein Kleinkind diese Differenzen. Der Beitrag plädiert daher dafür, Gender in der Tourismusforschung nicht ausschließlich über eine biologische Geschlechtsvariable, sondern über die Analyse gelebter Geschlechterrollen empirisch zu erfassen.
Gleichstellung von Frauen und Männern ist Eckpfeiler internationaler Abkommen und fest in allen demokratischen Verfassungen Europas verankert – von echter Gleichstellung sind wir dennoch weit entfernt.
Gewalt gegen Frauen nimmt zu. Trotz „Nein heißt Nein" im Strafgesetzbuch fehlt es an Unterstützungsstrukturen wie Frauenhäusern und Beratungsstellen – und an wirksamem Schutz im digitalen Raum.
Die EU-Entgelttransparenz-Richtlinie hätte längst umgesetzt sein müssen; der Gender Pay Gap verharrt seit Jahren bei rund 18 Prozent. Auch der Frauenanteil in Führungsetagen sinkt wieder. Der Eindruck drängt sich auf: In Krisenzeiten verliert Gleichstellung an Priorität.
Der Vortrag geht deshalb der Frage nach, ob die Europäische Gleichstellungsstrategie 2026–2030 positive Wirkung auf die Mitgliedstaaten – insbesondere auf Deutschland – entfalten kann. Kann sie hier positive Impulse setzen, oder bleibt sie ohne spürbare Wirkung?
Viele Väter unterschätzen, wie stark sie die Atmosphäre in ihrer Familie mitbestimmen. Kinder spüren sehr genau, ob ihr Vater nach der Arbeit innerlich noch bei der Arbeit ist, ob er gereizt oder erschöpft ist, oder ob er gerade wirklich da ist. Und sie richten sich danach, oft ohne dass es jemand bemerkt.
Im Alltag zeigt sich das an kleinen Stellen, etwa an dem Abend, an dem nach einem langen Tag schon eine Kleinigkeit reicht, damit die Stimmung kippt, oder beim Streit um Handy und Hausaufgaben, bei dem man lauter wird, als man wollte, und sich hinterher über sich selbst ärgert.
Die eigene Haltung, die momentane emotionale Verfassung und der Umgang mit Stress sind wichtige Faktoren für die Beziehung zwischen Vater und Kind und dafür, wie Konflikte in der Familie verlaufen. Kinder lernen, sich zu regulieren, indem sie sich an den Erwachsenen um sie herum orientieren. Ein Vater, der die eigene Anspannung wahrnimmt und mit ihr umgehen kann, gibt ihnen dafür Halt.
Der Vortrag gibt zahlreiche Impulse, die dabei unterstützen, Kinder und sich selbst besser zu verstehen und als Vater entspannter und sicherer die Entwicklung der eigenen Kinder zu begleiten. Er sucht keine Schuldigen und verlangt keine Perfektion.
Carsten Vonnoh ist der bekannteste Väterexperte im deutschsprachigen Raum und Autor. Als systemischer Familienberater (DGSF) hat er über 1.000 Väter und Paare begleitet. Er ist selbst Vater, lebt im Weimarer Land und hat die Vaterherz® Akademie gegründet.